Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) registriert eine Zunahme der Versuche russischer Geheimdienste, Angehörige ukrainischer Soldaten, die in Russland in Gefangenschaft gehalten werden, zur Zusammenarbeit zu bewegen. Laut Angaben der Behörde werden solche Kontakte immer systematischer: Vertreter Russlands oder ihnen unterstellte Personen wenden sich an die betroffenen Familien mit dem Angebot einer „Zusammenarbeit' und nutzen dabei verschiedene Kommunikationskanäle sowie psychologischen Druck. Die SBU betont, dass solche Schemata darauf abzielen, sensible Informationen zu erlangen und Bürger in rechtswidrige Aktivitäten einzubeziehen.
Wie die Kontakte ablaufen
Laut Informationen der SBU wird der Kontakt zu den Angehörigen der Gefangenen telefonisch, über Messenger-Dienste oder per Videoschaltung hergestellt. In Einzelfällen erfolgt das Gespräch in Anwesenheit des Kriegsgefangenen selbst, was den Druck auf die Familie verstärkt und den близкий Menschen zum Instrument der Beeinflussung macht. Während solcher Kontakte versuchen die russischen Vertreter, sensible Informationen über die Soldaten und deren Umfeld zu erhalten; die konkrete Liste der angeforderten Daten wird in den verfügbaren Materialien der Behörde nicht offengelegt.
Was angeboten und was angestrebt wird
In einigen Fällen stellen die Vertreter des Aggressorstaates sofort Aufgaben zur Durchführung von Sabotageakten, Terroranschlägen oder Auftragsmorden. Außerdem werden die Angehörigen in Informations- und Psychologiekampagnen einbezogen, die darauf abzielen, die Ukraine zu diskreditieren. Damit geht die Rekrutierung über die bloße Sammlung von Informationen hinaus und wird zu einem Versuch, Bürger als Ausführende konkreter rechtswidriger Handlungen zu nutzen.
Manipulation über „Austauschlisten' und Geld
Für die Erfüllung der Aufgaben können die Russen ein angeblich loyales Verhalten gegenüber dem Kriegsgefangenen oder seine Aufnahme in „Austauschlisten' in Aussicht stellen. Dabei betont die SBU ausdrücklich: Eine Zusammenarbeit mit dem Feind hat keinerlei Einfluss auf die Möglichkeit eines Austauschs. Separat wurden Fälle registriert, in denen von den Angehörigen Geld gefordert wird, wobei unbegründet Hilfe bei der Rückkehr der Angehörigen aus der Gefangenschaft versprochen wird – was faktisch eine Betrugsaktion darstellt.
Empfehlungen der SBU
Die Behörde ruft dazu auf, einer Zusammenarbeit mit Vertretern des Aggressorstaates und Organisatoren solcher Schemata nicht zuzustimmen. Im Falle eines Rekrutierungsversuchs ist dies unverzüglich dem Sicherheitsdienst der Ukraine zu melden. Soweit möglich sollte das Gespräch oder die Korrespondenz festgehalten werden, da solche Materialien bei der Klärung der Umstände des Rekrutierungsversuchs helfen und die Familie vor weiterem Druck schützen können.
Kontext: Tarnung als ukrainische Strafverfolger
Die SBU erinnert daran, dass sie bereits zuvor über Fälle berichtet hatte, in denen russische Geheimdienste versuchten, Ukrainer in kriminelle Aktivitäten einzubeziehen, indem sie sich als Vertreter ukrainischer Strafverfolgungsbehörden tarnten und verschiedene Vorwände nutzten, um Bürger zu Bränden, Terroranschlägen und anderen rechtswidrigen Handlungen zu verleiten. Das aktuelle Schema mit der Rekrutierung der Angehörigen von Gefangenen ergänzt dieses Bild und weist auf eine Erweiterung des Arsenal der gegen die ukrainische Gesellschaft eingesetzten Methoden hin.