Westliche Sicherheitsdienste und Experten für nationale Sicherheit warnen vor einer deutlichen Verschärfung des sogenannten „Schattenkriegs“ Russlands gegen die NATO-Staaten. Nach ihren Einschätzungen testet der Kreml systematisch die Grenzen des Zulässigen im Konfrontationsverhältnis zum Bündnis, steigert die Welle gezielter Sabotageakte und bereitet den Boden für gezielte Tötungen auf europäischem Territorium. Hauptziel des Drucks wurde Deutschland, wo laut Geheimdienst- und Medienberichten zahlreiche Angriffe auf die Energieinfrastruktur, Flughäfen, Rüstungsbetriebe und staatliche IT-Systeme registriert wurden.
Drohnen über Leipzig und Blackout in Berlin
Zu den resonanzstärksten Vorfällen zählen die Vorfälle in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle, wo Drohnen mit Sprengstoff gefunden wurden. Berichten zufolge griff eines der Geräte ein Frachtflugzeug an und zwang es zur Kursänderung, während ein anderes an einem Baum mit installiertem Zünder befestigt war. Parallel dazu blieben in Berlin nach einem Sabotageakt mehr als 25.000 Haushalte ohne Stromversorgung, was nach Einschätzung von Beobachtern auf einen Übergang von punktuellen Akten zu Angriffen auf die kritische Infrastruktur der Metropole hindeutet.
„Graue Zone“ und Rekrutierung von Einmal-Ausführern
Laut Geheimdienstinformationen rekrutiert das GRU aktiv Einmal-Ausführer – sogenannte „Maultiere“ – über den Messenger Telegram und bezahlt sie in Kryptowährung. Diese Agenten setzen Brände, Eisenbahnsabotageakte um und sammeln Daten über Militärbasen. Dieses Modell ermöglicht es Moskau, formal die direkte Verantwortung zu vermeiden und die Auslösung von Artikel 5 des NATO-Vertrags zu umgehen, wobei es sich für jeden einzelnen Akt die „Leugnungsmöglichkeit“ bewahrt.
Widersprüchliche Daten
Die Einschätzungen von Experten und Amtsträgern weichen hinsichtlich des Umfangs und der Art der Bedrohung erheblich voneinander ab. Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter erklärte, dass Deutschland vor der Bedrohung durch direkten Staatsterrorismus stehe und „alle Spuren nach Moskau führen würden“, während der ehemalige Verteidigungsminister Tobias Ellwood davor warnte, dass neue chemische Angriffe oder Attentate im Stil des „Nowitschok“-Falles „nur eine Frage der Zeit“ seien. Gleichzeitig ist der Ton in Washington deutlich milder: US-Präsident Donald Trump erklärte als Reaktion auf die Vorfälle in Leipzig, dass Putin in Wirklichkeit nicht auf einen direkten militärischen Angriff gegen das Bündnis abziele. Somit spricht eine Seite über eine vorbereitete Welle von Tötungen und Staatsterrorismus, die andere über die Eindämmung der Eskalation und das Fehlen eines Willens zu einem offenen Konflikt.
Position Brüssels und Spiegelschläge
Angesichts dieser Ereignisse weisen europäische Amtsträger darauf hin, dass Moskau bereits „die Folgen seiner eigenen Handlungen“ ernte. So betonte der EU-Kommissar, dass der russische Führer den Krieg selbst auf das Territorium der RF verlagert habe, indem er den Konflikt eskaliere und von der Ukraine entsprechende Spiegelschläge erhalte. Gleichzeitig habe Russland laut The Telegraph die Angriffe auf Waffenproduktionswerke in ganz Europa intensiviert und dabei auch kriminelle Gruppierungen eingesetzt, was die Befürchtungen hinsichtlich der Resilienz des europäischen Rüstungs- und Verteidigungskomplexes verstärke.