Stand 23. Juli herrscht in den Häfen der Ukraine ein vollständiger Stopp der Schiffsanläufe. Trotz der drastischen Änderung der logistischen Lage versichert das Ministerium für Agrarpolitik und Ernährung des Landes, dass von einer totalen Blockade des Seehandels noch keine Rede ist.
Dies erklärte Minister Taras Wysotskyj im Gespräch mit Journalisten. Laut ihm sind die ständigen russischen Angriffe auf das Schwarze Meer die Ursache für die Einstellung der Schifffahrt. Der Minister betonte jedoch einen wichtigen Aspekt: Die Entscheidung, die Häfen nicht mehr anzulaufen, wurde von den Reedereien selbst getroffen, nicht von staatlichen Regulierungsbehörden. Vonseiten Kiews wurden keine offiziellen Beschränkungen für den Schiffsverkehr verhängt.
Entwicklung der Lage und Prognosen
Im Kabinett der Minister werden bereits Wege gesucht, die Schifffahrt so schnell wie möglich wiederherzustellen. Wysotskyj merkte an, dass die Situation extrem dynamisch ist und die Dauer der aktuellen Pause schwer vorherzusagen ist. Gleichzeitig rief er zur Ruhe auf und erklärte, dass Exportzahlen im Monats- und nicht im Tageshorizont bewertet werden sollten.
„Ein Tag oder sogar eine Woche ohne Verschiffungen wird die Jahresmengen nicht beeinflussen. Ein echter Effekt würde eintreten, wenn sich eine solche Situation über mehrere Monate hinzieht“, betonte der Minister.
Strategie für Landwirte: Nicht in Panik verkaufen
Im Zusammenhang mit der vorübergehenden Lähmung der Seehäfen gab Wysotskyj Empfehlungen an die Getreideproduzenten. Er riet davon ab, die Ernte zu verkaufen, wenn dies möglich ist. Nach Ansicht des Ministers ist die erste Reaktion des Marktes auf Nachrichten über die Blockade der Häfen Panik, die die Preise sofort einbrechen lässt.
„Natürlich fordere ich nicht alle auf, den Verkauf vollständig einzustellen. Es gibt den Binnenverbrauch, und der Export funktioniert über andere Routen“, merkte Wysotskyj an.
Er fügte hinzu, dass einige Landwirte tatsächlich einige Tage oder Wochen warten könnten, bis sich die Lage auf See verbessert, um Verluste durch Preisverfall zu vermeiden.
Kontext: Eskalation im Schwarzen Meer
Die Entscheidung der Reedereien, die Anläufe in ukrainischen Häfen auszusetzen, war eine Reaktion auf eine Reihe von Vorfällen. Zuvor berichtete RBK-Ukraine, dass Russland in der Nacht zum 22. Juli den Bagger Golden Rose im Schwarzen Meer angegriffen hatte.
Gleichzeitig wurde bekannt, dass der große Logistikbetreiber Maersk den Service über den Schwarzmeer-Fischereihafen vorübergehend einstellt. Vor diesem Hintergrund hat die Ukraine auch dringend eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen, um die Bedrohungen für den Seehandel zu diskutieren.