Die jüngsten Angriffe auf große Verteilzentren haben den Druck auf den ukrainischen Einzelhandel verstärkt und die Branche gezwungen, die gesamte Logistik neu zu strukturieren. Anstelle einzelner großer Hubs müssen die Netzwerke auf ein Modell kleiner Lager umstellen, was jede Operation objektiv verteuert. Laut Schätzung von UTG kann sich die Lieferkosten für gekühlte Waren um 35–50 % erhöhen, was je nach Kategorie, Region und konkretem Einzelhändler am Ende 7–12 % zum Einzelhandelspreis hinzugefügt. Das Preisanstieg erfolgt also nicht wegen eines Mangels an Waren im Regal, sondern wegen der zerstörten „Kühlkette“ und der gestiegenen Logistikkosten.

Umfang der Zerstörung: Was außer Betrieb gesetzt wurde

Das Ausmaß der Verluste an der Logistikinfrastruktur entspricht nach Expertenschätzungen Zehntausenden von Quadratmetern. Laut Daten von CEO des Büros für Investitionsprogramme und Gründer von GreenInvest, Alexandra Bondarenko, wurden in der Region Kiew etwa 80–100 Tausend qm Kühlhallen zerstört. Dragon Capital schätzt das Gesamtvolumen der außer Betrieb gesetzten Lagerimmobilien der Klasse A im ganzen Land auf rund 500 Tausend qm – das sind fast 30 % dieser Flächen. Dabei decken freie Flächen des älteren Formats (Klassen B und C) nur 20–30 % der verlorenen Kühlkapazitäten ab, und es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, verderbliche Produkte aus anderen Oblasten über 300–400 km zu transportieren.

Wer stärker betroffen ist: fresh und frozen

Am stärksten von der Zerstörung der Logistikinfrastruktur betroffen sind zwei Warengruppen. Die erste – fresh: frische und verderbliche Produkte, die eine ständige Temperaturkontrolle erfordern. Die zweite – frozen: tiefgekühlte Waren, die bei −18 °C oder darunter gelagert werden müssen. Gerade für diese Kategorien bedeutet der Bruch der Kühlkette nicht nur eine Verteuerung, sondern auch das Risiko von Verderb und Abschreibungen, weshalb die Einzelhändler gezwungen sind, Routen und Bestände neu zu strukturieren.

Dezentralisierung als Antwort des Einzelhandels

Um das Risiko von Lieferausfällen und lokalem Mangel zu verringern, geht der Einzelhandel zu einem dezentralen Modell über: Anstelle eines großen Hubs nutzt das Netzwerk mehrere kleinere Einheiten. Ein solches Schema erfordert mehr Operationen, Technik und Personal, was die Kosten direkt erhöht. Experten weisen auch darauf hin, dass die direkte Lieferung vom Hersteller in die Geschäfte (DSD) die Transportkosten um das 2–3-Fache erhöhen und das Abschreibungsrisiko steigern kann, was zusätzlich auf die Marge schlägt.

Die Mathematik der Verteuerung

Laut UTG können sich die Lieferkosten für gekühlte Waren um 35–50 % erhöhen, was aufgrund zusätzlicher Logistikkosten 7–12 % zum Einzelhandelspreis dieser Waren hinzugefügt. Zum Vergleich: Die Preise für trockene Waren können um 3–5 % steigen. Ein zusätzlicher Druckfaktor auf die Ausgaben ist die Verteuerung des Kraftstoffs – die Treibstoffpreise sind im Juli 2026 um 28 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Eine Rolle spielt auch der Personalmangel, der laut Bewertung des Zentrums für Wirtschaftsstrategie aufgrund von Migration und Mobilisierung bestehen bleiben wird.

Was das für den Käufer bedeutet

Die Einzelhändler sind gezwungen, ein Gleichgewicht zwischen der angestrebten Rentabilität und der Zahlungsfähigkeit der Käufer zu finden, doch die Kosten für den Erhalt der Kühlkette werden sich am Ende auf den Preis des täglichen Einkaufs auswirken. Gekühlte und gefrorene Produkte sind ein Grundbestandteil der Ernährung, daher wird selbst ein moderater Anstieg um 7–12 % zum Preis von Haushalten stärker gespürt als die Preiserhöhung für trockene Waren. So wird der Schlag gegen die „Lebensmittelketten“ zu einem strukturellen Inflationsfaktor, der den Markt begleiten wird, bis die Logistikinfrastruktur wiederhergestellt ist.