Auf der Jalta-Europäischen Strategie 2026 (JES) brachte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Telegram-Mitteilung ein Thema zur Sprache, das nach seiner Einschätzung weit über die bilateralen Beziehungen zwischen Kiew und Moskau hinausgeht. Es ging um den Zustand des Getreidekorridors im Schwarzen Meer und darum, dass dessen faktische Blockade eine globale Nahrungsmittelkrise auslöse, deren Lösungen nach Worten des Präsidenten unverzüglich zu treffen seien.
„Agro-Ormus“: Blockade des Korridors und Risiken für die Welt
Selenskyj stellte fest, dass der Nahrungsmittelkorridor heute blockiert sei: von ukrainischer Seite, so seine Worte, „fast blockiert“, von russischer Seite hingegen vollständig. Er betonte, dass die Ukrainer nicht ohne Essen blieben, der Getreideexport jedoch teuer, die Vertriebsinfrastruktur komplex und die Logistik „erschreckend“ werde. Die größte Gefahr verknüpfte der Präsident mit der Lage in anderen Ländern, in denen, nach seinen Worten, „viele Völker nichts zu essen haben werden, selbst wenn sie Geld haben“. Zur Beschreibung des Ausmaßes des Problems verwendete er eine Metapher: „Das wird ein Ormus, nur eben ein agro-Ormus“.
Schlag gegen die Weltweizenpreise
Die Aussagen Selenskyjs fielen mit einem starken Anstieg der Weltweizenpreise zusammen, die, den in den Materialien zitierten Daten zufolge, vor dem Hintergrund der Bedrohung durch eine neue Eskalation des Krieges in der Ukraine auf den höchsten Stand der letzten drei Jahre kletterten. Damit findet die Rhetorik von der „Blockade“ des Korridors Widerhall in der Marktdynamik: Akteure des Agrarindustriemarkts legen bereits das Risiko eines Lieferausfalls über das Schwarze Meer in die Kurse ein.
Diplomatischer Track: Entscheidungen zur Sicherheit des Transports
Nach Worten des Präsidenten soll das Problem nicht nur von der Ukraine gelöst werden, sondern von der internationalen Gemeinschaft insgesamt. Er schlug vor, ein „Energie-Waffenstillstand“ und die Sicherung der Nahrungsmittelsicherheit als separate, jetzt zu lösende Fragen zu betrachten, selbst wenn der allseitige Frieden, in seiner Formulierung, „unmöglich ist, weil eine Person es nicht will“. In dieser Logik, so ukrainische Medien, bereite Kiew zusammen mit Partnern diplomatische Lösungen zur Sicherheit des maritimen Nahrungsmitteltransports vor.
Widersprüchliche Daten
In den Aussagen Selenskyjs und in der Darstellung der Ereignisse durch verschiedene Medien zeigt sich eine Doppeldeutigkeit. Einerseits tritt der Präsident für einen „Getreide-“ und einen Energie-Waffenstillstand sowie für Verhandlungen über die Beendigung des Krieges ein und behauptet, Russland wolle keinen solchen Waffenstillstand. Andererseits erklärte er zuvor, laut RBC-Ukraine, die Ukraine sei bereit, auf russische Angriffe auf das Energiesystem in der Kälteperiode symmetrisch zu reagieren. Zudem enthält die Beschreibung der Blockade einen Nuancenunterschied: Der Korridor wird von ukrainischer Seite als „fast blockiert“ und von russischer Seite als „blockiert“ charakterisiert, d. h. das Ausmaß der Einschränkung wird an den beiden Ufern ungleichgewichtig dargestellt. Diese Diskrepanzen sind bei der Interpretation der faktischen Lage zu berücksichtigen.
Was kommt als Nächstes
Das Fazit der Mitteilung lautet, dass Agrarwirtschaft und Energie als die beiden größten Herausforderungen für die gesamte Welt benannt werden, deren Lösungen, nach Einschätzung Selenskyjs, „jetzt getroffen werden können“. Beobachtern bleibt es, zu beobachten, ob die diplomatischen Initiativen Kiews in konkrete Sicherheitsmechanismen für den Transport übergehen und ob sie sich auf die Dynamik der Weltgetreidepreise auswirken werden.