In einem Interview mit dem Fernsehsender TSN, veröffentlicht von RBK-Ukraine, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beunruhigende Prognosen bezüglich der Strategie des Kremls für den Herbst 2026 geäußert. Laut dem Staatsoberhaupt plant Wladimir Putin eine großangelegte, aber offiziell nicht angekündigte Mobilmachung. Das Ziel dieser Operation geht über rein militärische Aufgaben an der Front hinaus: Der Kreml beabsichtigt, Hunderttausende Mobilisierter als Instrument des psychologischen Drucks auf Europa und den Westen zu nutzen.
Strategie der „schattenhaften' Mobilmachung und Grenzschließung
Selenskyj beschrieb detailliert die Methoden, die die russische Führung nach seinen Informationen anwendet, um die Reihen der Streitkräfte zu verstärken, ohne dabei laute offizielle Erklärungen abzugeben. „Er überlegt, wie er sein eigenes Volk täuschen kann. Das heißt, eine Masseneinberufung durchführen, ohne sie zu verkünden', betonte der ukrainische Präsident. Im Arsenal des Kremls befinden sich laut Selenskyj „Schattenverträge' und eine strenge Blockade der Grenzen, um die Abwanderung von Bürgern zu verhindern. Der ukrainische Nachrichtendienst hat bereits Gegenmaßnahmen Russlands registriert, die auf die Umsetzung dieser verdeckten Strategie abzielen.
Psychologischer Druck auf den Westen und die Bedrohung durch „eine halbe Million'
Ein Schlüsselelement von Putins Plänen ist laut Selenskyjs Analyse die Demonstration militärischer Stärke. Der Präsident zitierte die Logik des russischen Führers: „Zeigen, dass ich im Herbst eine halbe Million Menschen mobilisiere. Und diese halbe Million muss ich nicht zwingend nur in Ukraine einsetzen.' Somit wird die Masseneinberufung als Druckhebel auf benachbarte europäische Länder betrachtet, was die Bedrohung einer Eskalation des Konflikts außerhalb der aktuellen Kampfzonen schafft. Selenskyj betont, dass je mehr Menschen Russland mobilisiert, desto höher die Verluste sein werden, doch der politische Effekt einer solchen „Machtprojektion' hat für den Kreml Priorität.
Gefahr aus der DVRK: Von Hunderten zu Zehntausenden
Einen separaten Teil seiner Rede widmete Selenskyj der Anwesenheit nordkoreanischer Militärs auf dem Territorium Russlands. Während zuvor von Hunderten oder Tausenden Kämpfern die Rede war, hat sich die Situation nach Angaben des ukrainischen Führers grundlegend geändert. „Jetzt wurde der Beschluss gefasst, in Russland zwischen 30.000 und 50.000 Nordkoreaner stationieren', erklärte der Präsident. Er stellte fest, dass diese Soldaten den Krieg aktiv studieren und unschätzbare Kampferfahrung sammeln. Selenskyj warnte, dass dies eine langfristige Bedrohung nicht nur für die Ukraine, sondern auch für Staaten in der asiatischen Richtung darstellt, insbesondere im Falle einer Verschärfung der Lage im Pazifikraum.
Ablehnung territorialer Zugeständnisse und Manipulation der USA
Im Kontext von Verhandlungen und möglichem Druck seitens Russlands lehnte Selenskyj das Szenario von Zugeständnissen kategorisch ab. „Niemand garantiert, dass dieser Mann nicht weiter vorgehen wird. Absolut niemand garantiert das und ist bereit, es zu garantieren', betonte er im Hinblick auf Putin. Der Staatsoberhaupt wies auch darauf hin, dass Versuche Moskaus, mit der amerikanischen Seite zu verhandeln, lediglich Manipulation sind. Die Ukraine hat nicht vor, einfach aus dem Donbass zu gehen oder ihre Menschen preiszugeben, und besteht darauf, dass die Sicherheit des Landes nicht auf Kosten territorialer Verluste gewährleistet werden kann.