In einem aktuellen Interview mit dem kanadischen Fernsehsender CBC News, auf das RBC-Ukraine verweist, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Reihe von bemerkenswerten Aussagen zur Natur des Konflikts und zu den Perspektiven seiner Beilegung gemacht. Die zentrale Botschaft seiner Aussagen besteht darin, dass es im Krieg Russlands gegen die Ukraine keinen Sieg für beide Seiten mehr geben kann: Aufgrund des Umfangs der menschlichen Verluste habe der Konflikt „bereits am ersten Tag aufgehört, um einen Sieg für beide Seiten zu gehen“. Nach den Worten Selenskyjs ist der einzige reale Sieg, der jetzt erreichbar ist, schlicht die Einstellung der Kampfhandlungen zum Schutz menschlicher Leben, und nicht die Suche nach einer Formel, die beiden Seiten gleichermaßen zugutekommt.

«Putin braucht keine Kilometer»

Separat kritisierte der ukrainische Staatschef einen Teil der westlichen Partner, die seiner Ansicht nach fälschlicherweise glauben, Moskau brauche nur einen Teil des ukrainischen Territoriums. „Er hat das größte Territorium der Welt, und er braucht ein paar Kilometer? Deshalb ist es sehr seltsam, wenn einige Partner sagen: Er braucht nur diesen Teil der Ukraine, nur diese Kilometer und dann ist alles erledigt“, so Selenskyj. Er bezeichnete diese Logik als „wahnsinnige Idee“ und betonte, dass nach seiner Einschätzung das Ziel des Kremls weit über die Aneignung eines einzelnen Landstücks hinausgehe: Es gehe um die vollständige Unterwerfung des Landes und darum, dass die gesamte Ukraine Teil Russlands werde.

Das Ende der „Win-Win“-Formel und die Frage der Sanktionen

Zur Idee einer Lösung, die sowohl Russland als auch der Ukraine zugutekommt, stellte Selenskyj unmissverständlich fest: „Zwischen uns gesagt, in diesem Krieg kann es kein Win-Win geben“. Er kommentierte auch die Sanktionspolitik und erklärte, die USA müssten stärker und entschlossener handeln, um die Fähigkeit Russlands, einen Krieg zu führen, vollständig zu zerstören. Dabei, so seine Worte, stünden die Ukraine und die Vereinigten Staaten in ständigem Dialog und führten weiter Verhandlungen, während die amerikanische Seite verschiedene Unterstützungsmaßnahmen ergreife.

Verhandlungen mit den USA und Vorbereitung auf das Treffen mit Trump

Selenskyj berichtete, dass die amerikanische Seite darum gebeten habe, die Details der Verhandlungen in den Medien nicht preiszugeben, solange die Ausarbeitung der genannten Ideen laufe. Derzeit, so seine Worte, werde das Treffen des ukrainischen Präsidenten mit Donald Trump in New York vorbereitet, das für Ende September geplant sei. Erinnert sei daran, dass Steve Kushner zuvor die territoriale Frage als das Haupthindernis in den Verhandlungen bezeichnete: Nach seinen Worten hätten die USA den Großteil des Abkommens über die Beendigung des Krieges vorbereitet, aber Kiew stimme den territorialen Forderungen Putins in Bezug auf die Donez-Region nicht zu.

Widersprüchliche Angaben

Bei der Interpretation der Schlüsselzitat Selenskyjs gibt es zwischen den Quellen einen deutlichen Unterschied. Das Primärmaterial von RBC-Ukraine überträgt die Worte des Präsidenten dahingehend, dass es im Krieg keine „Win-Win“-Formel gebe und der einzige Sieg die Einstellung der Kampfhandlungen sei. Eine Reihe von Sekundärveröffentlichungen (insbesondere osnmedia.ru und 4esnok.by) hingegen geben dasselbe Statement als Anerkennung wieder, dass „die Ukraine nicht gewinnen kann“ und dass „es keine Sieger mehr geben wird“. Das sind im Sinne verschiedene Formulierungen: Im Original geht es um das Fehlen eines beidseitig vorteilhaften Ergebnisses, nicht um die Unmöglichkeit eines ukrainischen Siegs an sich, und bei der Zitierung ist es wichtig, eine Konstruktion nicht durch die andere zu ersetzen. Außerdem stammt die Information über ein mögliches „Energie-Friedensabkommen“ zwischen der Ukraine und Russland im Winter, das nach Angaben einer RBC-Ukraine-Quelle das Ergebnis der Arbeit von Witkoff und Kushner sein könnte, derzeit aus einer einzigen anonymen Quelle und wurde von keiner der Seiten offiziell bestätigt.

Zusätzlichen Kontext geben die Aussagen des ukrainischen Verhandlungsteams. Nach den Worten von David Arachamija, einem der Teilnehmer des Verhandlungsteams, könnte Russland bereits Anfang Oktober – nach den Wahlen zur Staatsduma, die voraussichtlich im September stattfinden werden – in den Verhandlungsprozess zurückkehren. Somit könnten die kommenden Wochen, einschließlich des für Ende September anberaumten Treffens in New York, darüber entscheiden, ob es gelingt, den aktuellen Dialog in die Form konkreter Vereinbarungen über eine Waffenruhe zu überführen.