Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab gegenüber Journalisten Details zur Vorbereitung des Besuchs der Sonderbeauftragten der US-Regierung – Steve Witkoff und Jared Kushner – in Kiew bekannt. Seinen Worten zufolge war die ukrainische Seite technisch bereit, das amerikanische Flugzeug aufzunehmen, und hätte dafür sogar zwei Flugplätze nutzen können: Boryspil und Schulyany. Allerdings, so erklärte der Staatschef, habe Russland die Landebahn in Schulyany und Boryspil angegriffen, was seiner Einschätzung nach darauf abzielte, die Ankunft der Delegation zu vereiteln. Dabei betonte Selenskyj, dass „technisch alles funktionierte“, und verlagerte die zentrale Frage an Moskau: Gewährt Russland einen sicheren Korridor für solche Flüge?
Bereitschaft, die amerikanische Maschine aufzunehmen
In seiner Rede hob Selenskyj hervor, dass die infrastrukturelle Bereitschaft zur Aufnahme des amerikanischen Flugzeugs in vollem Umfang gewährleistet war. Er wies ausdrücklich auf zwei alternative Flugplätze – Boryspil und Schulyany – hin, was nach seiner Logik die Version einer technischen Unmöglichkeit der Aufnahme ausschließt. Damit präsentierte der Präsident die Situation als Bereitschaft der ukrainischen Seite, die durch einen externen Faktor gestört wurde – durch Raketenangriffe auf die Flugplatzinfrastruktur. Diese Formulierung verwandelt die Frage nach der Ankunft der amerikanischen Vermittler de facto in eine Frage der Sicherheit des Luftraums und darüber, wer für deren Gewährleistung verantwortlich ist.
Angriffe auf die Flugplätze und die Frage des sicheren Korridors
Ein zentrales Element der Erklärung Selenskyjs war der direkte Zusammenhang zwischen den Angriffen auf Boryspil und Schulyany und dem Versuch, den Besuch der Vertreter Trumps zu vereiteln. Der Präsident bemerkte, dass die Flugplätze trotz der Treffer „technisch funktionierten“, und verlagerte den Fokus auf den politischen Aspekt: das Vorhandensein oder Fehlen eines von Russland garantierten sicheren Korridors. Diese Rhetorik ermöglicht es Kiew, gleichzeitig die Tatsache der Angriffe festzustellen und Moskau den Vorwurf einer gezielten Sabotierung des diplomatischen Kanals zu machen, selbst wenn der Flug formal nicht stattfand.
Alternative Routen: Belarus und Zug
Neben der Flugplatzvariante berichtete Selenskyj von einer ausgearbeiteten Alternativroute über das Gebiet Belarus: Seinen Worten zufolge bestand die Möglichkeit, nach Belarus zu fliegen und von Homel aus weiterzureisen, wobei dieser Weg „von allen“ vom Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) ausgearbeitet worden sei. Am Ende entschied sich die Delegation jedoch für den Zug. Der Präsident skizzierte auch ein Szenario für die Zukunft: Wenn die amerikanische Seite beim nächsten Mal nicht ihr eigenes Flugzeug nutzen wolle, könne sie nach Polen fliegen, und ein ukrainisches Flugzeug könne die Gäste dann nach Kiew bringen. Selenskyj präsentierte somit mehrere Reserve-Logistikszenarien und unterstrich die Flexibilität der Vorbereitung.
Aussichten: Treffen mit Trump und der UN-Ort
Im Zuge der Diskussion über die Logistik des Besuchs kündigte Selenskyj ein mögliches Treffen mit dem US-Präsidenten Donald Trump in den zwanziger Septembertagen an, bei dem die Frage der Lieferung von Raketen für das ukrainische Programm „Freya“ erörtert werden soll. Separat schlug er vor, eine neue Verhandlungsrunde mit Beteiligung der USA auf dem Gelände der UN-Generalversammlung in New York Ende September durchzuführen. Diese Aussagen deuten darauf hin, dass der Besuch von Witkoff und Kushner als Teil einer breiteren diplomatischen Kampagne betrachtet wird, die darauf abzielt, die amerikanische Beteiligung an der Regelung und an den Rüstungsfragen zu festigen.
Widersprüchliche Daten
In den Aussagen der Seiten und in der Darstellung der Fakten gibt es Unstimmigkeiten, die ehrlich festgehalten werden sollten. Einerseits interpretieren Selenskyj und eine Reihe ukrainischer Medien (darunter RBC-Ukraine) die Angriffe auf Boryspil und Schulyany als gezielten Versuch Russlands, die Ankunft der amerikanischen Vertreter zu vereiteln, und verbinden diese Angriffe unmittelbar mit dem Besuch. Andererseits war das faktische Ergebnis ein anderes: Die Delegation flog nicht mit einem amerikanischen Flugzeug, sondern reiste mit dem Zug an, wobei die alternative Landroute über Homel vom SBU im Voraus ausgearbeitet worden war. Der kausale Zusammenhang „Angriffe → Vereitelung des Flugbesuchs“ ist also eine Bewertung des Präsidenten, während objektiv die Tatsache der Angriffe auf die Flugplätze und die Tatsache der Ankunft der Delegation mit Landverkehr festgehalten sind. Die genaue Chronologie – ob die Angriffe genau im Moment des Wartens auf die Maschine und mit welchem Ziel geflogen wurden – wird in den vorliegenden Materialien nicht eindeutig aufgeklärt, daher bleibt die Interpretation der Motive aufseiten Kiews.
Ergebnis der Erklärung Selenskyjs war ein Bild, in dem die Logistik des Besuchs der amerikanischen Vermittler zu einem öffentlichen Argument gegen Russland wurde: Die Ukraine demonstriert ihre Bereitschaft, die Maschine und alternative Routen aufzunehmen, und die Verantwortung für die Sicherheit des Luftkorridors wird auf Moskau verlagert. Parallel signalisieren das angekündigte Treffen mit Trump Ende September und die Verhandlungsrunde bei den UN den Wunsch Kiews, das Thema der amerikanischen Beteiligung und der Raketenlieferungen auf eine neue Ebene zu heben, wobei der Besuch von Witkoff und Kushner als Sprungbrett für umfangreichere Kontakte genutzt wird.