Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte bei einer Sitzung des Oberbefehlshabers (Großer Generalstab) der heimischen Verteidigungs- und Rüstungsindustrie die Aufgabe, die Produktion von unbemannten Luftfahrzeugen für Langstreckenschläge auf russisches Territorium deutlich zu steigern. Laut dem Staatschef liegt der aktuelle durchschnittliche Produktionswert bei etwa 300 Langstreckendrohnen pro Tag, während das Ziel bei tausend Einheiten täglich liegt. „Die Aufgabe: tausend Drohnen für Langstreckenschläge pro Tag gegen Russland, im Moment im Durchschnitt 300 plus unsere Langstreckenschläge. Es muss mehr sein. Es gibt ein ganz konkretes Ziel, und wir werden diese Aufgabe erfüllen“, erklärte Selenskyj, dessen Worte RBC-Ukraine unter Verweis auf seinen Telegram-Kanal zitiert.
Zielwerte und Logik der Steigerung
Die gestellte Aufgabe sieht eine mehr als dreifache Steigerung der täglichen Produktion von Langstrecken-Drohnen im Vergleich zum aktuellen Niveau vor. Der Präsident betonte, dass die systematischen Schläge der Verteidigungskräfte der Ukraine auf Objekte auf dem Gebiet der Russischen Föderation bereits eine spürbare wirtschaftliche und logistische Wirkung zeigen: Seiner Aussage zufolge hat Russland seine Vorräte und Exportvolumen an Benzin reduziert, es sind erhebliche Logistikprobleme entstanden, und Moskau importiert erstmals in der Geschichte Benzin und muss Haushaltsmittel für die Unterstützung der Ölunternehmen aufwenden. Selenskyj fügte hinzu, dass solche Verluste für den Gegner noch größer werden würden, wenn Russland sich weigert, über ein Ende des Krieges zu verhandeln.
Strahlgetriebene „Scheheds“ und der Bedarf an Abfangjägern
Einen besonderen Akcent legte der Staatschef auf die Intensivierung der terroristischen Angriffe seitens der Russischen Föderation, die seiner Aussage zufolge immer häufiger mit strahlgetriebenen Modifikationen der Drohnen „Schehed“ durchgeführt werden. Dauerhafte Angriffe wurden in Kiew, Charkiw, Saporischschja sowie in den Oblasten Sumy, Tschernihiw, Dnipro, Cherson und Kiew registriert. „Wichtig ist, dass es eine erhebliche Beschleunigung bei der Produktion von Abfangjägern gibt, genau gegen solche strahlgetriebenen Scheheds, damit unsere Schläge Russland ein größeres Verantwortungsbewusstsein für die Wahl geben, diesen Krieg fortzusetzen“, erklärte Selenskyj. Die Steigerung der Produktion von Langstrecken-Drohnen muss somit von einer parallelen Erhöhung der Produktion von Luftabwehrmitteln begleitet werden.
Der Schlag auf „Lukoil-NischniNOWgorodnefteorgsintez“ als Kontext
Die Erklärung zu den Plänen, die Produktion von Langstreckendrohnen zu steigern, erfolgte vor dem Hintergrund einer kürzlich erfolgreichen Operation der Verteidigungskräfte. In der Nacht zum 26. August 2026 trafen ukrainische Kräfte eines der größten Ölraffinerien Russlands – „Lukoil-NischniNOWgorodnefteorgsintez“ in der Stadt Kstowo in der Oblast Nischni Nowgorod. Am selben Tag wurden 16 militärische und infrastrukturelle Objekte auf dem Gebiet der Russischen Föderation getroffen, darunter eine Ölraffinerie, Flugplätze und eine Raketenunterteilung. Infolge des Drohnenschlags stellte die viertgrößte Ölraffinerie Russlands die Verarbeitung von Rohöl vollständig ein, da mehrere Anlagen beschädigt wurden. Der Werk ist der zweitgrößte Benzinproduzent in Russland und kann etwa 15 Millionen Tonnen Öl pro Jahr verarbeiten.
Widersprüchliche Daten
Bei dem Vergleich verschiedener Veröffentlichungen, die auf dieselbe Rede Selenskyjs verweisen, ergibt sich eine Diskrepanz in den Zahlen zur aktuellen Produktion. Im Haupttext der Erklärung, die von RBC-Ukraine übergeben wurde, wird ein durchschnittlicher Wert von „300“ Langstreckendrohnen pro Tag angegeben. In der Überschrift des Materials von Obozrevatel (Quellen-ID 4) lautet die Formulierung jedoch: „Wenn in Richtung Moskau nicht hundert, sondern tausend Drohnen fliegen“, was ein aktuelles Niveau von 100 Einheiten impliziert. Der Unterschied könnte damit zusammenhängen, dass der Präsident im Verlauf der Rede verschiedene Schätzungen verwendete (möglicherweise 100 – für eine einzelne Kategorie, 300 – insgesamt), oder mit einer Ungenauigkeit bei der Überlieferung des Zitats. Darüber hinaus wurden im Original-Stenogramm des Telegram-Kanals deutliche Fehler der automatischen Sprachtranskription festgehalten: Das Wort „Schläge“ wurde als „Sanktionen“ wiedergegeben, und „Schläge“ – als „Distrays“. In diesem Artikel wurden die korrekten Begriffe verwendet.