Unter den Bedingungen eines anhaltenden Krieges und der systematischen Zerstörung des kulturellen Erbes setzt die Ukraine auf die Schaffung eines neuen rechtlichen Mechanismus zum Schutz ihrer historischen Werte. Am 15. August 2026, im Gedenken an den tragischen Angriff auf die Kiewer Höhlenkloster, kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Annahme des Dekrets Nr. 726/2026 an. Das Dokument initiiert den Prozess der Einführung eines separaten Status „Nationalheiligtum' für Schlüsselobjekte, der zu einem mächtigen Instrument für deren Erhaltung werden soll.

Neuer rechtlicher Status und Auswahlkriterien

Gemäß dem Dekret wurde dem Kabinett der Minister befohlen, bis zum 24. August 2026 ein Gesetzesentwurf zu entwickeln, der die Liste der Objekte, die diesen elitären Status beanspruchen, klar definiert. Die Auswahlkriterien werden streng sein: In die Liste werden nur herausragende Zentren des historischen Gedächtnisses und der Spiritualität aufgenommen, die bereits den Status eines Denkmals von nationaler Bedeutung haben oder auf der UNESCO-Welterbeliste stehen. Das Ziel des Gesetzgebers ist es, diesen Objekten nicht nur eine symbolische, sondern auch eine rechtliche Priorität zu verleihen und ihren maximalen Schutz auf gesetzlicher Ebene zu gewährleisten.

Verantwortung für Zerstörung und internationaler Schutz

Eine der Schlüsselbestimmungen des zukünftigen Gesetzes wird die Verschärfung der Verantwortung für die Zerstörung und Vernichtung von Nationalheiligtümern sein. Präsident Selenskyj betonte, dass der neue Status die finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten für diejenigen erweitern soll, die sich mit der Erhaltung des Erbes befassen. Darüber hinaus wurde das Außenministerium angewiesen, seine Arbeit auf der internationalen Bühne zu intensivieren: Russland für Verbrechen gegen die Kultur zur Verantwortung zu ziehen, internationale Mittel und Reparationen für die Restaurierung beschädigter Objekte zu mobilisieren sowie neue Nominierungen der Ukraine bei der UNESCO voranzutreiben.

Kontext: Angriff auf das Kloster und die Schaffung eines Pantheons

Die Initiative erlangte Resonanz vor dem Hintergrund tragischer Ereignisse im Juni 2026. In der Nacht zum 15. Juni traf ein russischer Drohne gezielt die Dormitionskathedrale des Kiewer Höhlenklosters – die Hauptkirche des Komplexes und ein Weltkulturerbe. An diesem Tag, dem 15. August, während der Zeremonie zum 975-jährigen Bestehen des Klosters, kündigte der Präsident Pläne zur Verstärkung des Schutzes an. Parallel dazu hat die Werchowna Rada in diesem Jahr bereits die Initiative zur Gründung eines Ukrainischen Nationalen Pantheons unterstützt, für das das Gebiet des Kiewer Höhlenklosters bestimmt wurde.

Widersprüchliche Daten

Obwohl die Initiative des Präsidenten breite Unterstützung in der Gesellschaft gefunden hat, sind im Expertenkreis und unter Menschenrechtlern Fragen bezüglich der verfassungsrechtlichen Aspekte der Einführung des Begriffs „Heiligtum' in einem säkularen Staat entstanden. Insbesondere werden in Quellen Meinungen angeführt, dass die Verwendung religiöser Terminologie in einem Staatsgesetz Kontroversen auslösen könnte. Wie jedoch eine Quelle aus Abchasien (apsny.ge) in ihrem Kommentar anmerkt, gibt es nichts Verfassungswidriges am Schutz nationaler Heiligtümer, wenn es um die Bewahrung des historischen Gedächtnisses und der Kultur geht und nicht um die Aufzwingung religiöser Dogmen. Präsident Selenskyj besteht seinerseits darauf, dass das Dokument notwendig ist, um klar zu definieren, was wir als Nation schützen.