Am 14. September 2026 wurde im Victoria- und Albert-Museum (V&A) im Londoner Stadtteil South Kensington die Ausstellung „Sacred Treasures from Kyiv“ („Heilige Schätze aus Kiew“) eröffnet. Die vom ukrainischen Kulturministerium unterstützte Ausstellung präsentiert dem britischen Publikum erstmals sieben einzigartige Denkmäler aus der Sammlung des Nationalen Reservats „Kyjiver Höhlenklöster“. Besucher können die Exponate ein Jahr lang – bis zum 17. September 2027 – besichtigen. Das Projekt ist das Ergebnis einer langfristigen Partnerschaft zwischen dem V&A und dem ukrainischen Reservat und wurde vom British Council und dem Gilbert Trust for the Arts unterstützt.
Sieben Meisterwerke des Kyjiver Barock
Die Ausstellung widmet sich der ukrainischen Sakralkunst der Barockzeit und dem Handwerk der Kyjiver Goldschmiede des 17. und 18. Jahrhunderts. Unter den sieben vorgestellten Denkmälern befinden sich Objekte, die unmittelbar mit der orthodoxen liturgischen Tradition verbunden sind: eine Ikone, ein Altar-Evangelium in silbernem Einband, ein Diskos für die Eucharistie sowie ein versilbertes und vergoldetes Kelchgefäß mit einer Kreuzigungsdarstellung. Alle Exponate sind in den Galerien V&A Sacred Silver and Stained Glass und Silver Galleries untergebracht, wo sie im Kontext anderer Werke aus der ständigen Sammlung des britischen Museums präsentiert werden, sodass Besucher die ukrainischen Arbeiten im Vergleich zu europäischen Gegenstücken sehen können.
Königstore und langfristige Leihgabe
Eine besondere Stellung im Projekt nehmen zwei vergoldete silberne Königstore ein, die aus der Kyjiver Höhlenklöster stammen. Sie befinden sich derzeit im V&A als langfristige Leihgabe des Gilbert Trust for the Arts. Um diese Denkmäler herum ist ein erheblicher Teil der Forschungsarbeit aufgebaut: Britische und ukrainische Experten haben gemeinsam ihre Geschichte, ihren Provenienzgang und ihre museale Interpretation untersucht, wobei die Katalogisierung und der Ausstellungsnarrativ aktualisiert wurden.
Neubewertung des Erbes: vom imperativen Rahmen zum ukrainischen Kontext
Wie in der Projektbeschreibung betont wird, stützte sich die Katalogisierung und Interpretation der Königstore und mehrerer anderer Denkmäler über Jahrzehnte auf den russisch-imperialen Rahmen, während der ukrainische Ursprung und die kulturelle Bedeutung dieser Objekte kaum Beachtung fanden. Die gemeinsame Untersuchung von Fachleuten des V&A und des Nationalen Reservats „Kyjiver Höhlenklöster“, durchgeführt mit Unterstützung des Ukrainischen Instituts und ICOM UK, war ein Schritt zur Überarbeitung dieser Paradigme und zur Rückgabe der Objekte in ihren ursprünglichen kulturellen Kontext.
Eröffnung: Diplomatie und Kulturpolitik
Bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung waren unter anderem die ukrainische Vizepremierministerin für humanitäre Politik, Kulturministerin Tschatschana Bereschnaja, der V&A-Direktor Tristram Hunt, der stellvertretende Direktor des British Council für das geografische Netzwerk Sam Harvey, der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich Walerij Saluschnyj, der Generaldirektor des Nationalen Reservats Ostapenko sowie Vertreter der ukrainischen und britischen Kulturgemeinschaften anwesend. Die Anwesenheit eines so breiten Kreises von Amtstragenden unterstreicht, dass die Ausstellung nicht nur als museales Ereignis, sondern auch als Element der Kulturdiplomatie und der internationalen Förderung des ukrainischen Erbes betrachtet wird.
Bedeutung des Projekts für die weltweite Museumspraxis
Die Präsentation der Schätze der Kyjiver Höhlenklöster in einem der größten Museen der Welt zeigt die wachsende Rolle ukrainischer staatlicher Institutionen, Forscher und Kuratoren bei der Erforschung und Popularisierung des nationalen Erbes auf internationaler Ebene. Die Ausstellung „Sacred Treasures from Kyiv“ ist nicht nur eine Vitrine einzigartiger Objekte, sondern ein vollwertiges akademisches und kuratorisches Projekt, in dem Museumspraxis, historische Forschung und Kulturpolitik zusammentreffen. Für das britische Publikum eröffnet die Ausstellung zugleich den Zugang zu einer wenig bekannten Schicht des europäischen Barock, die in Kiew an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert geschaffen wurde.