In der Werchowna Rada ist ein neuer öffentlicher Konflikt um die staatliche 'Sense Bank' (Sens Bank) entbrannt. Der Leiter der Nationalbank der Ukraine, Andrij Pyshnyj, hielt eine Rede, in der er erklärte, dass die Regierung als Aktionär die Befugnisse des Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Bank, Nikolaj Gladyschenko, unverzüglich beenden müsse. Nach Angaben des Regulators hat der Bankenaufsichtsausschuss der NBU den entsprechenden Beschluss gefasst und Gladyschenko als nicht den Anforderungen an die Unabhängigkeit entsprechend eingestuft. Pyshnyj betonte besonders, dass es sich um die Beendigung der Befugnisse und nicht um eine vorübergehende Absetzung handelt, und teilte mit, dass die NBU die Regierung bereits aufgefordert hat, ein neues Mitglied des Aufsichtsrates zu ernennen.
Chronologie der Prüfung und die Rolle der Materialien des SABU
Der Regulator erläuterte, dass die Prüfung der Einhaltung der Unabhängigkeitsanforderungen durch Gladyschenko bereits im Mai 2026 nach der Veröffentlichung des ersten Teils der sogenannten 'Mindich-Bänder' begonnen hatte. Nach Einschätzung der NBU waren die damals veröffentlichten Materialien jedoch für eine Entscheidung nicht ausreichend: 'Die Nationalbank muss nicht auf der Grundlage von Vermutungen und öffentlicher Resonanz handeln, sondern auf der Grundlage ausreichender und angemessener Tatsachen', so Pyshnyj. Er fügte hinzu, dass die NBU zweimal das SABU und die SAO gebeten habe, Materialien des vorgerichtlichen Ermittlungsverfahrens bereitzustellen, die Strafverfolgungsbehörden jedoch mit Hinweis auf die Ermittlungsgeheimnis abgelehnt hatten. Der Wendepunkt war die Veröffentlichung der Materialien der Operation 'Forrest Gump' durch das SABU, die nach Einschätzung des Regulators Fakten über das Erhalten und Ausführen von Anweisungen durch Gladyschenko von fremden Personen enthalten.
Quorum des Aufsichtsrates und Prüfung des Vorstandsvorsitzenden
Parallel dazu hat die NBU ein Verwaltungsverfahren zur kollektiven Eignung der gesamten Zusammensetzung des Aufsichtsrates der 'Sense Bank' eingeleitet, da der Aufsichtsrat nach Ansicht von Pyshnyj unangemessen auf die Situation reagiert hat und die Selbstentfernung Gladyschenkos von der Bankverwaltung formalen Charakter trug. Der Aufsichtsrat hat derzeit kein Quorum und ist nicht befugt, was nach Einschätzung des Regulators 'für eine staatliche Bank inakzeptabel' ist. Seit Mai 2026 führt die NBU zudem ein Verwaltungsverfahren zur beruflichen Eignung des Vorstandsvorsitzenden der Sense Bank, Alexej Stupak: Während der verstärkten Aufsicht wurden Anzeichen einer versteckten Verwaltungsstruktur entdeckt, die nach Einschätzung des Regulators von Vertretern ehemaliger sanktionierter Aktionäre geschaffen worden sein könnten. Die Sitzung der Qualifikationskommission der NBU zu Stupak ist für den 26. August 2026 anberaumt.
Reaktion von Hetmanzew und Aufforderung zum Rücktritt
Unmittelbar nach dem Vortrag des NBU-Chefs ergriff der Vorsitzende des Finanzausschusses des Parlaments, Daniil Hetmanzew, das Wort. Er erklärte, er halte die Reaktion des Regulators auf die Situation um die 'Sense Bank' für gebührend, aber verspätet — nach seinen Worten hätten die Gegenmaßnahmen vor etwa anderthalb Jahren erfolgen müssen. Hetmanzew erhob zudem eine Reihe von Vorwürfen gegen Pyshnyj, insbesondere über seine mögliche Kenntnis einer Geldwäscheschaltung in der Bank und Verbindungen zu einzelnen Beteiligten, und forderte öffentlich den Rücktritt des NBU-Chefs. In seinem Vortrag wurden diese Behauptungen jedoch nicht durch konkrete Beweise untermauert.
Widersprüchliche Daten
Zwischen den Positionen der Parteien bestehen erhebliche Unterschiede. Pyshnyj besteht darauf, dass die NBU streng nach Fakten gehandelt hat und im Mai 2026 keine Grundlage für eine Entscheidung bestand — diese ergaben sich erst nach der Veröffentlichung der Materialien der Operation 'Forrest Gump'. Hetmanzew hingegen behauptet, der Regulator hätte vor etwa anderthalb Jahren reagieren müssen, und wirft der NBU damit faktisch ein systematisches Versäumnis vor. Außerdem wurden die anklagenden Thesen des Abgeordneten über die mögliche Kenntnis von Pyshnyj und seine Verbindungen zu den Beteiligten im öffentlichen Vortrag nicht durch Beweise begleitet, während der Regulator im Gegenteil erklärt, dass gerade die Algorithmen des risikoorientierten Aufsichtswesens die Aufdeckung von Geldwäscheschaltungen in der Bank ermöglichten. Somit bleibt die Einschätzung, wie zeitnah und unparteiisch die Reaktion der NBU war, Gegenstand eines öffentlichen Streits.