Der ukrainische Fußballverein FK Charkiw hat gemeinsam mit der Ukrainischen Fußballföderation (UAFF) ein Verfahren zur Verteidigung seiner Vertragsrechte vor internationalen Gremien eingeleitet, nachdem im System des Transferdokumentenverkehrs ein Antrag auf die Übertragung eines aktiven Spielers des Teams nach Russland eingegangen war. Dies erklärte Vizepräsident des FK Charkiw, Jurij Korotun, in einer Erklärung an die Pressestelle des Vereins, auf die sich diese Veröffentlichung unter Verweis auf Sport RBC.UA stützt.

Antrag in der TMS: So begann der Skandal

Laut Informationen, die der Verein von der UAFF erhalten hat, wurde in der vergangenen Woche im internationalen System TMS (Transfer Matching System) ein Antrag auf Ausstellung eines internationalen Transferscheins (ITC) für den 25-jährigen Alexei Sidorow registriert. Als Ziel des geplanten Wechsels ist im System ein Amateurklub aus Russland angegeben. Korotun betonte, dass die Reaktion der Vereinsführung auf diese Nachricht äußerst negativ war: Nach seinen Worten hat der Spieler vor etwa einem Jahr eigenmächtig die Ukraine und das Team verlassen, obwohl ein gültiger Vertrag vorlag, und ist, aus Sicht des Vereins, „weitergezogen“.

„Bridge transfer“: Die Version des Vereins über eine juristische Machination

Im „Charkiw“ ist man überzeugt, dass die Registrierung bei einem Amateurklub nicht das Endziel, sondern lediglich ein Zwischenschritt des sogenannten „Brückentransfers“ (bridge transfer) ist. Gemäß dieser Version wird eine solche Konstruktion genutzt, um einen gültigen Vertrag mit einem ukrainischen Verein einseitig zu annullieren, woraufhin der Spieler zum eigentlichen Begünstigten wechseln kann. Der Verein betont, dass der gültige Vertrag Sidorows mit „Charkiw“ bis 2028 läuft und daher jegliche Versuche, ihn ohne Zustimmung der Parteien zu umgehen, als rechtswidrig gelten.

Vertrag bis 2028 und обращение an die FIFA

FK Charkiw und die UAFF haben bereits entsprechende Briefe und Anträge an die FIFA gerichtet und fordern die Einhaltung der Vertragsdisziplin. Korotun erklärte ausdrücklich, dass Verein und Föderation gegen eine Situation vorgehen, in der ein Fußballspieler mit bestehenden Verpflichtungen gegenüber einem ukrainischen Verein diese einfach ignorieren und die Möglichkeit erhalten kann, für ein anderes Team anzutreten, „umso mehr in Russland“. Zugleich räumt der Verein ein, dass die gesandten Briefe erst der Anfang des Verfahrens sind, und verspricht, seine Interessen konsequent in allen internationalen Fußballgremien zu verteidigen, wobei darauf bestanden wird, keinen gefährlichen Präzedenzfall für andere ukrainische Vereine zu schaffen.

Die Geschichte der Flucht: August 2025

Der Konflikt um Sidorow begann den Angaben der Publikation zufolge bereits im August 2025. Damals weigerte sich der Fußballspieler, der sich auf einer Versammlung mit der Jugendmannschaft des „Metallist 1925“ (dem Vorgänger des heutigen „Charkiw“) befand, in die Ukraine zurückzukehren, trotz eines Ultimatums des Vereins. Seitdem verbleibt der Spieler nach Version der Charkiwer Führung außerhalb des Landes und unternimmt nun, wie bekannt wurde, den Versuch, sich bei einem russischen Amateurklub zu registrieren.

Die Karriere Sidorows: Der Weg zum Charkiwer Verein

Alexei Sidorow ist 25 Jahre alt und stammt aus Makejewka. Auf professioneller Ebene spielte er für den saporisschen „Metallurg“ und den „Metallist 1925“ (heute „Charkiw“). Während seiner Vertragszeit beim Charkiwer Team verbrachte Sidorow auch Zeit beim „Kolos“ auf Leihbasis. Gerade in der Eigenschaft eines Spielers, der mit „Charkiw“ durch eine langfristige Vereinbarung gebunden war, hat er, so die Behauptung des Vereins, die Ukraine verlassen.

Widersprüchliche Daten

Gesondert sind zwei wichtige Vorbehalte zu beachten. Erstens: Die gesamte juristische Einordnung der Situation – „rechtswidrige Flucht“, „bridge transfer“, „einseitige Annullierung“ – geht ausschließlich von der Position des FK Charkiw und der UAFF aus; eine öffentliche Erklärung Sidorows selbst oder seiner Vertreter ist in den verfügbaren Quellen nicht zu finden, daher wird die Version des Spielers in diesem Beitrag nicht dargelegt. Zweitens: Im Nachrichtenfeld taucht ein gleichnamiger Alexei Sidorow auf, der mit dem Chef der donischen (Rostow am Don) Hauptabteilung des Innenministeriums in Verbindung gebracht wird, jedoch handelt es sich um eine andere Person, die mit dem Fußballspieler nichts zu tun hat; diese Themen zu vermischen wäre unkorrekt. Somit wird die Tatsache des Erscheins eines Antrags in der TMS durch die Erklärung des Vereins und der UAFF bestätigt, während die Motive des Spielers und die rechtliche Bewertung bis zu einer Entscheidung der FIFA einseitig bleiben.