Im August 2026, mehr als ein Jahrzehnt nach Beginn umfassender Reformen im Bereich des Dokumentenmanagements, bleibt in der Ukraine ein interessantes juristisches Phänomen bestehen: Dokumente sowjetischen Musters behalten ihre volle rechtliche Gültigkeit. Das Justizministerium der Ukraine hat offiziell bestätigt, dass Geburtsurkunden, die von den Standesämtern (ZAGS) noch während der Existenz der UdSSR ausgestellt wurden, keinen obligatorischen Austausch gegen moderne Entsprechungen erfordern, sofern sie in gutem Zustand erhalten sind.
Rechtlicher Status sowjetischer Dokumente
Entsprechend den Erläuterungen des Justizministeriums besitzt eine sowjetische Geburtsurkunde dieselbe rechtliche Gültigkeit wie ein modernes ukrainisches Dokument. Das bedeutet, dass Bürger, bei denen die „grünen Büchlein' mit dem Staatswappen der UdSSR erhalten sind, diese zur Identitätsbestätigung, zur Abwicklung von Erbschaften, zur Beantragung von Renten und anderen staatlichen Dienstleistungen verwenden können. Die Hauptanforderung an das Dokument ist, dass es lesbar sein muss, keine schweren Schäden aufweist und alle notwendigen Angaben zum Inhaber enthält.
Wann ein Austausch des Dokuments obligatorisch ist
Trotz der allgemeinen Gültigkeit sowjetischer Urkunden gibt es konkrete Situationen, in denen ein Austausch notwendig wird. Erstens, wenn das Dokument beschädigt ist oder die Informationen darin unleserlich geworden sind. Zweitens, wenn das Dokument Fehler oder Ungenauigkeiten enthält, die seine Verwendung behindern. Drittens kann ein Austausch bei Änderung persönlicher Daten erforderlich sein, beispielsweise bei einer Namensänderung nach Heirat oder Scheidung.
Verfahren zur Ausstellung einer neuen Urkunde
Um eine Ersatzurkunde für die Geburt zu erhalten, können sich Bürger an die Abteilung für staatliche Registrierung von Personenstandsereignissen (DRACS) am Wohnort wenden oder den entsprechenden Online-Dienst über das Portal „Diia' nutzen. Das Verfahren zur Ausstellung eines neuen Dokuments dauert je nach Art der Antragstellung und Vorliegen aller notwendigen Bescheinigungen einige Tage bis einige Wochen.
Widersprüchliche Informationen
Obwohl das Justizministerium darauf besteht, dass ein Austausch sowjetischer Urkunden nicht obligatorisch ist, können in der Praxis einige staatliche Einrichtungen und Banken das Vorliegen moderner Dokumente verlangen. Dies liegt daran, dass nicht alle Mitarbeiter staatlicher Einrichtungen über die rechtliche Gültigkeit sowjetischer Dokumente Bescheid wissen oder ihrer Echtheit nicht vertrauen. In solchen Fällen müssen Bürger das Austauschverfahren durchlaufen, auch wenn dies gesetzlich nicht erforderlich ist.
Übergang zu elektronischen Dokumenten
Im Jahr 2026 setzt die Ukraine den aktiven Übergang zu elektronischen Dokumenten fort. Das Justizministerium hat ein Projekt für den Übergang zu elektronischen Geburts- und Heiratsurkunden entwickelt, das es Bürgern ermöglichen wird, ihre Dokumente in digitaler Form zu speichern und über die „Diia'-App zu verwenden. Dies wird das Verfahren zur Ausstellung neuer Urkunden vereinfachen und das Risiko des Verlusts oder der Beschädigung von Papieren verringern.