Im August 2026 entbrannte im ukrainischen Wirtschaftsblock eine Debatte über eine umfassende Steuerreform, die das Finanzministerium gemeinsam mit dem Staatlichen Steuerdienst vorbereitet. Laut Dokumenten, die der Redaktion vorliegen, plant die Regierung, die Arbeitsbedingungen für Einzelunternehmer (FOP) grundlegend zu ändern. Diese Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf die Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union im Rahmen des Programms für ausgedehnte Finanzierung (EFF) in Höhe von 90 Milliarden Euro.
Differenzierung der Einheitssteuersätze
Einer der wichtigsten Punkte der geplanten Änderungen im Steuergesetzbuch wird die Einführung differenzierter Sätze für die Einheitssteuer sein. Insbesondere für Steuerzahler der dritten Gruppe, die Dienstleistungen erbringen, könnten die Sätze überarbeitet werden. Es geht um eine mögliche Erhöhung der Steuersätze auf 10 % für bestimmte Kategorien von Unternehmern. Diese Entscheidung soll die fiskalische Belastung in den profitabelsten Dienstleistungssektoren erhöhen und das ukrainische Modell den europäischen Standards angleichen.
Überführung von Tätigkeitsarten und das polnische Modell
Neben der Änderung der Sätze erwägen die Gesetzgeber, bestimmte Tätigkeitsarten von der zweiten Gruppe der Einheitssteuerzahler in die dritte zu überführen. Dies betrifft Sektoren, die zuvor von begünstigten Bedingungen profitierten, nun aber als kommerziell reifer eingestuft werden. Experten stellen fest, dass solche Schritte der Einführung des sogenannten „polnischen Modells' der Besteuerung ähneln, das eine strengere Segmentierung des Geschäftslebens und eine größere Transparenz der Einnahmen vorsieht.
Einführung der Mehrwertsteuer für FOP: neue Fristen und Bedingungen
Die schmerzhafteste Änderung für kleine Unternehmen wird die obligatorische Registrierung als Mehrwertsteuerzahler (Mehrwertsteuer) sein. Laut dem Plan des Finanzministeriums wird diese Bestimmung schrittweise auf FOP ausgeweitet, deren Jahresumsatz 4 Millionen Griwna (ca. 85.000 Euro) übersteigt. Wichtig ist zu beachten, dass der Gesetzentwurf Anfang 2027 verabschiedet werden soll und am 1. Januar 2028 in Kraft treten wird. Diese Entscheidung wird durch die Notwendigkeit diktiert, die ukrainische Gesetzgebung mit den Normen der EU zu harmonisieren.
Vereinfachung des Verwaltungswesens für Mehrwertsteuerzahler
Im Bewusstsein der Risiken einer bürokratischen Belastung schlägt das Finanzministerium eine Reihe von Kompensationsmaßnahmen für jene FOP vor, die auf die Mehrwertsteuer umsteigen müssen. Insbesondere wird vorgeschlagen, die Einreichung von Quartalsberichten statt monatlicher Berichte zu erlauben, was die Verwaltungskosten erheblich senken würde. Geplant ist auch die Einführung eines Systems zur vorläufigen Ausfüllung von Steuererklärungen, was Fehler minimiert und den Prozess der Interaktion mit dem Steuerdienst vereinfacht.
Widersprüchliche Daten
Es gibt Uneinigkeiten über die genauen Fristen und das Ausmaß der Änderungen. Ursprünglich wurde angenommen, dass die Einführung der Mehrwertsteuer für Zahler des vereinfachten Systems im Januar 2027 in Kraft treten würde. Allerdings meldet RBC-Ukraine, dass der IWF eine Verschiebung der Fristen um ein Jahr vereinbart hat. Laut aktuellen Dokumenten muss das Gesetz jedoch Anfang 2027 verabschiedet werden und 2028 in Kraft treten. Auch bei der Frage der konkreten Tätigkeitsarten, die von der zweiten in die dritte Gruppe überführt werden sollen, bleibt es unklar: Die Regierung gibt diese Liste noch nicht bekannt, was bei Unternehmern Bedenken auslöst.