Es gibt Pilze, die leicht übersehen werden, wenn man nicht weiß, wo man hinschauen soll. Und es gibt solche, von deren Existenz der Wald selbst berichtet – noch bevor man sie sieht. Die Stinkmorchel (Phallus impudicus) gehört genau dazu: Ihr reifes Fruchtkörper strömt einen stechenden Geruch aus, den die meisten Menschen als den Duft von faulem Fleisch oder Kanalisationsabfällen beschreiben. Genau dieser Geruch macht den Pilz praktisch unmöglich zu übersehen – wenn man ihn im Wald riecht, dann reift in der Nähe bereits eine reife Stinkmorchel.
Vom weißen „Ei“ bis zur reifen Kappe: Wie der Pilz in Stunden wächst
Die Stinkmorchel beginnt ihre Entwicklung als weiße eiförmige Bildung, die sich im Boden oder im Waldboden versteckt. Innerhalb ist der zukünftige Fruchtkörper bereits praktisch ausgebildet. Wenn der Pilz reift, schießt aus dem „Ei“ sehr schnell ein weißer schwammiger Stiel heraus. Eine ausgewachsene Stinkmorchel kann 20–30 Zentimeter hoch werden. An der Spitze befindet sich eine konische Kappe, die mit einer dunklen grünlich-braunen schleimigen Masse – der Gleba – bedeckt ist, in der die Sporen enthalten sind. Laut dem Nachschlagewerk Oxford University Plants 400 kann sich der Fruchtkörper bei ausreichender Feuchtigkeit etwa um 1–15 Zentimeter pro Stunde verlängern. Deshalb kann man einen Pilz, der noch vor Kurzem wie ein gewöhnliches weißes „Ei“ aussah, plötzlich in voller Form sehen – buchstäblich innerhalb weniger Stunden.
Stinkgeruch als Fortpflanzungsstrategie
Experten, die sich auf Daten aus Oxford University Plants 400 stützen, erklären, dass der für den Menschen unangenehme Geruch der Stinkmorchel einen durchaus praktischen Zweck hat. Die reife Kappe des Pilzes ist mit einer dunklen schleimigen Masse – der Gleba – bedeckt, die Sporen enthält. Ihr Geruch, der an verrottende organische Substanz erinnert, lockt Fliegen und andere Insekten an. In der Publikation First Nature wird ergänzt, dass die Insekten auf dem Schleim landen, Partikel davon an ihren Beinen mitnehmen und die Sporen über beträchtliche Entfernungen transportieren. Wenn der größte Teil des Schleims gefressen wurde, legt sich die charakteristische stinkende Kappe allmählich frei, und die netzförmige Oberfläche der Kappe wird sichtbar. Der Geruch von faulem Fleisch ist für die Stinkmorchel also kein Zufall, sondern eine Art natürlicher „Köder“. Was für den Menschen widerlich wirkt, hilft dem Pilz, Insekten anzulocken und seine Sporen effektiv zu verbreiten.
Wo man die Stinkmorchel in der Ukraine findet
Laut dem Projekt „Світ грибів України“ (Welt der Pilze der Ukraine) kommt die Stinkmorchel auf dem Gebiet unseres Landes ziemlich weit verbreitet vor. Man findet sie in Laubwäldern, Gärten und zwischen Büschen – besonders auf organisch reichen Böden. Dieser Pilz mag Orte mit vielen organischen Rückständen. In der Natur findet man ihn zwischen herabgefallenem und verrottendem Laub, Holz oder Nadeln. Über ähnliche Wachstumsbedingungen berichtet insbesondere der Nationale Naturpark „Сколівські Бескиди“. Wenn man während eines Waldspaziergangs plötzlich einen stechenden Geruch, ähnlich dem von Aas, wahrnimmt, sollte man sich den Boden genauer ansehen: Die Stinkmorchel versteckt sich oft im Waldboden, und ihr charakteristischer Geruch tritt genau dann auf, wenn der Pilz reift.
Kann man die Stinkmorchel sammeln und essen?
Wichtig zu betonen: Die Essbarkeit eines Wildpilzes sollte nicht nur anhand des Aussehens oder einer Beschreibung in einem Artikel bestimmt werden. Die Stinkmorchel wird in einigen Quellen als bedingt essbare Art in der Phase des weißen „Eis“ erwähnt, doch für einen Laien ist ihre sichere Verwendung äußerst schwierig. Wenn die Art Ihnen unbekannt ist, ist es sicherer, sie nicht zu sammeln. Alle wildwachsenden Pilze, insbesondere mit ungewöhnlicher Morphologie und stechendem Geruch, erfordern vor jeder Verwendung eine sichere Identifizierung durch einen Mykologen.