Der südkoreanische Außenminister Cho Hyun gab am Dienstag, den 27. Oktober, während einer parlamentarischen Überprüfung der Arbeit des Außenministeriums bekannt, dass Seoul acht diplomatische Mitarbeiter aus der Ukraine abgezogen hat. Seinen Angaben zufolge wurde die Entscheidung vor dem Hintergrund fehlender Fortschritte bei der Beilegung des Streits mit Kiew getroffen, der sich an der Offenlegung von Informationen über die Übergabe von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen entzündet hatte.
Verlauf des diplomatischen Streits
Anfang Oktober hatte Südkorea bereits seinen Botschafter in Kiew, Park Ki-chan, abberufen und daraufhin beschlossen, das Botschaftspersonal zu reduzieren. Als Gründe für diese Schritte nannte Cho Hyun den diplomatischen Skandal sowie die ständige Bedrohung durch russische Luftangriffe auf ukrainisches Territorium. Gleichzeitig betonte er, dass das Kernpersonal der Botschaft vor Ort bleibe und seine Arbeit fortsetze, unter anderem zum Schutz der in der Ukraine befindlichen südkoreanischen Staatsbürger.
Wie der Konflikt begann
Der diplomatische Streit zwischen Kiew und Seoul spitzte sich am 23. September zu, als Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Rede vor der UN-Generalversammlung die Übergabe von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen an Südkorea bekannt gab. Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung erklärte, dass die Offenlegung dieser Informationen eine Vertraulichkeitsvereinbarung verletzt habe. In Seoul wurde erläutert, dass die Geheimhaltung notwendig gewesen sei, um die in Nordkorea verbliebenen Soldaten und deren Familien zu schützen.
Kiews Position
Das Präsidialamt der Ukraine wies dies seinerseits zurück und verwies auf die bestehende Vereinbarung, diesen Fall vertraulich zu behandeln. Somit berufen sich beide Seiten auf Vertraulichkeitsklauseln, sind sich jedoch uneinig in der Bewertung, wie genau diese verletzt wurden und wer die Verantwortung für die öffentliche Enthüllung der Informationen trägt.
Mögliche Folgen
Cho Hyun schloss nicht aus, dass der Streit zu einem ernsthafteren Konflikt eskalieren und den diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern schaden könnte, sollte die Anspannung weiter steigen. Gleichzeitig betonte er, dass Südkoreas Unterstützung für die Ukraine unverändert fortbesteht: Seoul beteiligt sich weiterhin an Konferenzen zum Wiederaufbau der Ukraine, leistet humanitäre Hilfe und trägt zu internationalen Bemühungen zur Beendigung des Krieges bei.