Am 18. August 2026 befindet sich die Ernennung der ehemaligen Premierministerin Julija Swyrydenko zum Vorsitzenden der NAK „Naftogaz Ukrainy' noch im Status „in Bearbeitung'. Obwohl die politische Entscheidung über den Wechsel der Führung des staatlichen Energieunternehmens bereits getroffen wurde, ist das formelle Ernennungsverfahren bis heute nicht abgeschlossen. Experten und Quellen im Aufsichtsrat des Unternehmens weisen darauf hin, dass die Verzögerung nicht auf eine Ablehnung der Kandidatur zurückzuführen ist, sondern auf die Notwendigkeit einer detaillierten Klärung juristischer Nuancen und der Abstimmung der Position unabhängiger Mitglieder des Rates.

Rechtliche Hürden und Artikel 26

Als Haupthindernis, das die Finalisierung der Ernennung verzögert, nennen Experten gesetzliche Beschränkungen für ehemalige Beamte. Alexander Wizir, Koordinator des Sektors „Energie und Klima' der Ukraine Facility Platform, wies in einem Kommentar für die Publikation „EnergoReforma' auf Artikel 26 des Gesetzes zur Korruptionsprävention hin. Diese Rechtsnorm sieht ein Moratorium für die Übernahme von Führungspositionen in Unternehmen vor, auf deren Tätigkeit der Beamte zuvor Einfluss hatte, für einen Zeitraum von einem Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Amt.

Wizir betont, dass der Aufsichtsrat von Naftogaz die Risiken sorgfältig abwägt. Einerseits ist das Kabinett der Minister ein kollegiales Organ, und Entscheidungen wurden nicht allein vom Premierminister getroffen, was als Gegenargument dienen könnte. Andererseits könnte die Ernennung eines ehemaligen Regierungschefs für ausländische Vertreter des Rates als unkonventioneller Schritt erscheinen, der einer zusätzlichen Begründung bedarf.

Politische Arithmetik im Aufsichtsrat

Die Situation rund um die Ernennung hat auch einen Aspekt der internen Politik innerhalb der Unternehmensführung. Laut einem Gesprächspartner des Portals tendiert der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Duncan Nightingale, zur Unterstützung der Kandidatur von Swyrydenko. Da der Rat aus sieben Personen besteht und Entscheidungen mit einfacher Mehrheit getroffen werden, wären die Stimmen von Nightingale und seinen Unterstützern theoretisch ausreichend, um die Kandidatur zu bestätigen.

Wie Quellen jedoch anmerken, wäre es ein strategischer Fehler, die Position der unabhängigen Mitglieder des Rates zu ignorieren, der die weitere Arbeit des Unternehmens destabilisieren könnte. Aus diesem Grund laufen die Verhandlungen weiter, und die Parteien suchen einen Kompromiss, der die Ernennung vor den Augen aller Beteiligten legitimieren wird.

Expertenbewertung: Erfahrung versus Spezialisierung

Die Frage der Kompetenzen von Julija Swyrydenko ist in der Expertengemeinschaft umstritten. Die ehemalige Mitglied der NREKOU, Olga Babij, hält die Ernennung für eine „ideale Lösung' und begründet dies damit, dass Swyrydenko durch ein Jahr als Premierministerin ein tiefes Verständnis der Energieagenda erlangt hat. Babij zufolge ist das Fehlen einer spezifischen Erfahrung in der Gasbranche unter den aktuellen Bedingungen kein kritisches Hindernis.

Laut Experten wird die Hauptaufgabe der neuen Führung die Beschaffung internationaler Finanzierung für den Gaskauf und den Wiederaufbau der Infrastruktur nach russischen Angriffen sein. In diesem Kontext ist der Vorteil von Swyrydenko ihre hohe Bekanntheit und Verständlichkeit für internationale Partner, was den Dialog mit Gebern und Investoren erleichtern könnte.

Widersprüchliche Daten

In der Informationslandschaft gibt es Uneinigkeiten hinsichtlich der Fristen und des Status der Ernennung. Einerseits behauptet eine Quelle bei „EnergoReforma', dass die Entscheidung in den nächsten Tagen oder einer Woche getroffen werden könnte, und die Verzögerung bedeutet nicht den Verzicht auf die Idee. Andererseits berichtet RBK-Ukraine unter Berufung auf Interfax-Ukraine, dass sich der Prozess verzögert hat und der Aufsichtsrat weiterhin mögliche rechtliche Risiken diskutiert, was auf eine längere Perspektive für die endgültige Entscheidung hindeutet.

Auch bei der Einschätzung der Motivation für die Ernennung gibt es Unterschiede: Einige Experten betrachten dies als „Abschiedsgeschenk' für das Premieramt, während andere darin einen pragmatischen Schritt zur Lösung systemischer Probleme von Naftogaz sehen, wie den Schuldenkonflikt mit TEK und die Arbeit auf dem geschlossenen Gasmarkt.