Die Frage, wie wirksam internationale Sanktionen gegen den russischen militärisch-industriellen Komplex sind, hat erneut eine heftige Debatte ausgelöst. Der vom ukrainischen Präsidenten für Sanktionspolitik ermächtigte Beauftragte Wladyslaw Wlasjuk hat Daten vorgelegt, die belegen, dass Moskau weiterhin aktiv neue Raketen produziert, wobei sowohl importierte als auch eigene Elektronik zum Einsatz kommt.
Ein entscheidender Beweis dafür sind die Ergebnisse der Untersuchung von Raketenresten, die Russland am 24. Mai bei Angriffen in der Nähe von Bila Zerkwa eingesetzt hat. Experten haben die Konstruktion der kassettierten „Iskander-M“-Rakete und der „Oreschnik“-Rakete detailliert analysiert und dabei Komponenten aus frischer Produktion identifiziert.
Globale Lieferkette im „Iskander“
Die Analyse der kassettierten Rakete „Iskander-M“ ergab die Anwesenheit einer elektronischen Komponentenbasis, die in Ländern hergestellt wurde, die strenge Handelsbeschränkungen gegen die Russische Föderation verhängt haben. In den Trümmerteilen wurden Teile aus den USA, Taiwan, der Schweiz, Japan und China gefunden.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Wlasjuk den Produktionsdaten dieser Komponenten. Ein Teil der Elektronik wurde 2024 und sogar 2025 gefertigt. Dies deutet direkt darauf hin, dass die Lieferkanäle für moderne Technologien in den russischen Rüstungssektor trotz des Sanktionsdrucks weiterhin funktionieren.
Die Rolle der belarussischen Industrie
Belarussische Fabriken spielen eine wichtige Rolle bei der Versorgung der russischen Streitkräfte mit Waffen. Wlasjuk betonte, dass Produkte der Unternehmen „Integral“ und „Transistor“ regelmäßig in modernen russischen Raketen vorkommen. Belarussische Komponenten wurden sowohl in der „Iskander-M“ als auch in anderen Modellen entdeckt, wobei viele davon ebenfalls auf die Jahre 2024–2025 datiert sind.
Dies zeugt von einer tiefen Integration der Produktionsketten und davon, dass Minsk weiterhin ein wichtiger Lieferant von Elektronik für die militärischen Bedürfnisse Russlands bleibt.
„Oreschnik“: Setzen auf eigene Produktion
Die Situation bei der Rakete „Oreschnik“ gestaltete sich anders. Im Gegensatz zum „Iskander“ wurden bei dieser Rakete alle identifizierten Teile ausschließlich in russischen und belarussischen Fabriken hergestellt. Zuvor gab es Fragen nach dem Vorhandensein ausländischer Komponenten im „Oreschnik“, doch Wlasjuk gab zu bedenken, dass diese im konkreten Exemplar, das am 24. Mai eingesetzt wurde, möglicherweise fehlen.
Dennoch zeichnet sich auch hier eine Tendenz zur Nutzung neuester Technologien ab. Mehr als die Hälfte der Teile im „Oreschnik“ wurden 2023–2024 gefertigt, und einige Komponenten sind mit dem Jahr 2025 datiert.
Fazit: Keine alten Vorräte, sondern neue Produktion
Zusammenfassend zog Wladyslaw Wlasjuk eine eindeutige Schlussfolgerung: Es geht nicht um den Verkauf alter Lagerbestände, sondern um eine anhaltende Produktion von Raketen unter Verwendung einer neuen elektronischen Komponentenbasis. Moskau steigert die Waffenproduktion aktiv, gestützt auf die eigene und die belarussische Industrie sowie auf Importkanäle, die bisher nicht vollständig blockiert werden konnten.