Russland erlebt eine der schwerwiegendsten Treibstoffkrisen der letzten Jahrzehnte. Die Ursache sind systematische Angriffe ukrainischer Drohnen auf die Infrastruktur zur Ölverarbeitung, die zu einem starken Rückgang der Produktion und einem Anstieg der Preise für Benzin und Diesel geführt haben.
Treibstoffpreise erreichen Rekordwerte
Laut Daten des russischen Bundesamtes für Statistik stieg der durchschnittliche Endverbraucherpreis für Benzin in der Woche vom 7. bis 13. Juli im Vergleich zur Vorwoche um 2,3 % und erreichte 75,84 Rubel pro Liter. Diesel wurde noch stärker teurer – um 3,2 % auf 91,21 Rubel pro Liter.
Seit Jahresbeginn ist Benzin in Russland um 16,4 % und Diesel um 18 % teurer geworden, während die offizielle Inflationsrate bei nur 4,64 % liegt. Das bedeutet, dass die Preissteigerungen bei Kraftstoffen die allgemeine Inflation deutlich übersteigen und zusätzlichen Druck auf den Verbrauchermarkt ausüben.
Ukrainische Angriffe lähmen Raffinerien
Laut Bloomberg sind die Mengen an in Russland verarbeitetem Öl auf den niedrigsten Stand seit mehr als 21 Jahren gefallen. Seit Mai haben ukrainische Streitkräfte mehr als 40 Angriffe auf russische Kraftstoffproduktionsstätten durchgeführt und mindestens 23 der 34 großen Ölraffinerien des Landes getroffen.
Die Internationale Energieagentur berichtet, dass seit Anfang Mai ukrainische Angriffe mehr als die Hälfte der russischen Ölverarbeitungsanlagen betroffen haben. Im Juni verarbeiteten russische Raffinerien nur noch 3,8 Millionen Barrel Öl pro Tag – fast ein Drittel weniger als im Vorjahr.
Die Regierung führt Beschränkungen ein
Aufgrund der hohen saisonalen Nachfrage hat die russische Regierung den Export von Benzin, Diesel und Flugtreibstoff fast vollständig verboten. Darüber hinaus wurde in einigen Regionen eine Rationierung des Kraftstoffverkaufs eingeführt, um panische Einkäufe zu verhindern.
Gegenwärtig decken russische Raffinerien nur etwa 65 % des saisonalen Benzinbedarfs des Landes. Ursache hierfür sind Angriffe ukrainischer Drohnen, die mehrere der größten Ölraffinerien Russlands außer Gefecht gesetzt haben.
Wirtschaftliche Folgen und politischer Kontext
Die Probleme mit dem Treibstoff üben zusätzlichen Druck auf die russischen Behörden aus, kurz vor den Parlamentswahlen im September. Die Zentralbank Russlands hat vor steigenden Inflationsrisiken aufgrund der Produktionsverringerung von Kraftstoffen gewarnt und einen möglichen Kurswechsel der Geldpolitik angedeutet.
Auch die Zentralbank stellte fest, dass die Verteuerung von Kraftstoffen bereits die Preise anderer Waren und Dienstleistungen beeinflusst, wobei das Ausmaß dieses Effekts davon abhängen wird, wie lange der Mangel auf dem Markt anhält.
Kürzlich gab der russische Staatschef Wladimir Putin zu, dass die Angriffe ukrainischer Drohnen „bestimmte Probleme mit Mineralölprodukten“ in Russland verursacht hätten. Gleichzeitig versicherte er, die Situation lasse sich allmählich stabilisieren.