Die Regierung von US-Präsident Donald Trump erarbeitet laut Medienberichten ein neues Paket von Zollbeschränkungen, das nicht nur den direkten Import von Halbleitern, sondern auch ein breites Spektrum fertiger technischer Produkte mit Mikrochips betreffen könnte. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf eine Veröffentlichung von Reuters. Die Initiative würde, falls sie in der diskutierten Form umgesetzt wird, den Umfang der geltenden Handelspolitik Washingtons erheblich erweitern und Endverbraucher sowie Unternehmenskunden weltweit betreffen.

Erweiterung der Liste der besteuerten Waren

Dem diskutierten Vorschlag zufolge sollen die Zölle nicht nur auf die Chips selbst, sondern auf einen breiteren Kreis technischer Produkte angewendet werden. Insbesondere sind Laptops, Spielkonsolen und Server von Rechenzentren in die Liste aufgenommen. Damit geht die diskutierte Initiative über den unmittelbaren Import von Halbleitern hinaus und betrifft fertige Geräte, was zu einem Anstieg der Preise für Elektronik und Cloud-Computing-Infrastruktur führen kann. Dabei sind die endgültige Struktur der künftigen Zölle, deren Sätze und die genaue Liste der Positionen noch nicht festgelegt.

Befreiungsmechanismus durch Investitionen in den USA

US-Handelsminister Howard Lutnick unterstützt laut Politico einen Mechanismus, durch den ausländische Unternehmen je nach Umfang ihrer Investitionen in die amerikanische Chip-Produktion von den neuen Abgaben befreit werden können. Dieses Schema soll laut der Veröffentlichung die Ausweitung der Halbleiterproduktion innerhalb der USA und den Transfer von Lieferketten auf amerikanisches Gebiet anregen. Die schrittweise Einführung neuer Zölle wird ebenfalls als eine der Optionen erwogen, wobei die Parameter dieses Schemas in den kommenden Wochen oder Monaten noch erheblich geändert werden können.

Widersprüchliche Daten

Wichtig ist zu beachten, dass Reuters die zuvor von Politico veröffentlichten Informationen nicht unabhängig bestätigen konnte. Das Weiße Haus und das US-Handelsministerium haben auf die Anfragen der Agentur zur Kommentierung nicht umgehend geantwortet. Das bedeutet, dass die Details des Pakets – Warenliste, Sätze, Fristen und Befreiungsbedingungen – noch in der Diskussionsphase sind und nicht offiziell bestätigt wurden. Außerdem werden in offenen Quellen Abweichungen in der Chronologie und im Umfang der Zollmaßnahmen festgehalten: Einige Veröffentlichungen beziehen sich auf bereits in Kraft getretene Sätze und auf einzelne Warengruppen (z. B. Automobile), die nicht mit dem jetzt diskutierten Paket für Halbleiter und Technik vermischt werden sollten. Bis zu offiziellen Erklärungen Washingtons sind alle Parameter der Initiative als vorläufig zu betrachten.

Kontext: Scheitern der Verhandlungen mit Kanada

Die neuen Diskussionen über Halbleiter erfolgen vor dem Hintergrund einer allgemeinen Verschärfung der Handelspolitik der Regierung. Wir erinnern daran, dass die Handelsverhandlungen zwischen den USA und Kanada ohne Abschluss eines Zollabkommens endeten, sodass die Parteien neue Beschränkungen nicht vermeiden konnten. Die Regierung von Donald Trump hat bereits die Liste kanadischer Waren festgelegt, die unter Berücksichtigung der neuen Maßnahmen mit einem Zollsatz von 50 % belegt werden können. Dies zeigt, dass der Zollkurs Washingtons systemischen Charakter hat und mehrere Warenkategorien und Handelspartner gleichzeitig betrifft.

Was als Nächstes kommt

In den kommenden Wochen wird es entscheidend sein, ob die Regierung die endgültige Struktur der Zölle und die Befreiungsbedingungen für ausländische Hersteller abstimmen kann. Falls der Mechanismus der Verknüpfung der Abgaben mit Investitionen in die amerikanische Produktion genehmigt wird, könnte dies ein Druckmittel auf ausländische Unternehmen zum Transfer der Chip-Produktion in die USA werden. Für die Märkte der Elektronik, der IT-Infrastruktur und der Endverbraucher hängen die Folgen davon ab, welche Positionen und in welchem Umfang unter die Beschränkungen fallen werden. XAB.info wird die offiziellen Kommentare des Weißen Hauses und des US-Handelsministeriums verfolgen.