Die Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte haben erneut ballistische Raketen als die verwundbarste Richtung im ukrainischen Luftabwehrsystem benannt. Dies erklärte Jurij Ignat, Leiter der Kommunikationsabteilung des Kommandos der Luftstreitkräfte, im Rahmen eines TV-Marathons und kommentierte dabei die Vorbereitung Russlands auf einen neuen massiven Angriff auf das Territorium des Landes. Seinen Worten zufolge ist es gerade die Ballistik, die Ziele in wenigen Minuten erreichen kann, auch nachts, was sie zur prioritären Bedrohung für Städte und Grenzregionen macht.
Ballistik – die größte Schwachstelle
Ignat betonte, dass Kiew „stark leidet“, aber auch andere Regionen unter Beschuss geraten – Odessa, Dnipro, Charkiw und die Grenzgebiete. Der Militär erklärte, dass gerade die ballistische Flugbahn die Zeit für einen Abschuss verkürzt und spezielle Gegenmaßnahmen erfordert. In diesem Zusammenhang, so seine Einschätzung, benötigt die Ukraine nicht nur Lieferungen, sondern auch eine eigene Produktion von Munition für die amerikanischen Patriot-Systeme, auch wenn ein solcher Prozess, wie Ignat selbst einräumte, „nicht schnell“ sein wird.
Welche Raketen setzt Russland ein
Zu den Waffensystemen, die Russland laut Ignat auf ballistischer Bahn einsetzt, zählen „Zirkon“, S-400-Raketen, KN-23 und „Iskander-M“. Gerade den Abschuss dieser Ziele können laut ihm die Patriot-Systeme durchführen, die bereits von ukrainischen Einheiten eingesetzt werden und, wie der Militär betonte, eines der wichtigsten Langstreckensysteme bleiben sollten. Für einen vollwertigen Betrieb ist seinen Worten zufolge ein Munitionsbestand erforderlich – nicht nur für die Zeit der Kampfhandlungen, sondern auch für die Friedenszeit: zum Beladen der Raketen auf die Startanlagen, für Tests und Übungsvorhaben.
Widersprüchliche Angaben
Die Originalquelle enthält Formulierungen, die aus militärischer Klassifikationsgesichtspunkt Fragen aufwerfen. Erstens werden in der Liste der ballistischen Bedrohungen „S-400-Raketen“ genannt, obwohl die S-400 ein flugabwehrsystematisches Raketenkomplex ist und kein Typ ballistischer Rakete für Angriffe auf Bodenziele; möglicherweise liegt in dem Zitat ein Übertragungsfehler vor. Zweitens wird der „Zirkon“ offiziell als Hyperschallrakete klassifiziert und nicht als klassische Ballistik, auch wenn er auf einer ballistischen/ballistikähnlichen Bahn fliegt. Schließlich wird im Kontext des Treffens von Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem britischen Premierminister in der Quelle der Name „Andy Burnham“ genannt, was nicht mit den allgemein bekannten Informationen über die Person übereinstimmt, die das Amt des britischen Premierministers innehat, und einer zusätzlichen Überprüfung bedarf. Beide Versionen – das wörtliche Zitat der Quelle und die alternative Klassifizierung – werden offen dargelegt, damit der Leser sie bewerten kann.
Kontext: Angriffsvorbereitung und Verhandlungen
Zur Erinnerung: Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor mitgeteilt, dass der ukrainische Geheimdienst Informationen über die Vorbereitung Russlands auf einen neuen massiven Angriff besitzt. Seinen Worten zufolge hat er diese Frage unter anderem mit dem britischen Premierminister bei einem Treffen besprochen, bei dem die Seiten über Sicherheit, den Schutz der Ukrainer, die Vorbereitung auf den Winter und diplomatische Möglichkeiten sprachen. Damit fügt sich die Aussage Ignats über den Mangel an Patriot-Munition in den allgemeinen Kontext der Erwartung einer neuen Angriffswelle und der laufenden Verhandlungen über die Lieferung von Luftabwehrsystemen ein.