Laut RBC-Ukraine hat sich das Finanzierungsdefizit des ukrainischen Verteidigungsministeriums auf 27 Milliarden Dollar ausgewachsen, was etwa 1,2 Billionen Hrywnja entspricht. Davon müssen bis Ende 2026 zusätzlich 8–10 Milliarden Dollar für die Beschaffung von Waffen und andere militärische Ausgaben aufgebracht werden, während fast 20 Milliarden Dollar für Zahlungen an Soldaten, Angehörige Gefallener und andere Zwecke benötigt werden. Wie Quellen des Mediums, die über die tatsächliche Lage bei der Armeefinanzierung Bescheid wissen, berichten, muss die Frage im Laufe des Septembers geklärt werden: Wenn keines der Szenarien realisiert wird, könnten die ukrainischen Streitkräfte bereits im Oktober mit einem akuten Mittelengpass konfrontiert sein.

Hauptszenario: Front-Loading des EU-Kredits

Als Schlüssel- und nach Einschätzung der Quellen realistischste Variante gilt das Vorziehen eines Teils der Kreditmittel der Europäischen Union vom kommenden auf das laufende Jahr – das sogenannte Front-Loading. Für 2027 sind laut EU-Kredit 45 Milliarden Euro für die Ukraine geplant, davon 28,3 Milliarden Euro zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und zur Waffenbeschaffung sowie 16,7 Milliarden Euro für die makrofinanzielle Wirtschaftsförderung. Bedingung für das „Front-Loading“ wird voraussichtlich die Einhaltung des Zeitplans aller vorgesehenen Reformen sein, einschließlich Änderungen im Steuerrecht und antikorruptionspolitischen Maßnahmen.

Partnerhilfe und innere Verschuldung

Die zweite Option zur Deckung der Militärausgaben ist die zusätzliche Hilfe der Partnerländer, vor allem Großbritanniens, Kanadas und Japans. Wie ein Gesprächspartner des Mediums anmerkte, hätten diese Länder „zusätzlich zu dem 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU etwas beigesteuert“. Das dritte Szenario sieht eine Erhöhung des Haushaltsdefizits durch innere Verschuldung über staatliche Anleihen (OWGZ) vor; dieses Instrument erfordert jedoch eine Abstimmung mit dem IWF, der eine Ausweitung des staatlichen Haushaltsdefizits nicht unterstützt.

Widersprüchliche Angaben

In den Veröffentlichungen zum Thema weichen die Zahlen zum Umfang der europäischen Finanzierung voneinander ab. RBC-Ukraine gibt an, dass für 2027 laut EU-Kredit 45 Milliarden Euro für die Ukraine geplant seien, während die Gesprächspartner den Gesamtumfang des erwähnten EU-Kredits auf 90 Milliarden Euro beziffern. Gleichzeitig spricht die Schlagzeile des Fachmediums Profile.ru davon, dass die ukrainische Regierung 30 Milliarden Euro von der Europäischen Union zur Finanzierung der Streitkräfte erhalten wolle. Die Differenz zwischen 30 und 45 Milliarden Euro könnte dadurch erklärt werden, dass einige Quellen den jährlichen Tranche für 2027 nennen, andere hingegen den konkreten Betrag, den Kiew im laufenden Jahr über das Front-Loading „herauszuholen“ versucht, oder unterschiedliche Ausschnitte desselben Programms. Die genaue Diskrepanz zwischen den Versionen wurde zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials von keiner der Seiten offiziell bestätigt.

Risiko eines Scheiterns und Folgen für die Streitkräfte

Nach Einschätzung der Quellen müsste die Ukraine, wenn keines der drei Szenarien realisiert werden kann, die Investitionskosten kürzen. Anderenfalls könnten die Streitkräfte bereits im Oktober mit einem erheblichen Mittelengpass konfrontiert sein, was sowohl die Waffenbeschaffung als auch die regelmäßigen Zahlungen an das Personal und die Angehörigen Gefallener gefährden würde. Der September 2026 wird damit zum kritischen Zeitfenster für Entscheidungen zum Militärhaushalt.