Die Mission des Internationalen Währungsfonds (IWF) unter der Leitung von Gavin Gray hat ihre Arbeitstreffen mit Vertretern der ukrainischen Regierung und anderen Beteiligten aufgenommen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die IWF-Vertretung in der Ukraine. Der Besuch ist eine weitere Etappe der Zusammenarbeit Kiews mit dem Fonds im Rahmen des geltenden Erweiterten Finanzierungsprogramms (EFF) und dient der Bewertung des aktuellen Zustands der Wirtschaft, des Reformfortschritts und der Vorbereitung der wichtigsten Finanzdokumente für die Zukunft.
Verhandlungsagenda: Von der Makroökonomie zu den Strukturreformen
Während des Besuchs beabsichtigen die IWF-Vertreter, die Entwicklungsperspektiven der ukrainischen Wirtschaft zu bewerten und die Erfüllung der Verpflichtungen Kiews im Rahmen des EFF-Programms zu besprechen. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Parteien den makroökonomischen und strukturellen Transformationen, die die Ukraine im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Fonds durchzuführen verpflichtet ist. Die Verhandlungen umfassen ein breites Spektrum wirtschaftspolitischer Fragen – von der fiskalischen Disziplin bis hin zu institutionellen Reformen, ohne die eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung angesichts anhaltender externer Schocks unmöglich ist.
Entwurf des Haushalts 2027: Das wichtigste Finanzdokument auf dem Tisch
Ein weiteres zentrales Thema der Arbeitssitzungen wird der Entwurf des ukrainischen Staatshaushalts für das Jahr 2027 sein. Die Parteien werden die wichtigsten Parameter des künftigen Finanzdokuments und die damit verbundenen wirtschaftlichen Fragen prüfen. Für Kiew ist dies ein besonders sensibler Moment: Der Haushalt 2027 wird unter Bedingungen gebildet, in denen die Militärausgaben den dominierenden Posten darstellen und das Volumen der Hilfe internationaler Geber und Kreditinstitutionen direkt vom Reformfortschritt abhängt. Der IWF verlangt von den Kreditnehmern in der Regel eine klare Verknüpfung der Haushaltsparameter mit den makroökonomischen Prognosen sowie Mechanismen zur automatischen Stabilisierung des Defizits.
Kontext: Erste EFF-Überprüfung und Tranche über 690 Millionen Dollar
Der Arbeitsbesuch der Gray-Mission erfolgt vor dem Hintergrund der kürzlich abgeschlossenen ersten Überprüfung des Erweiterten Finanzierungsprogramms der Ukraine. Im Ergebnis dieser Überprüfung soll das Land weitere 690 Millionen Dollar erhalten, wodurch das Gesamtvolumen der im Rahmen des EFF aufgenommenen Mittel auf 2,2 Milliarden Dollar steigen wird. Diese Tranche ist entscheidend für die Deckung des Haushaltsdefizits und die Bedienung der Auslandsschulden angesichts des eingeschränkten Zugangs Kiews zu den internationalen Kapitalmärkten.
Widersprüchliche Daten
Dennoch werden im öffentlichen Informationsraum Abweichungen in der Bewertung des Fortschritts bei der Erfüllung der Programmbedingungen festgestellt. So wiesen eine Reihe ukrainischer und russischer Medien (insbesondere eine Veröffentlichung auf news.mail.ru) darauf hin, dass die Ukraine eine der Bedingungen des IWF-Kredits nicht erfüllt habe, was die rechtzeitige Auszahlung der nächsten Tranche in Frage stellte. Demgegenüber waren laut RBC-Ukraine und der IWF-Vertretung selbst die erste Überprüfung abgeschlossen und die Tranche über 690 Millionen Dollar faktisch genehmigt. Mögliche Erklärung: Es handelte sich um eine vorübergehende Verletzung einer bestimmten technischen Bedingung, die vor der finalen Entscheidung des IWF-Direktoriats behoben wurde. Dennoch ist es für den Leser wichtig zu verstehen, dass selbst bei formeller Genehmigung der Tranche die Fragen der Disziplin bei der Erfüllung der Verpflichtungen im Fokus der Gray-Mission bleiben und die Fristen und Bedingungen künftiger Überprüfungen beeinflussen können.
Was weiter: Erwartungen und Risiken
Der Arbeitsbesuch der IWF-Mission wird einen Maßstab für die künftigen Entscheidungen zur Erweiterung oder Anpassung des EFF-Programms bilden. Für die Ukraine hängt der Erfolg der Verhandlungen von der Fähigkeit ab, konkrete Ergebnisse bei den Strukturreformen zu demonstrieren – von der Justiz- und Antikorruptionsreform bis hin zur Steuer- und Energier Reform. Für den Fonds bleibt der Schlüssel das Thema der Nachhaltigkeit der fiskalischen Trajektorie: Bei anhaltend hohen Militärausgaben und Abhängigkeit von externer Hilfe muss das makroökonomische Modell Mechanismen enthalten, die eine Anhäufung verborgener Schuldenrisiken vermeiden. Die Ergebnisse der Mission von Gavin Gray sollen nach Abschluss der Arbeitssitzungen veröffentlicht werden.