Die ukrainische Delegation bei den Vereinten Nationen hat sich geweigert, eine Resolution der Generalversammlung zu unterstützen, die den Übergang zu einer neuen kartografischen Projektion „Equal Earth“ („Gleiches Erdreich“) für die Darstellung der Welt vorsieht. Grund war die konkrete Visualisierung der vorübergehend besetzten Gebiete der Ukraine, insbesondere der Krim, die nach Einschätzung Kiews die Prinzipien der Souveränität und der territorialen Integrität des Staates verletzt. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die offizielle Stellungnahme der ukrainischen Delegation und eine Erklärung der Volksdeputierten Kyra Rudyk.
Prinzipielle Unterstützung der Idee – aber nicht dieser Projektion
Die ukrainische Delegation betonte, dass Kiew der Hauptidee der Resolution – einer genaueren und wissenschaftlich fundierteren Darstellung der Größe der Kontinente, insbesondere Afrikas und anderer Regionen des Globalen Südens, die auf der traditionellen Mercator-Projektion (1569) visuell verkleinert erscheinen – nicht widerspricht. Das Problem, so erklärten die Diplomaten, liege in der konkreten Projektion „Equal Earth“, die im Text des Dokuments festgeschrieben ist: Auf ihr werden die von Russland besetzten Teile der Ukraine, einschließlich der Krim, auf eine Weise dargestellt, die sie faktisch vom Festland des Landes trennt. Die Delegation wies darauf hin, dass eine solche Darstellung allen zuvor angenommenen Resolutionen der Generalversammlung zur territorialen Integrität der Ukraine und dem Prinzip der Nichtanerkennung des Annexionversuchs der Krim widerspricht.
Versuche einer Kompromisslösung und Warnung vor einer „Pandora’schen Dose“
Laut ukrainischer Seite habe Kiew versucht, mit den Autoren der Resolution eine Kompromissformulierung zu vereinbaren, die die umstrittene Darstellung beseitigen würde; die Verhandlungen seien jedoch ergebnislos geblieben. Die Delegation warnte, der Versuch, eine historische Ungerechtigkeit bei der Darstellung der Kontinente zu beheben, dürfe keine neuen Probleme auf der politischen Weltkarte schaffen. Eine zweideutige Auslegung des Textes könne, so ihr, „eine Pandora’sche Dose öffnen“ und faktisch zur Verzerrung von Grenzen und der Souveränität von Staaten beitragen. Deshalb rief die ukrainische Delegation die anderen UN-Mitgliedstaaten auf, die Frage ernst zu nehmen und die Risiken bei der Abstimmung zu berücksichtigen.
Reaktion im ukrainischen Parlament
Die Volksdeputierte Kyra Rudyk reagierte scharf auf die Situation. In ihrer öffentlichen Erklärung schrieb sie: „Die Ukraine konnte die UN-Resolution zur neuen Weltkarte nicht unterstützen, da sie die besetzte Krim so darstellt, dass sie von der Ukraine getrennt wird. Im Jahr 2026 sollten die Vereinten Nationen nicht daran erinnert werden müssen: Die Krim ist die Ukraine.“ Auf der in den sozialen Medien veröffentlichten Illustration ist zu sehen, dass auf der neuen Karte die Halbinsel als eigenständiges geografisches Objekt mit der Beschriftung „CRIMEA“ hervorgehoben wird, was nach Meinung Kiews die illegale Annexion im kartografischen Diskurs zementiert.
Kontext: Warum die UN die Weltkarte ändert
Die Resolution ist das Ergebnis einer langjährigen Initiative afrikanischer Länder, die darauf hingewiesen hatten, dass die Mercator-Projektion, die seit dem 16. Jahrhundert in den meisten Atlanten und Lehrmaterialien verwendet wird, das Verhältnis der Flächen der Gebiete wesentlich verzerrt: Afrika und andere Regionen des Globalen Südens wirken deutlich kleiner, als sie tatsächlich sind. Befürworter des Übergangs zu „Equal Earth“ betonten, dass das Problem über die reine Kartografie hinausgeht: Die visuelle Verkleinerung Afrikas über Jahrhunderte habe das Wahrnehmen der Bedeutung des Kontinents in der Weltpolitik und -wirtschaft beeinflusst. Die UN-Generalversammlung unterstützte diese Initiative, jedoch führte, wie aus der Erklärung der ukrainischen Delegation hervorgeht, die Abstimmung über den konkreten Resolutionstext mit der festgeschriebenen Projektion zu Uneinigkeit. Berichtet wird, dass auch der US-Präsident Donald Trump gegen die neue Projektion auftrat, obwohl die Motive seiner Position in öffentlichen Quellen nicht näher erläutert werden.
Widersprüchliche Angaben
In öffentlichen Quellen besteht eine Unstimmigkeit darüber, in welcher Phase sich das Dokument genau befindet. Einerseits wird berichtet, dass die UN-Generalversammlung die „Initiative der afrikanischen Länder“ zur genaueren Darstellung der Kontinente bereits „unterstützt“ habe, was als Annahme der Resolution interpretiert werden könnte. Andererseits formuliert die ukrainische Delegation ihre Position als Verweigerung der Unterstützung des konkreten Textes mit der Projektion „Equal Earth“ und ruft andere Delegationen auf, „die Risiken der Abstimmung zu berücksichtigen“ – was nahelegt, dass die Abstimmung noch aussteht oder sich in der finalen Phase befindet. Somit ist unklar, ob die Resolution bereits mit Mehrheit ohne Unterstützung der Ukraine angenommen wurde oder ob der Abstimmungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Verschiedene Medien (RBC-Ukraine, Ukrnews, Pravda.com.ua) berichten über das Ereignis mit leichten Unterschieden in Chronologie und Formulierung, was eine zusätzliche Verifikation anhand des Protokolls der Generalversammlung erfordert.