US-Präsident Donald Trump erklärte, dass die Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Raketen für das Luftverteidigungssystem Patriot erhalten werde, es handle sich dabei jedoch, wie er sagte, um eine „weniger moderne Version“ der Waffe. Nach dem Gesamtbild der zuvor verbreiteten Veröffentlichungen und Daten, auf die der Weiße Haus-Chef selbst verwies, ist der wahrscheinlichste Kandidat für das lizenzierte Produkt die Rakete PAC-2, insbesondere ihre weitverbreitetste moderne Variante GEM-T (Guidance Enhanced Missile-Tactical). Genau diese Abfangraketen schützen bereits den ukrainischen Luftraum, was das Thema der Lizenz vor dem Hintergrund der Vorbereitung auf den Winter und der verschärften Debatte über die Lieferung von Luftverteidigungsmitteln besonders sensibel macht.
Was ist PAC-2 und wie funktioniert sie
PAC-2 ist eine Familie von bodengestützten Lenkflugkörpern für das Patriot-System. Der US-Verteidigungsauftragnehmer L3Harris beschreibt sie als einstufigen, bodengestützten Abfangkörper mit Feststofftreibstoff. Die Rakete wurde erstmals im Golfkrieg eingesetzt und kann taktische ballistische Raketen, Marschflugkörper und Flugzeuge mit einer konventionellen Splitter- und Sprengkampfkopf treffen. Die Variante GEM-T ermöglichte eine effizientere Erkennung von Zielen mit kleiner Radarstreifläche und eine präzisere Detonation in der Nähe ballistischer Ziele. Die nächste Generation – PAC-3, beginnend mit der Version CRI – erhöhte die Abfangeffizienz durch die Technologie des direkten Treffens (hit-to-kill), die die klassische Splitter- und Sprengwirkung ablöste. Somit lösen PAC-2 und PAC-3 unterschiedliche Aufgaben: Die erste ist auf aerodynamische Ziele optimiert, die zweite auf ballistische.
Produktion: US-Kapazitäten und deutscher Standort
Die Raketen PAC-2 GEM-T werden von dem US-Unternehmen Raytheon, einem Tochterunternehmen der RTX-Korporation, hergestellt. Die主要生产kapazitäten befinden sich in den USA: Im Juli 2026 bestellte das US-Militär erstmals seit 30 Jahren eine neue Charge von PAC-2 GEM-T, um den Verbrauch des Munitionslagers während der Kampfhandlungen gegen den Iran auszugleichen. In Europa erhielt Deutschland seit 2022 das Recht zur Herstellung dieser Rakete – im Gemeinschaftsunternehmen von Raytheon und MBDA Deutschland, COMLOG, in Schrobenhausen in Bayern. Im April 2026 schloss Raytheon einen Vertrag über 3,7 Milliarden Dollar über die Lieferung von PAC-2 GEM-T-Raketen für die Ukraine ab, ein Teil davon wird genau in diesem deutschen Werk produziert, ein Teil in den USA. Damit wird Deutschland zum entscheidenden Glied in der potenziellen Lizenzkette für Kiew.
Die Rolle von PAC-2 in der ukrainischen Luftverteidigung
PAC-2 GEM-T ist für die Bekämpfung aerodynamischer Ziele – Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und Drohnen – mit einer Reichweite von bis zu 160 km vorgesehen. Laut Defence Express wurden genau diese Raketen in den Jahren 2023–2024 im Rahmen der Taktik des „wandernden“ Patriot in großer Entfernung von der Frontlinie gegen die russische Luftwaffe eingesetzt. Gegen ballistische und aeroballistische Raketen sind hingegen die Raketen PAC-3 effektiv, während die Fähigkeiten von PAC-2 in diesem Segment begrenzt sind. Das erste Patriot-System traf im April 2023 in der Ukraine ein – die Komplexe stammten aus Deutschland, den USA und den Niederlanden, was die Grundlage für die heutige Debatte über die lokale Herstellung von Munition legte.
Warum Washington die Lizenz bremst
Die Fragen der Herstellung und Lieferung von Raketen für Patriot verschärften sich in der Ukraine vor dem Hintergrund der Wintervorbereitung und der Ankündigung Trumps über eine mögliche Lizenz. Laut dem US-Präsidenten geht es nur um eine „weniger moderne Version“ der Waffe – und nach Angaben der Medien, die zuvor seine Aussagen verbreitet hatten, kann es sich dabei entweder um PAC-2 GEM-T oder um eine neue, günstigere Variante von PAC-3 namens Adapted Capability Effector handeln. Bereits im August erklärte der ehemalige Sondergesandte des US-Präsidenten für die Ukraine, Keith Kellogg, warum Washington die Übertragung der Lizenz bremst: Dagegen sprechen sich die Verteidigungsunternehmen selbst aus, insbesondere Lockheed Martin, die befürchten, die Kontrolle über ihre eigenen Technologien zu verlieren. Parallel zur Debatte über die Lizenz erklärte Deutschland am 8. September auf der Sitzung der Kontaktgruppe für die Verteidigung der Ukraine im „Ramstein“-Format die dringende Übertragung von PAC-2-Abfangraketen an die Ukraine direkt aus den Beständen der Bundeswehr. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius begründete dies mit der Notwendigkeit, die ukrainische Luftverteidigung zu stärken, woraufhin Polen die Vorbereitung eines eigenen Hilfepakets vor dem Hintergrund genau dieser Entscheidung Berlins meldete.
Widersprüchliche Daten
Die Versionen der Parteien stimmen in zwei zentralen Fragen nicht überein. Erstens – das Schicksal der Lizenz selbst: Während Trump öffentlich von ihrer Übertragung spricht, zweifeln eine Reihe von Quellen und Experten an ihrer Umsetzung. So wird in den Materialien zum Thema die Einschätzung zitiert, dass die Ukraine „niemals Raketen für Patriot herstellen werde“ – wegen des Widerstands der Verteidigungskonzerne und des Risikos eines Technologie-Leaks; deutschsprachige Medien stellen die Frage direkt, ob es überhaupt eine Lizenz geben wird. Zweitens – die konkrete Variante: Während die Aussagen Trumps auf die „weniger moderne“ PAC-2 hinweisen, dokumentieren einzelne Veröffentlichungen, dass Kiew vor dem Hintergrund dieser Debatten bereits PAC-3-Abfangraketen eingesetzt hat, und unter den möglichen lizenzierten Produkten taucht auch eine günstigere Variante von PAC-3 (Adapted Capability Effector) auf. Somit sind weder die Waffenversion noch die Tatsache der Lizenzerteilung derzeit eindeutig bestätigt.