Das ukrainische Ministerium für Wirtschaft und Umweltschutz beabsichtigt, einen staatlichen Fonds zur Entschädigung der ersten Verluste (First-Loss) von Unternehmen durch feindliche Angriffe einzurichten. Dies erklärte der Minister für Wirtschaft und Umweltschutz, Alexander Krawtschenko, auf der Veranstaltung „Global Outlook“, die von der Europäischen Business Association in Kiew organisiert wurde. Nach seinen Worten arbeitet die Regierung an einem Mechanismus, der es Unternehmen ermöglichen soll, einen Teil ihrer Verluste durch Beschuss zu erstatten, wobei die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes um einen Prozentpunkt – von 20 % auf 21 % – die Finanzierungsquelle des Fonds bilden soll.
Mechanismus „First Loss“ und Mehrwertsteuersatz
Das vorgeschlagene Modell sieht vor, durch den Anstieg der Mehrwertsteuer etwa 1 Milliarde US-Dollar in Form eines staatlichen Beitrags anzusammeln. Der Minister betonte, dass die Steuererhöhung die optimale Lösung sei, da sie alle Wirtschaftszweige umfasse, in der Verwaltung bequem sei und der Entgrauung des Geschäftslebens fördere: Von dem Programm könnten nur Mehrwertsteuerzahler profitieren. Krawtschenko beschrieb die Situation als „Kreuzung“ – entweder werde die Ukraine endlich Mechanismen der Kriegsversicherung einführen, oder sie bleibe im aktuellen Modus, in dem Unternehmen Unterstützung bräuchten, die Möglichkeiten der Regierung jedoch begrenzt seien.
Warum keine Einfuhrabgabe?
Das Wirtschaftsministerium erklärte, dass alternative Optionen zur Finanzierung des Fonds geprüft worden seien, darunter die Einführung einer zusätzlichen Einfuhrabgabe. Von dieser Idee wurde wegen des Risikos einer höheren Inflation abgesehen. Nach Schätzungen der Regierung werde die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1 Prozentpunkt nur zu einem geringen Anstieg der Inflation führen – voraussichtlich um 0,8 Prozentpunkte. Der Mehrwertsteuersatz wurde somit als das am wenigsten inflationäre und am besten steuerbare Instrument gewählt.
Parameter des Fonds und Finanzierungsquellen
Nach Worten des Ministers werde der Start des Fonds helfen, von internationalen Partnern zusätzliche 1–2 Milliarden US-Dollar anzuziehen. Der Spezialfonds werde ab Anfang 2027 über die staatliche „Export-Kredit-Agentur“ arbeiten. Die Entschädigungsgrenze betrage 10 Millionen US-Dollar, die Prämie für die Teilnehmer des Programms – 2 % der Deckungssumme. Wichtig sei, dass der Fonds gerade die Verluste der Unternehmen abdecke, aber nicht auf Waren ausgedehnt werde. Krawtschenko fügte hinzu, dass der Start des Fonds die Arbeit der kommerziellen Versicherungsgesellschaften vereinfachen und mit der Zeit den internationalen Rückversicherungsmarkt öffnen werde, der für die Ukraine derzeit faktisch geschlossen sei.
Widersprüchliche Angaben
In den Formulierungen des Ministers gibt es je nach Medium leichte Unterschiede in den Schwerpunkten. In den Materialien von RBC-Ukraine wird die Mehrwertsteuererhöhung als „optimale Lösung“ bezeichnet, während sie in der Schlagzeile von Interfax als „einzige Lösung“ für die schnelle Bildung eines Versicherungsfonds dargestellt wird. Im Wesentlichen beschreiben beide Versionen denselben Mechanismus, jedoch unterscheidet sich der Grad der Kategorizität der Bewertung. Außerdem beziehen sich alle genannten Parameter (Satz 21 %, Grenze 10 Millionen US-Dollar, Start 2027) derzeit auf die Entwicklungs- und Vorschlagsstufe der Regierung und nicht auf ein verabschiedetes Gesetz, was bei der Interpretation der Zahlen zu berücksichtigen ist.
Kontext: von Lugano bis 2026
Der Minister erinnerte daran, dass die Diskussionen über eine umfassende Kriegsversicherung seit der Konferenz in Lugano im Juli 2022 andauerten, jedoch bis 2026 noch kein wirksamer Mechanismus existiere. Zuvor hatte Alexander Krawtschenko erklärt, dass die Verluste des ukrainischen Geschäftslebens durch russische Angriffe im Jahr 2026 10 Milliarden US-Dollar betragen könnten. In diesem Kontext bekräftige die Regierung ihre Absicht, die Programme zur Unterstützung der Unternehmer auszubauen und an der Schaffung eines Mechanismus zur Versicherung von Kriegsrisiken für Unternehmen zu arbeiten.