Die Leiterin der Ukraine-Mission bei der NATO, Alena Hetmantschuk, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass die Mitgliedsstaaten der Allianz erstmals auf Führungsebene in einer Erklärung den Status der Ukraine als gemeinsamen Beitragsleister (Contributor) zur euroatlantischen Sicherheit festgeschrieben haben. Ihrer Aussage nach eröffnet diese Entscheidung neue Möglichkeiten für die Unterstützung durch die Verbündeten und verändert die Logik der Beziehungen Kiews zur Allianz: Die Ukraine wird nicht mehr ausschließlich als Empfänger von Hilfe betrachtet, sondern tritt als Akteur auf, dessen Anstrengungen die Verteidigung der NATO-Mitgliedstaaten unmittelbar stärken.

„Mentaler Bruch“ in der Haltung zur Ukraine

Hetmantschuk charakterisierte das Geschehene als „mentalen Bruch“, der derzeit in der NATO in Bezug auf die Rolle der Ukraine bei der Gewährleistung der euroatlantischen Sicherheit stattfindet. Die Diplomatin erläuterte, dass ein solches Anerkennen eine politische Grundlage dafür schafft, die Staaten der Allianz zu ermutigen, mehr Unterstützung zu leisten und größere Beiträge zur Verteidigung der Ukraine einzubringen. Der Schwerpunkt verschiebe sich, so ihre Worte, von der bloßen Weitergabe westlicher Waffen hin zu finanziellen Beiträgen – entweder zu bestimmten Waffensystemen oder zu den eigenen Verteidigungsproduktionen der Ukraine.

Unterstützung der Ukraine als Investition in die NATO-Verteidigung

Das zentrale Argument, das Hetmantschuk anführt, besteht darin, dass das Anerkennen der Ukraine als Sicherheitsbeitragsleister „automatisch alle Beiträge zur Unterstützung der Ukraine in Investitionen in die euroatlantische Sicherheit, in Investitionen in die eigene Verteidigung der NATO-Mitgliedstaaten“ verwandle. Sie bezeichnete diese Entscheidung als logische Fortsetzung der Vereinbarungen des vergangenen Haager Gipfels, die ihrer Einschätzung nach wirksam gemacht wurden: Jede militärische Unterstützung oder Investition in die Verteidigungsproduktion der Ukraine wird dem jeweiligen NATO-Mitgliedstaat auf seine eigenen Verteidigungsausgaben angerechnet. Zur Erinnerung: Auf dem Gipfel in Den Haag hatten sich die Staaten der Allianz verpflichtet, bis 2035 auf ein Niveau von 5 % der Verteidigungsausgaben zu kommen.

Kontext: Hybridangriffe und die Bereitschaft Europas

Die Erklärung kam vor dem Hintergrund einer verschärften Debatte über die Sicherheit in Europa. Der Botschafter der USA bei der NATO, Matthew Witkower, erklärte, dass die Vereinigten Staaten bereit seien, die Verbündeten im Falle russischer Hybridangriffe zu unterstützen, insbesondere nach dem Versuch eines Drohnenangriffs auf den Flughafen Leipzig/Halle in Deutschland, den Berlin Moskau zuschrieb. Seinen Worten zufolge könnte das nächste Ziel solcher Angriffe die kritische Infrastruktur sein, einschließlich energetischer Anlagen. Parallel berichtete die Zeitung The Guardian, dass Militärsplaner, die mit der NATO zusammenarbeiten, befürchten: Europa werde aufgrund unzureichender Einsatzbereitschaft einen затяgen Abnutzungskrieg mit Russland vorerst nicht durchstehen.

Widersprüchliche Angaben

In den verfügbaren Quellen gibt es eine Diskrepanz darüber, in welcher Phase das Anerkennen der neuen Rolle der Ukraine sich befindet. Hetmantschuk formuliert dies als bereits vollzogenen Fakt: Die Führer hätten den Status des Beitragsleisters „in der Erklärung festgeschrieben“. Andere Medien (UNIAN, DW) hingegen behandeln das Thema im Sinne von Erwartung und Absicht – „Die Ukraine möchte, dass die NATO ihre neue Rolle anerkennt“ und „Die Ukraine wartet auf das Anerkennen ihrer neuen Rolle in der Sicherheit durch die NATO“. Das genaue Datum und der Name des Gipfels, auf dem laut der Botschafterin die neue Führungsentscheidung getroffen wurde, sind im ursprünglichen Text nicht angegeben, weshalb eine eindeutige Zuordnung zu früheren Erklärungen nicht möglich ist. Außerdem sollten verschiedene Zahlen aus verschiedenen Ereignissen nicht vermischt werden: Die Verpflichtung, bis 2035 auf 5 % der Verteidigungsausgaben zu kommen, bezieht sich auf den Haager Gipfel, während die Rede von mindestens 40 Mrd. Unterstützung im Jahr 2025 im Kontext der Erklärung von 2024 steht. Diese Kennzahlen beschreiben verschiedene Entscheidungen und verschiedene Zeiträume.

In jedem Fall zielt der diplomatische Wandel, den Kiew beschreibt, darauf ab, den Beitrag der Ukraine zur Sicherheit der Allianz zu institutionalisieren und die Unterstützung Kiews zu einem Instrument zu machen, das formal in den Verteidigungsbudgets der NATO-Staaten selbst berücksichtigt wird.