Der Volksabgeordnete und Vorsitzende des Unterausschusses der Werchowna Rada für Energieeinsparung und Energieeffizienz, Serhij Nagornyak, erklärte, dass die Ukraine einen teilweisen Export von privat gefördertem Erdgas in Betracht ziehen könnte. Nach seinen Worten muss eine solche Entscheidung die Interessen des Binnenmarktes sowie die Notwendigkeit berücksichtigen, dass Förderunternehmen die Rentabilität ihrer Wirtschaftlichkeit erhalten. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund regelmäßiger Anfragen privater Gasförderunternehmen an die Regierung, die Einschränkungen für die Vermarktung der Ressource im Ausland aufzuheben.
Binnenmarkt und private Interessen
Nagornyak unterschied zwischen zwei Kategorien von Förderunternehmen. Das staatliche Unternehmen „Ukrgaswydobytch“ arbeite vorrangig für den Binnenmarkt: Das geförderte Gas werde in unterirdische Speicher gepumpt und für die Bedürfnisse der Bevölkerung sowie der Wärme- und Versorgungsinfrastruktur genutzt. Private Unternehmen verfolgen eine andere Logik; sie verkaufen die Ressource auf dem kommerziellen Markt und sind an der Möglichkeit interessiert, einen Teil davon in Europa zu vermarkten, wo die Preise höher sind. „Es gibt private Unternehmen, eine Reihe privater Unternehmen, nicht nur eines… kleinere und größere, die verstehen, dass der Preis in der Ukraine niedriger ist, und sie würden gerne einen Teil ihres Gases in die Europäische Union verkaufen', erläuterte der Abgeordnete.
Argumente für den Export und ein alternatives Szenario
Der Abgeordnete stellte fest, dass private Förderunternehmen seit der Einführung des Exportverbots regelmäßig dieses Thema vor die Regierung bringen, da sie die Möglichkeit haben wollen, Gewinne zu erzielen und mehr Steuern in den Staatshaushalt einzuzahlen. „Wir können nicht mit Verlust arbeiten, wir wollen etwas verdienen und Steuern in den Staatshaushalt zahlen', übertrug er die Position der Unternehmen. Im Vergleich zum Export von Produkten der Rüstungsindustrie betonte Nagornyak, dass die Unternehmen für die Entwicklung der Branche die Möglichkeit benötigen, einen Teil ihrer Produkte außerhalb des Landes zu verkaufen. Gleichzeitig schloss er eine Alternative nicht aus: Die Regierung und „Naftogaz“ könnten mit privaten Unternehmen einen Preis vereinbaren, zu dem die Ressource für die Einspeisung in ukrainische Speicher gekauft wird.
Gasreserven und Heizsaison
Der Kontext der Diskussion sind Daten zur Füllung der Speicher. In der zweiten Juliwoche wurden in ukrainischen unterirdischen Speichern etwa 13 Milliarden Kubikmeter Gas gespeichert – mehr als 40 % mehr als im Vorjahr. Nach Schätzungen der Regierung könnte der Volumen bis Anfang November 15 Milliarden Kubikmeter überschreiten, was ausreichen sollte, um die Heizsaison zu überstehen. Diese Zahlen bilden ein Argument dafür, dass der Binnenmarkt in der nächsten Saison mit Ressourcen versorgt ist.
Widersprüchliche Daten
In der öffentlichen Debatte existieren zwei nicht ganz übereinstimmende Positionen. Einerseits bestehen private Förderunternehmen und der Geschäftsführer der Assoziation der ukrainischen Gasförderunternehmen, Artem Petrenko, darauf, dass ein kontrollierter Export eines Teils des Gases der Branche zusätzliche Mittel zur Wiederherstellung beschädigter Anlagen, zum Bohren neuer Brunnen und zur Steigerung der eigenen Förderung bringen würde. Andererseits deuten der Fokus auf hohe Vorräte in den Speichern (13–15 Milliarden Kubikmeter) und die Priorität des Binnenmarktes darauf hin, dass die Nachfrage nach Exporten in der aktuellen Heizsaison nicht kritisch ist. Somit reduziert sich die Frage nicht auf einen Gasdefizit, sondern auf die Wahl zwischen der Investitionsrentabilität privater Unternehmen und der Strategie der Vorratshaltung.
Kontext: Verbot von 2022 und Berechnungen der Assoziation
Zur Erinnerung: Das Kabinett der Minister führte Anfang des umfassenden russischen Einmarschs 2022 Nullquoten für den Export von Erdgas ukrainischen Ursprungs ein. Genau die Assoziation der ukrainischen Gasförderunternehmen, der sowohl das staatliche „Ukrgaswydobytch' als auch private Unternehmen angehören, hat der Regierung Berechnungen zur möglichen Wiederaufnahme des Gasexports vorgelegt. Die Initiative von Nagornyak und die Anfragen der Branche unterstreichen somit, dass das Thema des teilweisen Exports eine offene Frage für Verhandlungen zwischen Staat und Privatsektor bleibt.