Die Ukraine und die Vereinigten Staaten befinden sich in der finalen Phase der Vorbereitung eines umfassenden Rahmenabkommens zur Zusammenarbeit im Bereich des Schutzes vor unbemannten Luftfahrzeugen. Laut Quellen ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bereit, das Dokument während der UN-Generalversammlung zu unterzeichnen, die diese Woche in New York stattfindet. Das endgültige Unterzeichnen des Abkommens kann jedoch später erfolgen – zu dem Zeitpunkt, an dem die amerikanische Seite vollständig zur Ratifizierung und Umsetzung bereit ist. Im vergangenen Jahr haben das US-Verteidigungsministerium und das ukrainische Verteidigungsministerium gemeinsam am Text des Dokuments gearbeitet, das es ermöglichen soll, die Erprobung und Produktion ukrainischer Verteidigungstechnologien direkt auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten zu erweitern.

Katalysator: Krieg mit Iran und Mangel an Abwehrmitteln

Die Notwendigkeit einer solchen strategischen Partnerschaft wurde vor dem Hintergrund des Konflikts mit dem Iran besonders deutlich. In den ersten Tagen der Kampfhandlungen begannen iranische Streitkräfte massive Angriffe mit Kampfdrohnen vom Typ „Schahed“ auf US-Militärobjekte im Nahen Osten. Die USA und die Golfstaaten verfügten zunächst nicht über ausreichend kosteneffiziente Mittel zum Abschlag solcher Geräte. Die Ukraine lieferte rasch Abfangdrohnen und ausgebildete Piloten, was den praktischen Wert der ukrainischen Erfahrung bei der Bekämpfung der Drohnenbedrohung unterstrich. Seither hat Kiew eine Reihe von Verteidigungsabkommen geschlossen, insbesondere mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Präsident Selenskyj erklärte zudem, dass die Ukraine in diesem Jahr 10 Millionen Drohnen produzieren wolle.

Details: Merops, Bumblebee und Wochen bis zur Einsatzbereitschaft

Laut CBS News rief im März desselben Jahres der damalige US-Arminister Dan Driscoll persönlich Eric Schmidt an – den ehemaligen Google-CEO, der das amerikanische Unternehmen Perennial Autonomy gegründet hat, das Drohnen herstellt und in der Ukraine tätig ist. Driscoll bat Schmidt, den US-Streitkräften 13.000 Abfangdrohnen Merops und 10.000 Aufklärungs- und Kampfdrohnen Bumblebee zu liefern. Laut Quellen der Zeitung wurden die Geräte innerhalb weniger Tage an die US-Streitkräfte versandt. Für ihre vollständige Einsatzbereitschaft waren jedoch Wochen nötig – Ursache waren Verzögerungen bei der Lieferung ukrainischer Komponenten. Merops verwendet Bauteile, die vom ukrainischen Unternehmen Sine Engineering hergestellt werden, sowie ukrainische Sprengköpfe. Darüber hinaus war für den Kampfeinsatz der Drohnen ukrainisches Fachwissen zur Integration der Geräte mit amerikanischen Luftabwehr-Radaren erforderlich.

Programm zur Drohnen-Hegemonie: 200.000 Geräte bis 2027

Gleichzeitig baut Washington seinen eigenen Drohnenbestand aus. Das amerikanische Programm zur Drohnen-Hegemonie hat sowohl amerikanische als auch einzelne ausländische Unternehmen – vor allem ukrainische – zur Teilnahme an einem Wettbewerb um Militärverträge eingeladen. Das Programm plant, bis 2027 mehr als 200.000 Drohnen zu beschaffen. Skyfall, einer der größten Drohnenhersteller der Ukraine, gewann Anfang des Jahres die erste Erprobung des Programms. Die zweite Erprobung übernahmen Perennial Autonomy und das amerikanische Unternehmen Neros, das ebenfalls in der Ukraine tätig ist. Laut Quellen wird das bevorstehende Abkommen zwischen der Ukraine und den USA nicht auf Verträge mit einzelnen Herstellern beschränkt sein: Das Dokument soll eine breitere institutionelle Grundlage für die direkte Zusammenarbeit ukrainischer Verteidigungsunternehmen mit amerikanischen Betrieben und Militärstrukturen schaffen.

Vorteil nicht nur bei der Hardware: Software, Operatoren und Kampfumfeld

Experten betonen, dass der ukrainische Vorteil nicht nur in der Serienproduktion von Drohnen liegt. Eine entscheidende Rolle spielen die Software, die Ausbildung der Operatoren und die Teams, die die Technologien ständig an die sich verändernden Bedingungen der Kampfhandlungen anpassen. Der Wert der Partnerschaft mit Washington wird nach Einschätzung von Analysten nicht nur von der Technologietransfer abhängen, sondern auch von der Möglichkeit, der amerikanischen Seite die ukrainische praktische Erfahrung im Einsatz von Drohnen zu vermitteln. Es geht um Koordination, operative Planung, Verständnis des Kampfumfelds und Kommunikation zwischen den Operatoren. Genau dieses Wissen sei laut Quellen der Schlüsselbestandteil der ukrainischen Erfahrung bei der Nutzung von Drohnen auf dem Schlachtfeld – und genau dieses lasse sich nicht ohne direkte Zusammenarbeit mit ukrainischen Spezialisten reproduzieren.

Kontext: Treffen Selenskyjs und Trumps im Rahmen der UN

Zur Erinnerung: Am 22. September, kurz vor der erwarteten Unterzeichnung, traf sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem US-Präsidenten Donald Trump im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York. Die Staatsführer besprachen unter anderem die Möglichkeit eines Energie- und Seewaffenstillstands zwischen der Ukraine und Russland. Vor dem Treffen erklärte Trump, der Krieg in der Ukraine werde „schneller enden, als die Menschen denken“. Selenskyj äußerte seinerseits die Hoffnung, den Konflikt mit Unterstützung der USA bis zum Winter beenden zu können. Während des Treffens ließ Trump auch neue Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu. Damit fügt sich die Unterzeichnung des Verteidigungsabkommens zum Schutz vor Drohnen in einen breiteren diplomatischen Kontext ein, in dem Washington gleichzeitig an der Beilegung des Konflikts und der Stärkung der Verteidigungsbeziehungen mit Kiew arbeitet.

Widersprüchliche Angaben

In den Quellen besteht Unsicherheit über die genauen Zeitpunkte der Unterzeichnung. Einerseits wird berichtet, dass Selenskyj bereit sei, das Dokument bereits während der aktuellen Sitzung der UN-Generalversammlung in New York zu unterzeichnen. Andererseits weisen die Quellen ausdrücklich darauf hin, dass die endgültige Abschluss des Abkommens „später erfolgen kann, wenn die amerikanische Seite dazu bereit ist“. Das bedeutet, dass selbst wenn die formelle Unterzeichnungszeremonie diese Woche stattfindet, die rechtliche Bindungswirkung des Dokuments und der Beginn der praktischen Umsetzung verschoben werden können. Darüber hinaus beruhen die Details zum Anruf von Driscoll bei Schmidt und zur Lieferung von 23.000 Drohnen auf Informationen von CBS News und anonymen Quellen; offizielle Bestätigungen seitens des Pentagons oder des ukrainischen Verteidigungsministeriums fehlen in den vorliegenden Materialien.