Das ukrainische Gesundheitsministerium hat zwei neue Standards für den rationalen Einsatz antimikrobieller Arzneimittel verabschiedet. Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf die Pressestelle des Ministeriums berichtet, umfassen die Dokumente nicht nur Antibiotika, sondern auch antivirale, antimykotische und antiparasitäre Arzneimittel. Laut dem Gesundheitsministerium wurden die Standards zur Umsetzung der nationalen Strategie zur Bekämpfung der Resistenz gegen antimikrobielle Arzneimittel bis 2030 entwickelt und legen einheitliche Ansätze für die Verordnung, Anpassung und Beendigung einer antimikrobiellen Therapie fest.

Zwei Standards: Primärversorgung und spezialisierte Versorgung

Die verabschiedeten Dokumente gliedern die Regeln für den Einsatz antimikrobieller Arzneimittel nach Versorgungsstufen — Primärversorgung und spezialisierte Versorgung. Für jede Stufe ist ein eigener Standard vorgesehen: Der erste regelt die Verordnung und den Beginn der Einnahme in der Primärversorgung, der zweite den Einsatz antimikrobieller Mittel in spezialisierten (stationären und ambulanten) Einrichtungen. Das Ministerium betont, dass die neuen Regeln die Notfallbehandlung nicht verzögern dürfen: Bei begründetem Verdacht auf einen septischen Schock muss die Antibiotikatherapie innerhalb der ersten Stunde begonnen werden, unmittelbar nach der Entnahme von Material für die bakteriologische Untersuchung.

Kampf gegen Resistenzen: Warum Einschränkungen nötig sind

Das zentrale Ziel der Standards ist die Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz (AMR), die entsteht, wenn Mikroorganismen nicht mehr auf die zur Bekämpfung vorgesehenen Arzneimittel ansprechen. Dadurch werden Infektionen schwerer zu behandeln, und das Risiko für Komplikationen und schwere Verläufe steigt. Deshalb darf ein antimikrobielles Arzneimittel künftig nur bei bestätigter oder begründet vermuteter bakterieller Infektion verordnet werden; eine Verordnung „auf Wunsch des Patienten“ ohne medizinische Indikation ist ausdrücklich verboten.

Schriftliche Begründung und WHO-Klassifikation AWaRe

Grundprinzip der eingeführten Änderungen ist, dass jede Verordnung in der medizinischen Dokumentation oder im elektronischen Gesundheitssystem festgehalten werden muss. Der Arzt muss Diagnose oder begründeten Verdacht auf eine Infektion, den Wirkstoffnamen, die Dosis, den Anwendungsweg, die Behandlungsdauer und das Datum der Überprüfung angeben. Für die Auswahl der Antibiotika wird laut Gesundheitsministerium die WHO-Klassifikation AWaRe verwendet, die Arzneimittel in drei Gruppen einteilt: „Access“ (Zugang), „Watch“ (Beobachtung) und „Reserve“ (Reserve). Dies soll helfen, die wirksamsten Mittel rational einzusetzen und für Fälle ohne Alternativen aufzubewahren.

Kontrolle der Wirksamkeit und Patientenrechte

Die Standards sehen eine obligatorische Bewertung der Wirksamkeit der Antibiotikatherapie 48–72 Stunden nach Beginn vor. Wenn die bakterielle Infektion nicht bestätigt wird oder eine andere Diagnose gestellt wird, muss die Antibiotikagabe beendet werden. Außerdem wurde das Prinzip eingeführt, den Patienten in verständlicher Sprache über Verordnung, Ziele und Dauer der Therapie zu informieren. Die Einhaltung der neuen Standards wird über ein System von Qualitätsindikatoren kontrolliert; für die spezialisierte Versorgung sind je nach Versorgungssetting separate Kennzahlen festgelegt.

Zur Erinnerung: Zuvor hatte das Gesundheitsministerium den Service zur Suche nach den günstigsten Arzneimitteln erweitert, den Zugang zu Medikamenten in kleinen Dörfern und Gemeinden in der Nähe der Frontlinie vereinfacht und den Verkauf einer Reihe von Arzneimitteln an ukrainischen Tankstellen erlaubt. Die neuen Standards der antimikrobiellen Therapie sind der nächste Schritt in der systematischen Arbeit an Qualität und Sicherheit der Arzneimittelversorgung.