Die Verteidigungskräfte der Ukraine haben mit Drohnen den Flugplatz „Taganrog-Zentral“ in der Region Rostow angegriffen und russische Mi-35- und Mi-8-Hubschrauber getroffen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf das Medium „Militarnyj“. Der Flugplatz liegt etwa 40 Kilometer von der Staatsgrenze zur Ukraine entfernt, was ihn für Angriffe durch Drohnen mittlerer und großer Reichweite angreifbar macht. Der Angriff war Teil einer breiteren Serie nächtlicher und täglicher Angriffe auf die rückwärtige Infrastruktur Russlands, die über mehrere Tage andauerte.
Details des Angriffs und Schadensbewertung anhand von Satellitenbildern
Analysten des Telegram-Kanals Absolutely Reliable, die Satellitenbilder des Flugplatzes nach dem Angriff analysierten, kamen zu dem Schluss, dass infolge des Angriffs ein Mi-8-Hubschrauber zerstört und ein Mi-35 beschädigt wurde. Die konkreten Umstände des Angriffs – der Typ der eingesetzten Drohnen, die Zeit des Angriffs und die Anzahl der eingesetzten Geräte – werden in offenen Quellen nicht offengelegt. Die Schadensbewertung basiert derzeit ausschließlich auf Daten eines analytischen Kanals, was einen gewissen Grad an Ungewissheit in das Gesamtbild der Schäden einbringt.
Strategische Bedeutung des Flugplatzes „Taganrog-Zentral“
Den Flugplatz nutzt die russische Armee aktiv: Auf seinem Gebiet befindet sich die 325. Flugzeugreparaturfabrik, die sich auf die Reparatur von Transportflugzeugen und Aggregaten für die Il-76 spezialisiert. Dies macht den Flugplatz nicht nur zu einem Standort für Hubschrauber, sondern zu einem Knotenpunkt der logistischen und reparaturtechnischen Infrastruktur, von dem die Einsatzbereitschaft der Transportfliegereinheiten abhängt. Das Treffen der Hubschrauber auf dem Boden und nicht in der Luft zeigt, dass der Angriff auf stationäre Ziele gerichtet war, was die Effektivität des Drohneneinsatzes im Vergleich zur Abfangung im Flug erheblich steigert.
Kontext: Serie von Angriffen auf das russische Hinterland
Der Angriff auf Taganrog war kein isoliertes Ereignis. Am Vortag, dem 6. September, griffen die ukrainischen Streitkräfte den Flugplatz „Rostow am Don“ an – genau die Region, in der sich Taganrog befindet. An demselben Tag wurden laut dem Unternehmen Fire Point die größten Anlagen zur Primärolierfassung des Rjasaner Ölkraftwerks getroffen, die mehr als 77 % der gesamten Kapazität des Werks ausmachen. Am selben Abend griffen die Verteidigungskräfte mit Hunderten von Drohnen 14 russische Regionen an, obwohl kein Angriff auf Moskau selbst durchgeführt wurde. Einen Tag zuvor trafen die ukrainischen Streitkräfte einen russischen MESH-Netz-Relaisknoten, eine Radarstation und ein System der elektronischen Kampfführung. Der Angriff auf Taganrog fügt sich somit in eine mehrwöchige, andauernde Kampagne zur Zerstörung der rückwärtigen Luftfahrt-, Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur ein.
Widersprüchliche Daten
Die Bewertung des konkreten Schadens an den Hubschraubern basiert auf der Analyse von Satellitenbildern eines Telegram-Kanals (Absolutely Reliable) und wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht durch offizielle Stellungnahmen des Kommandos der ukrainischen Streitkräfte oder des Generalstabs bestätigt. Außerdem erwähnt das Medium Focus.ua in seinem Beitrag über die Angriffe auf Rostow und Taganrog das Treffen von Hafen- und Eisenbahninfrastruktur, was entweder auf zusätzliche Ziele im Rahmen desselben Angriffs oder auf einen separaten Angriffsfall hindeuten könnte, der in der Meldung von „Militarnyj“ nicht erwähnt wird. Die Unterschiede in der Liste der getroffenen Objekte zwischen den Quellen erfordern eine zusätzliche Verifizierung.
Insgesamt zeigt der Angriff auf „Taganrog-Zentral“ eine Ausweitung der Geografie und Tiefe der ukrainischen Drohnenangriffe: von grenznahen Flugplätzen bis hin zu großen Ölkraftwerken und Telekommunikationsknotenpunkten in Dutzenden von Regionen. Für die russische Seite bedeutet dies die Notwendigkeit, Mittel der Luftverteidigung umzuverteilen und die Luftfahrttechnik zu verteilen, was wiederum die operative Effektivität der Luftfahrteinheiten mindert.