Ein kraftvoller Raketenstart vor dem nächtlichen Himmel – dieses Bild wurde von Denis Schtillerman, dem Chefkonstrukteur des ukrainischen Verteidigungsunternehmens Fire Point, veröffentlicht. Das Foto signalisiert, dass ukrainische Ingenieure kurz vor der Fertigstellung eigener ballistischer Systeme stehen, die die Taktik von Angriffen auf die tiefen Hinterlandbereiche des Gegners verändern könnten.
Zwei neue Raketen: FP-7 und FP-9
Bei Fire Point laufen seit mehreren Monaten die abschließenden Tests für zwei vielversprechende ballistische Raketen – die FP-7 und die FP-9. Beide Systeme sollen noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden. Laut den Entwicklern liegt der entscheidende Vorteil der neuen Raketen nicht nur in ihrer Effektivität, sondern auch in ihren Kosten – sie sind deutlich günstiger als ihre westlichen Pendants.
Die Rakete FP-7 wird als kostengünstige Alternative zur amerikanischen ATACMS positioniert. Ihre Reichweite beträgt bis zu 200 km, was hochpräzise Angriffe auf taktisch wichtige Ziele auf kurze Distanz ermöglicht. Denis Schtillerman betonte: „Das wird ein ATACMS-Äquivalent sein, möglicherweise sogar mit einer größeren Kampflast. Aber es wird mindestens doppelt so günstig sein.“
Die leistungsfähigere Variante, die FP-9, kann Ziele in einer Entfernung von 800 bis 850 km treffen und trägt eine 800 kg schwere Kampflast. Genau diese Rakete wird als Mittel für Angriffe auf strategische Objekte im tiefen Hinterland Russlands, einschließlich Objekte in der Nähe von Moskau, betrachtet.
Vorteile gegenüber der Luftabwehr
Bei Fire Point wird darauf hingewiesen, dass ballistische Raketen einen grundlegend anderen Vorteil gegenüber Drohnen und Marschflugkörpern haben – sie können Luftabwehrsysteme mit höherer Wahrscheinlichkeit durchdringen. Dies ist besonders relevant bei Angriffen auf gut geschützte Objekte wie Kommandozentralen, Waffenlager oder Energieknotenpunkte.
Entwicklungsgeschwindigkeit – Ergebnis fehlender Bürokratie
Einer der Hauptfaktoren für den Erfolg von Fire Point war das Fehlen bürokratischer Hürden. Während ähnliche Programme in Frankreich und Russland mehr als 15 Jahre dauerten, konnte das ukrainische Unternehmen seine Entwicklungen innerhalb weniger Jahre auf das Testniveau bringen. Laut Schtillerman könnten die Tests bereits diesen Sommer oder Anfang Herbst beginnen.
Mobilität und Tarnung
Die neuen Raketen werden von mobilen Startrampen gestartet, die als normale Lastwagen getarnt sind. Dies ermöglicht eine operative Aufstellung des Systems innerhalb von 15 Minuten und minimiert das Risiko der Entdeckung durch den Gegner. Eine solche Taktik ist unter den Bedingungen eines modernen Krieges, in dem Geschwindigkeit und Tarnung den Erfolg einer Operation bestimmen, besonders wichtig.
Von FP-5 zu FP-7: Die Evolution der Bewaffnung
Fire Point hat bereits Erfahrung in der Serienproduktion – der Marschflugkörper FP-5 „Flamingo“ wird erfolgreich an der Front eingesetzt und war die erste Serienrakete des Unternehmens. Die FP-7 wird der nächste Schritt in der Waffenlinie sein, während die FP-9 die Krone des aktuellen Entwicklungsprogramms für ballistische Systeme darstellt.
Projekt Freya und Abfangraketen
Parallel zur Entwicklung von Angriffsraketen beschleunigt das Unternehmen die Schaffung eines Flugabwehrsystems. Die ersten Abfangraketen sollen bereits bis Ende dieses Jahres hergestellt werden. Kürzlich führte Fire Point erfolgreich den ersten Test der Abfangrakete FP-7.X durch, die als Basisplattform für das Projekt Freya dienen wird. Während des Flugs erreicht sie Geschwindigkeiten von 1500 bis 2000 m/s, was sie zu einem effektiven Mittel zum Abfangen von Luftbedrohungen macht.
So schafft Fire Point nicht nur neue Waffenarten, sondern formt ein komplexes System, das offensive und defensive Fähigkeiten kombiniert. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, wird die Ukraine über ein eigenes Instrument für präzise Angriffe auf strategische Ziele verfügen – unabhängig von westlichen Lieferungen.