Der Botschafter der Ukraine in Ungarn, Fedor Schandor, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass der Fall der Entführung ukrainischer Geldtransporteure und ihrer Fracht auf ungarischem Gebiet zu 95 % aufgeklärt sei. Die verbleibenden 5 % betreffen die Bestrafung der Schuldigen. Nach seinen Angaben wird der Vorfall nach internationalen Normen als Terrorismus eingestuft – als ein Angriff sowohl auf den Finanzsektor als auch auf Menschen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (21. August 2026) wurden die Opfer, die Fahrzeuge und die finanziellen Vermögenswerte bereits zurückgegeben, und die Abschiebung der Geldtransporteure wurde aufgehoben.
Einstufung als Terrorismus und Rolle des russischen Geheimdienstes
Schandor betonte, dass den festgehaltenen Ukrainern Injektionen verschiedener Beruhigungsmittel verabreicht wurden, und dass hinter der gesamten Operation nach seiner Einschätzung der russische Geheimdienst steckt. Der Botschafter beschrieb das Ereignis als Angriff auf Menschen, Erniedrigung der Menschenwürde, Verursachung von körperlichem Schaden und Beschädigung von Fahrzeugen. Er gab zudem zu bedenken, dass im Laufe der Ermittlungen „fantastisch hochstehende Namen“ von Personen bekannt werden könnten, die persönliche Befehle erteilt haben, und merkte an, dass selbst einfache Offiziere diese nicht ausführen wollten.
Rückführung von Menschen, Technik und Vermögenswerten
Laut Angaben des Botschafters wurden auf der aktuellen Ebene alle sieben festgehaltenen Mitarbeiter, gepanzerte Bankfahrzeuge und die transportierten finanziellen Ersparnisse zurückgeführt. Darüber hinaus hat die ungarische Seite die Abschiebung der betroffenen ukrainischen Bankmitarbeiter aufgehoben, was ein praktisches Ergebnis des Drucks Kiews in dieser Angelegenheit darstellt.
Neue Phase: Ungarn beseitigt Reputationsschäden
Schandor stellte fest, dass der Fall in eine neue Phase übergegangen ist, in der die ungarische Seite „sogar aktiver als die ukrainische' handelt, um die Reputationsschäden zu beseitigen, die der eigenen Bankbranche zugefügt wurden. Der Botschafter erklärte, dass auf ungarischem Gebiet faktisch Piraterie verübt wurde, die der Staat nicht nur nicht kontrolliert, sondern sogar begünstigt hat, und warnte davor, dass Ähnliches mit ungarischen Fahrzeugen auf dem Gebiet der Slowakei oder Polens passieren könnte.
Widersprüchliche Daten
In den Versionen der Parteien und in den Formulierungen der Quellen selbst gibt es Unstimmigkeiten. Einerseits haben formell ungarische Sicherheitskräfte die Entführung durchgeführt und die Menschen sowie die Fracht auf das Gelände des Antiterrorzentrums Ungarns gebracht; andererseits weist der Botschafter der Ukraine direkt auf den russischen Geheimdienst als Organisator hin, was eine Diskrepanz hinsichtlich der Frage aufwirft, wer genau für den Befehl verantwortlich ist. Außerdem werden in den primären Materialien die Geldtransporteure als Mitarbeiter der „Sberbank“ bezeichnet, was Fragen zur Zugehörigkeit des Personals zur ukrainischen oder russischen Finanzstruktur aufwirft und eine zusätzliche Verifizierung erfordert. Schließlich ist die Einstufung des Ereignisses als „Terrorismus“ eine Position der ukrainischen Seite und wurde bisher nicht von einem ungarischen Gericht bestätigt.
Chronologie des Vorfalls
Der Skandal entbrannte am 5. März, als ungarische Sicherheitskräfte sieben Mitarbeiter und eine Bargeldfracht – 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und 9 kg Gold – entführten. Die gepanzerten Bankfahrzeuge waren von Österreich in die Ukraine unterwegs, woraufhin Geld und Technik auf das Gelände des Antiterrorzentrums Ungarns gebracht wurden. Die festgehaltenen Geldtransporteure berichteten später von grausamer Behandlung: Die Verhöre dauerten rund um die Uhr, und nach Medienberichten wurden gegen die Ukrainer „KGB-Methoden' und erzwungene Injektionen angewendet, die methodisch als Folter eingestuft werden könnten.