Die ukrainische Metallurgiebranche, die bereits aufgrund von Kampfhandlungen und logistischen Einschränkungen unter enormem Druck steht, ist mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Der Unternehmensverband «Ukrmetallurgprom» hat Premierminister Serhiy Koretskyi aufgefordert, die Entscheidung zur Erhöhung der Tarife für den Güterbahnschienenverkehr um 30 % aufzuheben.
Wie Medien unter Berufung auf die Anfrage der Branche berichten, sind sich die Metallurgen der Ansicht, dass unter den aktuellen Bedingungen, in denen die Seehäfen blockiert und die Exportrouten erschwert sind, ein starker Anstieg der Transportkosten für die Wettbewerbsfähigkeit ukrainischer Produkte fatal werden könnte.
Wirtschaftliche Berechnung der Branche
In «Ukrmetallurgprom» wird betont, dass der Schienengüterverkehr ein kritischer Glied in der Wertschöpfungskette ist. Nach Schätzungen des Verbandes müssen für die Herstellung einer Tonne Metallprodukte etwa drei Tonnen Rohstoffe – Eisenerz, Kohle, Koks, Feuerfestmaterialien und Flussmittel – transportiert werden.
Die Situation wird dadurch verschärft, dass die Kosten für den Schienentransport von Rohstoffen und Fertigprodukten im zweiten Halbjahr 2026 bereits mehr als verdoppelt wurden. Die Nutzung alternativer Routen über die Donauhäfen und die westlichen Grenzübergänge erhöht die Logistikkosten im Vergleich zu den traditionellen Routen über das Schwarze Meer um das 2- bis 3-fache.
Vertreter der Branche begründen ihre Position damit, dass zusätzliche Kosten zu einer Produktionsreduzierung, einer Verringerung der Deviseneinnahmen und folglich zu einer Senkung der Steuereinnahmen in den Haushalt führen werden, was sich negativ auf die nationale Sicherheit auswirken würde.
Widersprüchliche Daten
Die Frage der Erhöhung der Tarife für den Schienengüterverkehr in der Ukraine löst heftige Debatten zwischen dem Regulierer und der Wirtschaft aus. Einerseits besteht die Regierung und das Ministerium für Wiederaufbau auf der Notwendigkeit einer Tarifindexierung, um die Kosten der «Ukrzaliznyzja» zu decken und die Infrastruktur zu modernisieren.
Andererseits weisen unabhängige Experten und Vertreter der Industrie auf die katastrophalen Folgen dieses Schritts hin. Laut Prognose des Staatsunternehmens «Ukropromvneschekspertiza» würde eine Tariferhöhung zu einem Verlust von 96 Mrd. UAH am BIP pro Jahr führen, die Güterbasis der UZ um 27 Millionen Tonnen reduzieren, einen Verlust von 2,4 Mrd. USD an Exporteinnahmen und 36 Mrd. UAH an Staatseinnahmen nach sich ziehen.
So entsteht eine paradoxe Situation: Maßnahmen, die darauf abzielen, die finanzielle Lage des Eisenbahnmonopols zu verbessern, könnten zu einer Verringerung seiner eigenen Kundenbasis und einer Senkung der Steuerabgaben an die Staatskasse führen.
Position der «Ukrzaliznyzja» und Forderungen der Wirtschaft
In der Anfrage von «Ukrmetallurgprom» wird darauf hingewiesen, dass das Staatsunternehmen «Ukrzaliznyzja» Möglichkeiten hat, seine eigenen finanziellen Probleme zu lösen, ohne die Industrie zusätzlich zu belasten. Die Vertreter der Branche fordern die Regierung auf, die Tarife auf das Niveau zurückzuführen, das am 1. Januar 2026 galt.
Allerdings schlagen die Metallurgen keine vollständige Einfrierung der Tarife für immer vor. Ihrer Meinung nach sollte die Frage der Tarifüberprüfung erst nach der Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit der Hafeninfrastruktur geprüft werden. Im Falle der Entblockade der Seehäfen ist eine schrittweise Tariferhöhung im Rahmen von 8–14 % im Zeitraum 2026–2027 möglich.
Sicherheitsfaktor und Hafenblockade
Ein Schlüsselargument für die Aufhebung der Tariferhöhung ist die aktuelle Situation mit der Sicherheit der Schifffahrt. Wie bereits berichtet, haben gezielte Angriffe Russlands auf die Häfen des Großen Odessa die Schifffahrt faktisch zum Erliegen gebracht. Mehr als 60 % des ukrainischen Exports sind gefährdet.
Besondere Besorgnis erregt der Angriff am 19. Juli auf den Bagger Golden Leo unter der Flagge von Guinea-Bissau, bei dem 9 ausländische Seeleute und ein ukrainischer Lotsen ums Leben kamen und das Schiff sank. Unter diesen Bedingungen wird der Export über die Eisenbahn zum einzigen, aber extrem teuren Absatzkanal, und seine Verteuerung könnte den ukrainischen Stahl endgültig von den Weltmärkten verdrängen.