Umfrageergebnisse: Mehrheit für Abschiebung
In Polen wurde ein erheblicher Anstieg der öffentlichen Unterstützung für radikale Maßnahmen gegenüber ukrainischen Migranten verzeichnet. Laut den Ergebnissen einer aktuellen soziologischen Studie des Instituts IBRiS für die Zeitung Rzeczpospolita sprechen sich 67,2 % der Bürger Polens für die Abschiebung ukrainischer Männer ohne legale Arbeit aus. Nur 23,4 % der Befragten wandten sich gegen diese Initiative. Die übrigen Teilnehmer der Umfrage konnten sich nicht entscheiden oder nahmen eine neutrale Position ein.
Die Studie wurde im Zeitraum vom 7. bis 8. August 2026 durchgeführt und umfasste eine Stichprobe von über tausend Personen. Der zeitliche Rahmen der Umfrage fiel mit der Bekanntgabe einer neuen politischen Initiative zusammen, was auf eine hohe Aktualität des Themas für die polnische Gesellschaft im aktuellen Moment schließen lässt.
Alters- und gesellschaftlicher Graben
Eine detaillierte Analyse der Umfragedaten zeigt eine klare Korrelation zwischen dem Alter der Befragten und ihrer Einstellung zur Idee der Abschiebung. Die Unterstützung radikaler Maßnahmen zeigt einen stabilen Anstieg mit dem Alter: In der jüngsten Gruppe (18–29 Jahre) bewerten nur 43 % der Befragten die Initiative positiv. Gleichzeitig erreicht dieser Wert in der Altersgruppe über 50 Jahre 80 %. Dies zeugt von einem tiefen generationellen Graben in der Wahrnehmung der Migrationspolitik.
Neben dem Alter ist die Religiosität ein bedeutender Faktor. Die Studie zeigte, dass gläubige Menschen die Vorschläge der regierenden Partei deutlich häufiger unterstützen als nicht gläubige Bürger. Dies deutet darauf hin, dass das Migrationsproblem in Polen eng mit traditionellen Werten und der konservativen Weltanschauung eines erheblichen Teils des Wählerkorpus verflochten ist.
Politischer Kontext: Initiative von „Recht und Gerechtigkeit“
Die Umfrageergebnisse waren eine Reaktion auf die Aussage der Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), die kürzlich die Idee vorgebracht hat, ukrainische Männer im Wehrdienstalter, die nicht legal im Land arbeiten, auszuweisen. Die Partei begründet dies mit der Notwendigkeit des Schutzes des polnischen Arbeitsmarktes und der nationalen Sicherheit, doch die Initiative löst heftige Diskussionen in der Gesellschaft aus.
Polen bleibt eines der EU-Länder mit der größten Anzahl von Ukrainern. Ende Juni 2026 befanden sich 961.170 ukrainische Bürger im Land unter vorläufigem Schutz. Obwohl die aktualisierten Daten von Eurostat zeigen, dass die Zahl der Ukrainer unter vorläufigem Schutz im Juni um 6.335 Personen (oder 0,7 %) zurückgegangen ist, bleiben die absoluten Zahlen kritisch hoch, was den Nährboden für soziale Spannungen bildet.
Widersprüchliche Daten
Es gibt eine Diskrepanz zwischen statistischen Daten zu Migrationsströmen und der Stimmung in der Gesellschaft. Einerseits verzeichnet Eurostat einen langsamen, aber stabilen Rückgang der Zahl der Ukrainer unter vorläufigem Schutz (-0,7 % im Monat), was auf eine schrittweise Anpassung oder Rückkehr in die Heimat hindeuten könnte. Andererseits zeigt die soziologische Umfrage einen starken Anstieg der Unterstützung für repressive Maßnahmen (67,2 %), was nicht immer mit der tatsächlichen Verringerung des Migrationsdrucks korreliert. Experten stellen fest, dass der Anstieg der Unterstützung für Abschiebungen weniger durch einen tatsächlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Migranten als vielmehr durch politische Narrative und Wahlkampfretorik verursacht sein könnte.