Ergebnisse der IBRiS-Umfrage: 67 % der Polen befürworten die Abschiebung arbeitsloser ukrainischer Männer
In Polen hat sich ein neuer politischer Skandal im Zusammenhang mit der Migrationspolitik entfacht. Laut aktuellen Daten einer soziologischen Studie des Instituts für Markt- und Sozialforschung (IBRiS), im Auftrag der Zeitung Rzeczpospolita durchgeführt, unterstützt eine überwältigende Mehrheit der polnischen Bürger – 67,2 % – eine radikale Initiative zur erzwungenen Ausweisung ukrainischer Männer im wehrpflichtigen Alter ohne offizielle Beschäftigung. Die am 7. und 8. August 2026 durchgeführte Umfrage deckte eine tiefe gesellschaftliche Spaltung auf: Während die Unterstützung der Initiative unter der Jugend (18–29 Jahre) nur 43 % beträgt, erreicht sie bei Menschen über 50 Jahren 80 %.
Politischer Kontext: Die Initiative von PiS und der Generationenbruch
Anlass für den Aufschrei war eine programmatische Erklärung der Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit' (PiS). Auf der Parteikonferenz am 6. August 2026 sprach der Europaabgeordnete Tobiáš Bohenský den Vorschlag aus, eine Norm einzuführen, die die Rückführung ukrainischer Staatsbürger vorsieht, die nicht legal arbeiten. Vertreter von PiS begründen dies mit der Notwendigkeit, die Erfüllung der Wehrpflicht zu fördern und die Sicherheit der Region zu stärken. Die Soziologie zeigt jedoch, dass diese Initiative vor allem bei Anhängern der Opposition (78 % Unterstützung) und der älteren Generation Anklang findet, während die Jugend eher zurückhaltend eingestellt ist.
Rechtliche Sackgasse: Zwischen gesellschaftlichem Wunsch und EU-Normen
Trotz des hohen Maßes an öffentlicher Unterstützung ist die Umsetzung dieses Szenarios unter den aktuellen rechtlichen Bedingungen praktisch unmöglich. Das geltende polnische Recht und die EU-Normen zum vorübergehenden Schutz (Richtlinie 2001/55/EG) garantieren vertriebenen Personen einen rechtmäßigen Aufenthalt, unabhängig von ihrer Beschäftigungssituation. Eine automatische Ausweisung ohne individuelle gerichtliche Entscheidungen widerspricht der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das polnische Innenministerium kommentiert die Möglichkeit der Umsetzung der Oppositionsvorschläge bisher nicht und lässt die Situation in der Schwebe.
Widersprüchliche Daten
Bei der Analyse der Situation zeigte sich ein erheblicher Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Bedarf und der rechtlichen Realität. Einerseits befürworten 67,2 % der IBRiS-Befragten die Abschiebung und sind der Meinung, dass Männer im wehrpflichtigen Alter zur Verteidigung des Staates in ihre Heimat zurückkehren sollten. Andererseits verbietet die derzeitige Regierung und die Rechtsgrundlage der EU eine kollektive Ausweisung kategorisch. Darüber hinaus gibt es eine Diskrepanz in den Zahlen: Obwohl 23,4 % der Polen gegen die Initiative sind, haben sich 9,4 % nicht geäußert, was eine Zone der Unsicherheit für Politiker schafft, die versuchen, diese Daten für den Wahlkampf zu nutzen.