Die US-Marine (US Navy) hat im Rahmen des CHAOS-Programms zwei Verträge abgeschlossen, das auf die rasche Entwicklung kostengünstiger und skalierbarer Waffensysteme abzielt. Laut einer Veröffentlichung von DVIDS besteht die Kernaufgabe der Initiative darin, der US-Flotte und ihren Verbündeten erschwingliche Präzisionswaffen zur Zerstörung sowohl landbasierter als auch maritimer Ziele bereitzustellen. Schätzungen zufolge werden in das Projekt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Lenkflugkörper RAACM-ER von CoAspire sowie das Schiffsangriffssystem AGM-188A Rusty Dagger von Zone 5 Technologies einfließen.

CHAOS-Programm: Fokus auf Günstigkeit und Masse

Die Philosophie von CHAOS steht im direkten Gegensatz zum Ansatz „teuer, aber einzeln“. Statt kleiner Serien extrem leistungsfähiger Systeme liegt der Schwerpunkt auf der Serienproduktion relativ günstiger, aber wirksamer Munition, die im großen Maßstab eingesetzt werden kann. So lässt sich das chronische Problem des Mangels an Schiffsangriffswaffen beheben und allmählich veraltete Modelle verdrängen, deren hohe Kosten und begrenzte Reichweite sie angesichts moderner Luftverteidigungssysteme angreiflich machen.

Zwei Raketen, zwei Ansätze

Laut veröffentlichten Angaben verfügt der Lenkflugkörper RAACM-ER von CoAspire über eine Reichweite von mehr als 1800 km, was ihn in die Klasse der Langstreckenwaffen zur Bekämpfung entfernter Ziele an Land und auf See einordnet. Das System AGM-188A Rusty Dagger von Zone 5 wird hingegen als leichtes und relativ kompaktes Lösungsmittel positioniert: Sein Gewicht beträgt etwa 225 kg, seine operative Reichweite übersteigt 930 km. Diese Kombination ermöglicht es der Flotte, Langstreckenschläge mit massenhaften Starts günstigerer Munition zu kombinieren.

Vom Bodenstart zum Schiff- und Luftstart

Zunächst wird für das System eine bodengestützte Startplattform entwickelt, deren Serienproduktion bis 2028 erwartet wird. Perspektivisch wird die Architektur der Startmittel für die Installation auf Kriegsschiffen und bei Bedarf auch auf Flugzeugen angepasst. Integrationsprüfungen, insbesondere für die luftgestützte Variante, umfassen eine Reihe von Tests des Erzeugnisses im aufgehängten und getrennten Zustand: Überprüfung der Kompatibilität mit dem Trägersystem, der korrekten Lastverteilung und der Eignung für jeden konkreten Jägertyp.

„Rusty Dagger“ und der ukrainische Kontext

Getrennte Aufmerksamkeit verdient die Einsatz- und Testgeschichte von Rusty Dagger. Es ist angemessen daran zu erinnern: Die US-Luftwaffe (US Air Force) hatte diese kostengünstige Lenkflugkörper, die im Rahmen des ERAM-Programms für die Ukraine entwickelt wurde, bereits getestet, indem sie ihn von einem F-16-Jäger startete. Das System, das nun für die Flotte in Betracht gezogen wird, verfügt somit über nachgewiesene Erfahrung bei der Integration mit einem luftgestützten Trägersystem, was die Risiken und Zeiträume für die Anpassung an Schiff- und Luftplattformen im Rahmen von CHAOS verringert.

Widersprüchliche Daten

Der Grad der Bestätigung der Teilnahme jeder Rakete am CHAOS-Programm variiert. Der Vertrag für das Rusty-Dagger-System von Zone 5 ist in öffentlichen Quellen dokumentiert (darunter im Fachmedium Naval News), während die Einbeziehung des RAACM-ER von CoAspire in das Projekt in einer Reihe von Formulierungen als wahrscheinlich, aber nicht endgültig bestätigt beschrieben wird. Außerdem wird in den Ausgangsmaterialien von „zwei Verträgen“ gesprochen, während die öffentlich verifizierte Quelle den Vertrag explizit für Zone 5 festhält. Bis zu offiziellen Klarstellungen der US-Marine über den Inhalt beider Verträge und die genauen TTX des RAACM-ER sind einige Merkmale als vorläufig zu betrachten.