Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats, die zum Unabhängigkeitstag der Ukraine angesetzt war, wandte sich der stellvertretende ständige Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen, Dan Negrea, an Moskau und Kiew und forderte sie auf, Angriffe auf zivile Objekte zu stoppen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Übertragung der Sitzung. Der Diplomat betonte, dass Washington den Aufruf von Präsident Donald Trump zu einem sofortigen Waffenstillstand und zum Beginn aufrichtiger Verhandlungen über das Beenden des Krieges wiederhole und dabei darauf hinweise, dass die Zahl der Todesopfer nach jedem Angriff stetig steige.

Aufruf zum Stopp der Angriffe auf zivile Objekte

In seiner Rede erklärte Negrea: „Wir fordern beide Seiten auf, jegliche Angriffe zu stoppen, die zivilen Objekten Schaden zufügen oder deren Beschädigung bedrohen. Es ist sinnlos, weiterhin das Blut unschuldiger Zivilisten zu vergießen, wenn es keine militärische Lösung für diesen Krieg gibt.“ Damit wurde die Position Washingtons symmetrisch formuliert: Der Diplomat verteilte die Verantwortung für die Eskalation auf beide Seiten des Konflikts, ohne konkrete Vorfälle oder die Verursacher einzelner Angriffe zu nennen.

Bereitschaft Washingtons, eine konstruktive Rolle zu spielen

Der stellvertretende Vertreter fügte hinzu, dass Moskau und Kiew „an den Verhandlungstisch zurückkehren“ müssten, und versicherte, dass die USA bereit seien, jede konstruktive Rolle zu spielen, die den Verhandlungen dient und den Parteien hilft, ein Ergebnis zu erzielen. Zusammenfassend erklärte Negrea, dass die Vereinigten Staaten dem Ziel einer souveränen und prosperierenden Ukraine als Staat verpflichtet blieben. In der Übertragung wurde die US-Delegation an einem Podium mit der Aufschrift „UNITED STATES“ und einer US-Flagge am Revers gezeigt.

Drei Vorschläge Kiews und der „Korridor der Möglichkeiten“

Den Hintergrund der Rede bildeten jüngste Aussagen von Präsident Wolodymyr Selenskyj, wonach die Ukraine und ihre internationalen Partner drei zentrale Vorschläge zur Beendigung des Krieges ausgearbeitet hätten, die bereits mit der amerikanischen und der europäischen Seite abgestimmt seien. Zu den Punkten gehörten ein Waffenstillstand, die Einrichtung einer Freihandelszone sowie Sicherheitsgarantien durch die EU und die NATO. Selenskyj erklärte zudem, dass der diplomatische „Korridor der Möglichkeiten“ zur Beendigung des Krieges vom G20-Gipfel im Dezember bis zum Ende des Sommers 2027 andauern werde.

Position Moskaus

Erst vor Kurzem erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass Russland angeblich zu einem Dialog über den Frieden mit der Ukraine bereit sei. Gleichzeitig wiederholte er jedoch erneut seine Forderung, nur „auf der Grundlage der Realitäten auf dem Boden“ verhandeln zu wollen, was faktisch bedeutet, dass die Verhandlungsposition an die aktuelle tatsächliche Lage an der Front geknüpft ist.

Widersprüchliche Angaben

Die Aussagen der Seiten weichen bei den Bedingungen für eine friedliche Regelung erheblich voneinander ab. Washington formuliert einen neutralen Aufruf an beide Seiten, den Waffenstillstand zu beenden und Verhandlungen aufzunehmen, ohne den Prozess an konkrete territoriale Bedingungen zu knüpfen. Kiew schlägt ein konkretes Paket aus drei Punkten vor, einschließlich Garantien durch die EU und die NATO sowie einer Freihandelszone, und legt einen zeitlichen „Korridor“ bis zum Ende des Sommers 2027 fest. Moskau erklärt seinerseits seine Bereitschaft zum Dialog, jedoch unter der Bedingung, Verhandlungen „auf der Grundlage der Realitäten auf dem Boden“ zu führen, was dem ukrainischen Forderung nach Souveränitätsgarantien widerspricht. Somit existiert derzeit kein gemeinsamer, abgestimmter Verhandlungsrahmen, und die Positionen der Seiten zu den Schlüsselbedingungen bleiben in den öffentlichen Erklärungen unvereinbar.