Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat bestätigt, dass die vorgezogenen Parlamentswahlen im Land am 25. Oktober 2026 stattfinden werden. Die offizielle Entscheidung über die Auflösung der Narodna skupština (Nationalversammlung) und die Ansetzung der Abstimmung wird er am 9. September mittags unterzeichnen. Damit ist das politische Zukunftsbild Serbiens für die kommenden Monate festgelegt: Das Land bereitet sich vor dem Hintergrund monatelanger Proteste und innerpolitischer Umstrukturierungen auf einen neuen Wahlzyklus vor.

Details der Entscheidung: 9. September und 25. Oktober

Vučić erklärte gegenüber Journalisten, dass er am 9. September mittags das Dekret zur Auflösung der Narodna skupština sowie die Entscheidung über die Ansetzung der vorgezogenen Parlamentswahlen unterzeichnen werde. Die Abstimmung, so wurde bestätigt, findet am 25. Oktober 2026 statt. Zuvor hatte der Staatschef zwei mögliche Daten genannt – den 18. oder den 25. Oktober –, nun fiel die Wahl auf das zweite. Nach serbischem Wahlrecht müssen zwischen der Ausrufung der Wahlen und dem Wahltag 45 bis 60 Tage liegen; das gewählte Datum entspricht dieser Anforderung vollständig.

Kontext: monatelange Proteste nach der Katastrophe in Novi Sad

Die vorgezogenen Wahlen finden vor dem Hintergrund anhaltender politischer und gesellschaftlicher Proteste in Serbien statt. Massenproteste begannen nach dem Einsturz einer Dachkonstruktion auf dem Bahnhof in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Die Demonstranten fordern, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und gegen Korruption vorzugehen. Die Menschen sind überzeugt, dass die Katastrophe kein bloßer Unfall war, sondern das Ergebnis systemischer Korruption im Land. Die monatelangen Proteste wurden zu einem der entscheidenden Faktoren, die zur Entscheidung für eine vorgezogene Abstimmung beitrugen.

Vučić – Kandidat für das Premieramt: möglicher Neuanfang

Die regierende Serbische Fortschrittspartei hatte zuvor Vučić als Kandidaten für das Amt des Premierministers vorgeschlagen, falls seine politische Kraft die Wahlen gewinnt. Bereits im Juni 2026 erklärte er, dass er die Möglichkeit einer Kandidatur für dieses Amt in Betracht ziehe. Die bevorstehende Abstimmung könnte für ihn somit ein Neuanfang werden – nun auf dem Posten des Premierministers und nicht mehr des Präsidenten. Laut Svpressa hat Vučić „zum letzten Mal als Präsident des Landes vor den Serben gesprochen“, was den symbolischen Charakter seiner Abschiedsrede in der aktuellen Funktion unterstreicht.

Beerdigung Mladićs und die Reaktion der Region

Zur scharfen Reaktion auf die Beerdigung von Ratko Mladić mit militärischen Ehren erklärte Vučić, dass er „all das erwartet habe“. „Diese Beerdigung diente vielen in der Region als Vorwand, zu zeigen, wie sehr sie Serbien und wie sehr sie seine Erfolge hassen“, sagte er. Zuvor war berichtet worden, dass die EU scharf auf die Durchführung der Beerdigung des vom Haager Tribunal zu lebenslanger Haft verurteilten Kriegsverbrechers reagiert hatte.