Viele Menschen sehen sich mit einer paradoxen Situation konfrontiert: Sie halten sich an eine ausgewogene Ernährung und treiben regelmäßig Sport, doch der Gewichtsverlust verläuft nicht wie erwartet oder das Gewicht bleibt völlig stehen. Es stellt sich heraus, dass das Problem nicht nur im Kaloriendefizit liegen kann, sondern auch in tiefer liegenden physiologischen Prozessen.
Ausschließlich für das Projekt Wave RBC.UA hat die Endokrinologin, Therapeutin und Ärztin für klinische Diagnostik Jelena Domanska erklärt, auf welche Faktoren man achten sollte, um den Stoffwechsel zu regulieren und die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Qualität ist wichtiger als Quantität
Das moderne Verständnis von „gesunder Ernährung“ beschränkt sich oft auf das Zählen von Kalorien, das Befolgen modischer Trends oder die Einführung einzelner „Superfoods“ in den Speiseplan. Nach Ansicht der Expertin gibt es jedoch keinen universellen Ansatz, der garantiert für jeden funktioniert.
Die Ärztin betont, dass es von kritischer Bedeutung ist, nicht nur die Menge der verzehrten Nahrung zu bewerten, sondern auch ihre Qualität. Schlüsselparameter sind die Zusammensetzung der Lebensmittel, ihre Vielfalt und der Grad der Verarbeitung. Der Körper reagiert auf Nahrung nicht nur als Energiequelle, sondern als komplexes biochemisches Signal.
Die Rolle des Mikrobioms
Einer der wichtigsten „Dirigenten“ der Verdauung ist das Darmmikrobiom. Genau die Bakteriengemeinschaften im Darm sind am Abbau von Nahrung und der Aufnahme von Nährstoffen beteiligt. Eine Störung des Gleichgewichts der Mikroflora kann dazu führen, dass das Gewicht auch bei einem Kaloriendefizit nicht abnimmt.
Um die Gesundheit des Mikrobioms zu erhalten, empfiehlt Jelena Domanska die Aufnahme von natürlich fermentierten Lebensmitteln in den Speiseplan, wie zum Beispiel eingelegtem Gemüse. Im Gegensatz dazu kann ein übermäßiger Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel die Vielfalt der Mikroflora verringern, was sich negativ auf den Stoffwechsel auswirkt.
Versteckte Ursachen für Gewichtsstagnation
Wenn sich das Gewicht über einen längeren Zeitraum trotz Bemühungen nicht verändert, können die Ursachen außerhalb der Küche liegen. Auf das Körpergewicht und die Geschwindigkeit seiner Abnahme wirken sich folgende Faktoren aus:
- Hormoneller Hintergrund;
- Level der körperlichen Aktivität;
- Qualität und Dauer des Schlafes;
- Stresslevel;
- Begleiterkrankungen.
In solchen Fällen rät die Ärztin nicht nur, die Ernährungsgewohnheiten zu überdenken, sondern auch einen Spezialisten aufzusuchen. Dies hilft, individuelle Ursachen zu identifizieren und den richtigen Ansatz für die Gesundheit zu finden.
Gesunder Lebensstil ohne Fanatismus
Laut Jelena Domanska bedeutet ein gesunder Lebensstil keine strengen Einschränkungen, Hungerdiäten oder blindes Befolgen modischer Trends. Es bedeutet eine ausgewogene Ernährung, ausreichende körperliche Aktivität und vor allem eine aufmerksame Haltung gegenüber den Bedürfnissen des eigenen Körpers.