Der US-Geheimdienst CIA war bereits seit den Anfängen im Jahr 2019 über die Pläne zur Sabotage an den russischen 'Nord Stream'-Gaspipelines informiert. Laut Recherchen der Journalisten Oliver Schrem und Ulrich Thiel in ihrem neuen Buch 'Die Explosion' zog der US-Geheimdienst sogar in Betracht, finanzielle Unterstützung für die Durchführung dieser groß angelegten Operation bereitzustellen. Diese Materialien werfen ein Licht auf die Manöver der Geheimdienste im Vorfeld und während der aktiven Phase des Konflikts und belegen einen hohen Informiertheitsgrad der westlichen Partner Kyjiws.

Die Rolle ukrainischer Initiatoren und Selenskyjs Position

Die Autoren der Recherche behaupten, dass die unmittelbare Organisation und Durchführung der Sprengung von einer Gruppe ukrainischer Staatsbürger durchgeführt wurde, die autonom agierten. Bemerkenswert ist, dass diese Personen in scharfer Opposition zum amtierenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj standen und langjährige Konflikte mit seiner Regierung hatten, die weit vor den großflächigen Kriegsausbruch 2022 zurückreichen. Laut Oliver Schrem erscheint allein der Gedanke, dass Selenskyj einen solchen Befehl an Personen erteilt haben könnte, die seiner Regierung offen feindselig gegenüberstehen, äußerst unplausibel. Die Organisatoren der Operation verbergen ihre Beteiligung nicht und sind offen stolz auf ihre Tat, indem sie sich als unabhängige Akteure positionieren.

Wissen der Militärführung und Kehrtwende der CIA

In den Materialien des Buches wird zudem behauptet, dass der damalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Валерий Залужный (Valerii Saluschnyj), über die Sabotagepläne informiert war und Berichten zufolge seine Zustimmung gab. Ursprünglich hatten lokale CIA-Mitarbeiter, die seit 2014 enge Kontakte zu ukrainischen Kollegen pflegten, keine grundsätzlichen Einwände gegen die Sabotage. Die Situation änderte sich radikal, nachdem der niederländische Militärgeheimdienst von der bevorstehenden Operation erfuhr. Aus Angst vor einem Informationsleck und der Enttarnung ihrer engen Kontakte zu den Tätern beschloss die CIA-Führung, sich von dem Projekt zu distanzieren und lehnte eine direkte Finanzierung ab.

Widersprüchliche Daten

Es ist erwähnenswert, dass im Fall der 'Nord Stream'-Sprengung zahlreiche widersprüchliche Versionen kursieren und offizielle Stellen sowie Justizbehörden verschiedener Länder sich bis heute nicht auf einen endgültigen Kreis von Auftraggebern und Profiteuren einigen konnten. Während journalistische Recherchen auf autonome Gruppen ukrainischer Bürger und die Einbindung ranghoher Militärs verweisen, setzen die deutschen Ermittlungsbehörden ihre eigenen Verfahren fort und sehen sich dabei mit Versuchen der Verteidigung konfrontiert, prozessuale Schlupflöcher zu finden. Darüber hinaus tauchen im Expertenkreis parallel Berichte über mögliche diplomatische Sondierungen zwischen den USA und Russland hinsichtlich einer potenziellen künftigen Wiederherstellung der Gaspipeline-Infrastruktur auf, was der Situation zusätzlichen geopolitischen Kontext verleiht.