Die Geschichte von YARMICH – einer der bekanntesten ukrainischen Marken für klassische Herrenmode – beginnt weder mit einem Businessplan noch mit Investitionen, sondern in einer ganz normalen Studentenwohnung in Kiew. Jaroslaw Kuschmytsch, damals noch Student und Assistent des Marketingdirektors, sah sich einer einfachen Aufgabe gegenüber: eine Fotosession für seinen Vorgesetzten vorbereiten, ohne Zeit für die Suche nach einem passenden Anzug zu verlieren. Die Suche nach einem Vermietdienst für Herrenkleidung in der Hauptstadt führte zu dem Schluss, dass der Markt praktisch leer war – es gab nur eine Handvoll aktiver Anbieter. Genau diese Lücke wurde zum Ausgangspunkt eines Geschäfts, das heute neun Boutiquen zählt und ukrainische TV-Moderatoren, Künstler und Sportler kleidet.

Drei Anzüge auf dem Sofa und der erste Kunde

Die Startmechanik war denkbar einfach. Kuschmytsch wohnte mit zwei Freunden zusammen, von denen einer auszog und so ein freies Zimmer hinterließ. Der Gründer von YARMICH nahm zwei eigene Anzüge – einen schwarzen und einen blauen – sowie einen Anzug seines Freundes, legte sie auf das Sofa, fotografierte sie und stellte ein Inserat auf OLX zur Vermietung ein. Der erste Kunde kam am Abend: Beide hatten Termine, und das Treffen fand in lockerer Atmosphäre statt. „Wählen Sie und probieren Sie an. Wenn es passt, können Sie ihn nutzen“, schlug der angehende Unternehmer vor. Der Anzug saß, der Kunde zahlte, und so war der erste – sofort erfolgreiche – Umsatz getätigt. Laut Kuschmytsch lag der damalige Marktdurchschnittspreis für die Anzugsvermietung bei etwa 1.200 Hrywnja, weshalb er den Starttarif bewusst auf 800 Hrywnja festlegte, um ohne Wettbewerbsvorteile und im „Wohnungsformat“ das Vertrauen der ersten Kunden zu gewinnen.

Von der Vermietung zur eigenen Produktion

Ursprünglich hieß das Projekt YARMICH Rent und spezialisierte sich ausschließlich auf die Vermietung klassischer Outfits. Der Übergang zum Verkauf war eine logische Folge der Nachfrage: Kunden, die Anzüge anprobierten, begannen, sich für den Kauf zu interessieren. So entstand die zweite Sparte – YARMICH Store. Das Finanzmodell war in der Frühphase abgeschlossen: Die Einnahmen aus der Vermietung wurden in den Ankauf von Anzügen anderer Verkäufer auf OLX reinvestiert, die wiederum vermietet wurden. Die Tage vergingen mit Anproben und Maßnahmen, die Nächte mit der Suche und dem Einkauf neuer Ware. Der Wendepunkt war die Herstellung der ersten eigenen Kollektion: 100 Meter Stoff, 35 schwarze Anzüge und ein investierter Betrag von 100.000 Hrywnja. Die Kollektion wurde innerhalb von drei Monaten verkauft, und ein Teil der Anzüge arbeitete weiter im Vermietpool. Genau dann setzte das „Mund-zu-Mund-Werbung“-Prinzip ein, und außerhalb des engen Kreises wurde man auf die Marke aufmerksam.

Medienkunden und Arbeit mit Stars

Die ersten Kunden aus der Medienbranche waren die Teams des Projekts „Liga des Lachens“ – ein Format, das ein makelloses Auftreten vor der Kamera erfordert. Heute, so Kuschmytsch, sind YARMICH-Anzüge bei zahlreichen Medienpersönlichkeiten, TV-Moderatoren und Sportlern zu sehen. Im Interview mit Wave RBC.UA wollte der Gründer der Marke die vollständige Liste seiner Star-Kunden nicht offenlegen, betonte jedoch, dass unter den ersten Kunden aus der Wohnung bereits bekannte Persönlichkeiten waren, die genau für die Vermietung zu einem bestimmten Anlass gekommen waren. Neun aktive Boutiquen, die Zusammenarbeit mit öffentlichen Persönlichkeiten und die eigene Produktion machen YARMICH zu einem der auffälligen Akteure auf dem ukrainischen Markt für klassische Herrenmode.

Ambitionen: Konkurrenz mit Italien und der nächste Laden

Kuschmytsch erklärt offen, dass er bereit ist, mit italienischen Marken zu konkurrieren – sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf Preispolitik. Im Interview betont er, dass er den nächsten YARMICH-Store gerne in Italien eröffnen würde, was die Größenordnung der Ambitionen einer Marke unterstreicht, die mit drei Anzügen auf dem Sofa begann. Für ein Unternehmen, dessen Geschichte in ein Studienjahr des Studentenlebens passt, wirkt der Weg von einer OLX-Anzeige zu neun Verkaufsstellen und der Zusammenarbeit mit nationalen Medienstars wie ein seltenes Beispiel für organisches Wachstum ohne externes Kapital.