Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seinem Telegram-Kanal, die Ukraine werde jeden Kriegsverbrecher finden, der mit Raketen und Drohnen die Zivilbevölkerung angegriffen habe, und schon gar jene, die es auf das Leben von Kindern abgesehen hätten. Laut RBC-Ukraine deutete der Staatschef in dieser Aussage verschleiert darauf hin, dass es Kiew gelungen sei, einen russischen General „zu treffen“, der den Raketenangriff auf das Kinderkrankenhaus „Ochmatdet“ in Kiew am 8. Juli 2024 befohlen hatte.

Erklärung des Präsidenten und der Hinweis auf Saratow

„Wo auch immer sich die russischen Verbrecher verstecken, sie werden gefunden, und heute gibt es erneut einen Beweis dafür – einen Beweis auf dem Gebiet der Region Saratow“, sagte Selenskyj. Den Namen des Generals nannte der Präsident nicht direkt, doch die geografische Verortung auf die Oblast Saratow in Russland und der Kontext der Erklärung weisen eindeutig auf den jüngsten Angriff auf einen hochrangigen Militärangehörigen hin, den RBC-Ukraine zuvor beschrieben hatte.

Laut dem Medium feuerte in der Oblast Saratow ein Unbekannter auf einem Motorrad zweimal auf den russischen Generalmajor Nikolai Warchachowitsch. Der Offizier erlitt Verletzungen an Gesicht und Körper und wurde in schwerem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Selenskyj verknüpfte diesen Vorfall damit öffentlich mit der Verantwortung für den Angriff auf die kinderrechnerische Einrichtung.

Wer ist Nikolai Warchachowitsch

Laut dem Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hatte Generalmajor Nikolai Warchachowitsch den Befehl zum Angriff auf das Kinderkrankenhaus „Ochmatdet“ in Kiew erteilt und ist an weiteren Kriegsverbrechen beteiligt. Am 31. August 2026 teilte das SBU gemeinsam mit dem Büro des Generalstaatsanwalts Warchachowitsch in Abwesenheit den Verdacht auf Beteiligung am Raketenangriff auf die „Ochmatdet“ mit. So bilden die Abwesenheitsanklage und die anschließende Erklärung des Präsidenten eine chronologische Kette: zunächst die rechtliche Qualifikation der Tat, dann die öffentliche Feststellung der „Vergeltung“ auf russischem Gebiet.

Opfer des Angriffs auf die „Ochmatdet“

Offiziellen Angaben zufolge kamen infolge des Raketenangriffs auf das Kinderkrankenhaus zwei Menschen ums Leben – ein junger Arzt und der Großvater einer der kleinen Patientinnen. Zudem starb ein Junge, der zum Zeitpunkt des Angriffs in kritischem Zustand auf der Intensivstation lag; nach dem Beschuss wurde er in eines der Krankenhäuser Kiews verbracht, wo er verstarb. Diese Umstände machen den Fall zu einem der am meisten beachteten im Kontext der Angriffe auf zivile Infrastruktur und Kinder.

Widersprüchliche Angaben

In den öffentlichen Formulierungen besteht eine Unstimmigkeit bei der Zählung der Opfer: In einigen Abschnitten der offiziellen Position wird die Zahl „zwei Tote“ (Arzt und Großvater) genannt, in anderen wird der Tod des Jungen hinzugefügt, der auf der Intensivstation lag und erst nach der Verlegung starb. Die Gesamtzahl der Opfer kann also entweder als zwei unmittelbar durch den Angriff Getötete oder als drei unter Berücksichtigung des späteren Todes des Kindes gedeutet werden. Außerdem nannte Selenskyj den Namen des Generals nicht und gab kein genaues Datum des Angriffs in Saratow an, sondern beschränkte sich auf einen verschleierten „Beweis auf dem Gebiet der Region Saratow“, während die direkte Zuordnung des Vorfalls an Warchachowitsch auf Angaben des SBU und von RBC-Ukraine stützt, nicht auf eine direkte Erklärung des Präsidenten.

Bedeutung der Erklärung

Die Aussage Selenskyjs ist als öffentliche politische Rahmung um die Abwesenheitsanklage und den Vorfall in der Oblast Saratow zu betrachten: Kiew behauptet damit faktisch die Fähigkeit, die Verantwortlichen für Angriffe auf Zivilisten auch auf russischem Gebiet zu treffen. Rechtlich bleibt jedoch die in Abwesenheit am 31. August 2026 Warchachowitsch mitgeteilte Verdachtsanzeige das Entscheidende, während der Zusammenhang zwischen den Schüssen auf den General und seiner Rolle beim Angriff auf die „Ochmatdet“ auf Ebene der Sicherheitsdienste und Medien bestätigt wird, nicht durch ein direktes Eingeständnis des Präsidenten.