Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte in einem am 18. September 2026 veröffentlichten Interview scharfe Kritik an der politischen Position Chinas im Zusammenhang mit dem anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine. Seinen Worten zufolge nimmt Peking keine neutrale Position ein, sondern stehe vielmehr „ein wenig mehr auf der Seite Russlands“. Selenskyj betonte, dass es hier nicht so sehr um Waffenlieferungen gehe, sondern um politischen Willen: „Es ist bedauerlich, dass China in diesem Krieg nicht auf unserer Seite steht, politisch, selbst wenn es nicht um Waffen geht. Es geht um politischen Willen, und das ist bedauerlich, denn starke Führungspersönlichkeiten, darunter auch China, könnten diesen Krieg beginnen und sofort beenden.“
Politischer Druck auf Peking: Was Kiew von China erwartet
Der ukrainische Präsident wies darauf hin, dass China über ausreichend Einfluss verfügt, um eine aktivere Rolle bei der Beendigung der Kampfhandlungen zu spielen. Selenskyjs Bewertung zufolge beraube die fehlende politische Unterstützung Pekings Kiew eines wichtigen Druckmittels gegenüber Moskau. Zugeständnisse machte er jedoch darin, dass er den Einsatz chinesischer Raketen im Verlauf des Konflikts nicht beobachtet habe; er verwies jedoch auf das Vorhandensein chinesischer Komponenten in Raketen und unbemannten Luftfahrzeugen, die an der Front eingesetzt würden. Dieser Aspekt bestätige seiner Ansicht nach zusätzlich, dass die formelle Neutralität der Volksrepublik China der realen Situation nicht entspreche.
Der nordkoreanische Faktor: Risiken für Ostasien
Einen eigenen Block seiner Erklärung widmete Selenskyj der militärischen Zusammenarbeit Russlands und Nordkoreas. Der ukrainische Präsident erklärte, dass Pjöngjang Zehntausende von Soldaten in das Kampfgebiet entsandt habe. Laut seinen Angaben habe Russland den nordkoreanischen Streitkräften de facto ermöglicht, Kampferfahrung „ohne große Verluste“ zu sammeln, was langfristige Risiken für die Sicherheit der gesamten Region Ostasien schaffe. „Das ist ein großes Problem, denn für Nordkorea hat der Einsatz von Menschen keine großen Kosten verursacht, und sie beginnen, moderne Methoden der Kriegsführung zu erlernen, die sie bereits heute anwenden könnten“, betonte Selenskyj. Laut dem Medium Gazeta.ua verhandle der Kreml, so der ukrainische Präsident, über die Hinzuziehung von weiteren 30.000 Soldaten aus Nordkorea, was das Kräfteverhältnis auf bestimmten Abschnitten der Front erheblich verändern könnte.
Verteidigungszusammenarbeit mit Japan und Verhandlungen mit den USA
Auf dem Hintergrund der Kritik an China äußerte Selenskyj sein Interesse an einer Vertiefung der Verteidigungszusammenarbeit mit Japan. Insbesondere gehe es um gemeinsame Arbeit in den Bereichen Cybersicherheit und Drohnen Technologien – Richtungen, die Kiew als prioritär für die Modernisierung der eigenen Streitkräfte ansieht. Darüber hinaus informierte der ukrainische Präsident, dass Kiew Verhandlungen mit Vertretern der USA vorbereite, die seiner Einschätzung nach die Position der Ukraine im Konfrontationsverhältnis zu Russland stärken sollen. Diese Schritte belegen den Versuch Kiews, die Verteidigungs- und diplomatischen Beziehungen zu diversifizieren, vor dem Hintergrund, wie er die Passivität Pekings charakterisiert.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen Selenskyjs und in den Veröffentlichungen ukrainischer Medien bestehen gewisse Abweichungen in den quantitativen Einschätzungen. Im Interview bediente sich der ukrainische Präsident der Formulierung „Zehntausende“ nordkoreanischer Soldaten, die sich bereits im Kampfgebiet befinden. Das Medium Gazeta.ua, das sich auf dieselben Worte Selenskyjs beruft, konkretisiert, dass es um die Vorbereitung der Hinzuziehung von weiteren 30.000 Soldaten aus Nordkorea gehe. Die genaue Gesamtzahl der im Konflikt eingesetzten nordkoreanischen Kämpfer wird in öffentlichen Erklärungen nicht offengelegt. Zudem ist die Einschätzung, dass Russland Nordkorea Kampferfahrung „ohne große Verluste“ habe sammeln lassen, eine subjektive Charakterisierung des ukrainischen Präsidenten und wird weder von unabhängigen internationalen Beobachtern noch von Daten der Vereinten Nationen bestätigt. Auch die Frage nach dem Vorhandensein chinesischer Komponenten in den Waffen bleibt Gegenstand der Debatte: Selenskyj verweist auf deren Anwesenheit, liefert jedoch keine konkreten Beispiele oder Seriennummern, was die Verifizierung dieser Aussage erschwert.