Das Saporischschja-Kernkraftwerk (ZNPP), das größte in Europa, ist heute weniger ein Energieobjekt als vielmehr eine mächtige militärische Vorposten. Laut Angaben des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums nutzen russische Besatzer das Gelände der Anlage systematisch zur Stationierung von Militärfahrzeugen, Waffenlagern und Kontrollpunkten für Kampfdrohnen.

Energieblöcke verwandelt in Kasernen und Lager

Trotzdem sich alle sechs Kernreaktoren im Zustand des „kalten Stillstands“ befinden, werden die Maschinenhallen der Energieblöcke 1, 2, 5 und 6 aktiv von der russischen Armee genutzt. In Kellerräumen und Bunkern wurden Munitionslager eingerichtet. Fahrzeuge und Patronen werden unter Brücken und technischen Übergängen versteckt, und auf den Dächern der Reaktorbereiche sind Maschinengewehrnester und Raketenkomplexe installiert.

Besondere Besorgnis erregt die Tätigkeit auf dem Gelände der Anlage im Zusammenhang mit der unbemannten Luftfahrt. Die Besatzer haben Kontrollpunkte für Kampfdrohnen der Typen „Gerbera-Siker“ und „Geran-Siker“ eingerichtet. Für die Steuerung dieser Systeme werden Mitarbeiter der russischen Sonderwirtschaftszone „Alabuga“ herangezogen, unter denen es laut Geheimdienstinformationen auch minderjährige Studenten gibt.

Blockade der IAEA-Kontrolle und Minierung des Geländes

Internationale Experten haben keinen freien Zugang zu den Energieblöcken. Die Russen lassen IAEA-Spezialisten nur nach vorab abgestimmten Plänen und Routen zu, was eine objektive Bewertung der tatsächlichen Situation am Objekt unmöglich macht. Darüber hinaus haben die Besatzer einzelne technische Räume an der Küstenlinie des ehemaligen Kachowka-Stausees mit Minen bestückt.

Die Bewachung des Objekts übernimmt ein Kontingent der russischen Nationalgarde mit einer Stärke von etwa 1.500 Mann, wodurch das Kernkraftwerk zu einer echten Festung wird.

Kritischer Zustand der Sicherheitssysteme

Die Situation mit der Stromversorgung und Kühlung an der Anlage bleibt kritisch. Aufgrund der russischen Aggression funktioniert von den 10 externen Stromversorgungsleitungen, die vor der Besetzung in Betrieb waren, nur noch eine. Dies führte dazu, dass am 3. Juli 2026 das 21. Stromausfallereignis (Blackout) seit Beginn der Invasion auf der Anlage stattfand.

Auch der Wasserhaushalt ist gestört. Im Juli 2026 sank der Wasserstand im Kühlteich auf 12,86 Meter, während mindestens 15 Meter erforderlich sind. Von den 57 Brunnen, die für das Kühlsystem notwendig sind, sind nur 11 mit leistungsstarken Pumpen ausgestattet. Der Wassermangel wird durch die Nachspeisung aus dem Ableitkanal des Saporischschja-Wärmekraftwerks kompensiert, was Risiken für den Betrieb der Kühlsysteme der Reaktoren und des Lagertanks für abgebrannte Kernbrennstoffe schafft.

Persönalkollaps und Zwang für das Personal

An der Anlage herrscht ein akuter Mangel an qualifiziertem Personal. Während vor dem Krieg etwa 11.000 Personen am Objekt arbeiteten, sind es jetzt nur noch etwa 7.500. In diese Zahl sind 500 Mitarbeiter einer Outsourcing-Firma eingeschlossen, die keine Lizenz für Arbeiten an einem nuklearen Objekt besitzt.

Ukrainische Spezialisten werden unter Androhung der Kündigung gezwungen, Verträge mit „Rosatom“ zu unterschreiben. Gleichzeitig verfügt das aus Russland eingeführte Personal nicht über die notwendige Qualifikation für die Wartung der ukrainischen Anlage aufgrund erheblicher technischer Unterschiede der Ausrüstung.

Kürzlich wurde an der ZNPP die Reparatur einer wichtigen Hochspannungsleitung und anderer Infrastrukturobjekte abgeschlossen, jedoch konnte der Betrieb aufgrund der Beschädigung des Umspannwerks noch nicht wieder aufgenommen werden.