Das ukrainische Unternehmen 3DTech, das auf die Herstellung von Drohnen mit Glasfaseranbindung spezialisiert ist, hat ein System zur Steuerung von Drohnengruppen namens Hydra vorgestellt. Dies erklärten der Geschäftsführer des Unternehmens Alexei Schulinzki und der Leiter der R&D-Sparte Ilya Filimonow in einem Interview mit RBC-Ukraine. Die Vorstellung des neuen Systems fiel mit der Diskussion über eine der drängendsten Fragen der Verteidigungsbranche zusammen – den Wechsel zu Waffenkäufen nach taktisch-technischen Merkmalen (TTM), der diesen Sommer zum Hauptspannungsfeld zwischen dem Verteidigungsministerium und den Herstellern von Waffensystemen wurde.
Wechsel zu Käufen nach TTM: von der Blockade zur teilweisen Entblockung
Gemäß den Bedingungen des EU-Reparaturkredits für Waffensysteme dürfen die Mittel ausschließlich über Ausschreibungen ausgegeben werden, und die TTM für diese Ausschreibungen sollten von speziell eingerichteten Kompetenzzentren erstellt werden – einer gemeinsamen Struktur des Verteidigungsministeriums und des Generalstabs. Laut Branchendaten gelang es diesen Zentren in den ersten sechs Monaten ihrer Arbeit jedoch, nur vier TTM für vier Arten von Mitteln vorzubereiten. Die Hersteller warnten offen vor dem Risiko, dass die Lieferungen bis zum Winter scheitern könnten. Im August wurde die Situation teilweise entschärft: Nach einem Treffen des Verteidigungsministeriums mit den Herstellern stimmte das Ministerium der überwiegenden Mehrheit der Merkmale zu und übergab sie der Agentur für Verteidigungseinkäufe. Eine vollständige Synchronisation zwischen Generalstab und Verteidigungsministerium konnte auf dieser Ebene jedoch nicht erreicht werden.
Position von 3DTech: Der Wettbewerb darf nicht auf den niedrigsten Preis reduziert werden
Alexei Schulinzki erklärte, dass das Prinzip des Kaufs nach TTM für das Unternehmen grundsätzlich richtig sei: Die Hersteller müssten bei Preis, Merkmalen und Qualität konkurrieren, und der Staat müsse Produkte erhalten, die tatsächlich den Bedürfnissen der Verteidigungskräfte entsprechen. Die Aktualisierung der taktisch-technischen Merkmale sei an sich kein Problem – 3DTech verbessere die Drohnen kontinuierlich auf Basis der Fronterfahrung und passe die Produktion an neue Aufgaben an. Entscheidend bleibe jedoch die Frage, wie genau die Übereinstimmung mit den angegebenen Merkmalen bewertet werde. „Der Wettbewerb darf nicht nur auf den niedrigsten Preis reduziert werden, denn die Stabilität der Merkmale der Serienproduktion hängt von der Qualität der Komponenten, der Produktion und der Tests ab“, betonte der CEO von 3DTech. Er fügte hinzu, dass für die Skalierung der Produktion klare Regeln, genügend Vorbereitungszeit und ein Verständnis der Auftragsperspektive erforderlich seien, insbesondere wenn es um die Modifikation eines bestehenden Produkts an neue Anforderungen gehe.
Winterliche Herausforderungen: Energie, Finanzierung und Team-Erschöpfung
Im Hinblick auf die Winterherausforderungen hob Schulinzki das Risiko hervor, dass sich mehrere Probleme gleichzeitig verstärken könnten. Erstens – Energie und Sicherheit: Das Unternehmen müsse auf Stromausfälle, zusätzliche Heizkosten und schwierigere Arbeitsbedingungen vorbereitet sein; die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens hänge dabei nicht nur von ihm selbst, sondern auch von der Stabilität der Lieferanten und der Logistik ab. Das zweite Problem – die Finanzierung im Übergang zwischen Haushaltsjahren: Für die Hersteller sei es wichtig, rechtzeitig zu wissen, welche Aufträge zu Beginn des nächsten Jahres anstünden, da die Produktion nicht für mehrere Monate stillgelegt werden könne – es müssten Gehälter gezahlt, Kapazitäten aufrechterhalten und Komponenten beschafft werden. „Die langjährige Arbeit unter Kriegsbedingungen, die bereits 12 Jahre andauert, erschöpft das Team, und im Winter kommen noch alltägliche Schwierigkeiten hinzu. Deshalb denken wir bereits jetzt priorisiert darüber nach, wie wir dem Team ermöglichen können, unter verschiedenen Szenarien der Lageentwicklung stabil zu arbeiten“, erklärte Schulinzki. Er hob gesondert die Bereitschaft der Produkte für Winterbedingungen hervor, die seiner Ansicht nach rechtzeitig geprüft werden müsse – in den Produktanforderungen, den Tests, der Qualitätskontrolle und dem Feedback mit den Militärs.
Vier systemische Herausforderungen der Branche
Schulinzki formulierte vier zentrale Herausforderungen für die Verteidigungsbranche: Sicherheit, Personal, Vorhersehbarkeit der Aufträge und Abhängigkeit von importierten Komponenten. Die Produktionssicherheit beginne mit dem Schutz der Menschen, so Schulinzki: Bunker, energetische Resilienz und die Möglichkeit, den Betrieb nach einer Notlage wiederherzustellen, erforderten erhebliche Investitionen und eine systematische Zusammenarbeit von Wirtschaft und Staat. Die zweite Herausforderung – der Fachkräftemangel: Die Branche spüre bereits einen Mangel an Ingenieuren, Technologen und Produktionsarbeitern, sowohl an erfahrenen als auch an einsteigenden Spezialisten. Die dritte Herausforderung – die Vorhersehbarkeit der Aufträge, die direkt auf Planung und Investitionen in Kapazitäten einwirke. Die vierte – die Abhängigkeit von importierten Komponenten, die unter dem Druck von Sanktionen und logistischen Einschränkungen zusätzliche Risiken für die kontinuierliche Produktion schaffe.
Widersprüchliche Angaben
In den vorliegenden Quellen fehlt ein direkter Widerspruch zwischen den Aussagen der Parteien. Allerdings wird ein erheblicher Unterschied in der Bewertung der Bereitschaft des TTM-Systems festgestellt: Einerseits erklärte das Verteidigungsministerium im August, die „überwiegende Mehrheit“ der Merkmale abgestimmt zu haben, andererseits hatte die Branche zuvor vor dem Risiko eines Lieferausfalls gewarnt, und Vertreter von 3DTech betonen, dass eine vollständige Synchronisation zwischen Generalstab und Ministerium nicht erreicht wurde. Dies deutet darauf hin, dass die formale Abstimmung der Merkmale nicht mit ihrer praktischen Anwendbarkeit in Ausschreibungsverfahren gleichzusetzen ist, und die Frage bleibt in den kommenden Monaten der Beobachtung vorbehalten.