Unter den Bedingungen eines sich hinziehenden Konflikts, bei dem der Verlust von Personal zum entscheidenden Faktor für die Nachhaltigkeit einer Armee wird, übertragen ukrainische Militärs zunehmend routinemäßige und die gefährlichsten Aufgaben auf Maschinen. Dies erklärte Major Ihor Bohdan, Leiter des Innovations- und Technologiezentrums des 7. Schnellreaktionskorps der DShV, in einer neuen Kolumne für LB.ua. Nach seinen Worten hat das Korps ein klares Modell des technologischen Krieges aufgebaut, in dem der Mensch maximal aus der Zone des direkten Risiks herausgenommen und der Kampfvorgang auf einen geschlossenen Zyklus gestützt wird: Sensor – Information – Entscheidung – Zerstörung – Analyse – Modernisierung. Genau diese Logik, so Bohdan, bestimmt die tägliche Arbeit der Einheiten des Korps an der Front.
Fünf Prinzipien, auf denen der „technologische Krieg“ ruht
Bohdan nennt fünf Grundprinzipien, auf denen die Kampfarbeit des 7. Korps der DShV aufbaut: die Massenverwendung technischer Mittel, die Dezentralisierung der Führung, die Integration heterogener Plattformen in ein einheitliches System, die ständige Anpassung an die Taktik des Gegners und – was grundsätzlich wichtig ist – die maximale Herausnahme des Menschen aus der Risikozone. „Jede Aufgabe, die man einer Maschine, einem Sensor, einem UAV oder einem bodengebundenen roboterisierten Komplex übertragen kann, sollten wir versuchen, einer Maschine zu übertragen. Technologie ist in erster Weise ein Mittel, um den Soldaten zu erhalten“, betonte der Major. Dieser Ansatz verwandelt den technologischen Vorsprung aus einem abstrakten Indikator in ein konkretes Instrument zur Senkung der Verluste.
Von StabX bis „Jadro“: Das Arsenal der Projekte des Innovationszentrums
Gegenwärtig arbeitet das Innovations- und Technologiezentrum des 7. Korps an einer Reihe von Projekten, von denen jedes eine konkrete Schwachstelle des Kampfvorgangs abdeckt. Darunter sind die Systeme der visuellen Positionierung StabX und Cyclops, die es Drohnen ermöglichen, in einer komplexen Navigationsumgebung zu arbeiten, in der das GPS-Signal unterdrückt oder verzerrt sein kann. Das System Dron Cell zielt darauf ab, die Flugzeit und Reichweite von FPV-Drohnen zu erhöhen, was für die Zerstörung von Zielen auf entfernten Linien von entscheidender Bedeutung ist. Besonders hervorgehoben werden die Kommunikationsprojekte: das LTE-Netz „Jadro“ und das Mesh-Netzwerk, die verschiedene Plattformen in eine einheitliche Informationsumgebung integrieren, sowie das Forschungsprojekt Ubrain. Im Grunde geht es um die Schaffung eines „digitalen Gerüsts“, innerhalb dessen jedes Element – von der Drohne bis zum Radar – Daten erhält und diese weiterleitet, ohne Geschwindigkeit und Genauigkeit zu verlieren.
„Kwadro“: der bodengebundene Roboter, der auf dem Foto zu sehen ist
Zu den anschaulichsten Entwicklungen zählte Bohdan den bodengebundenen roboterisierten Komplex „Kwadro“. Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist eine vierrädrige Plattform in Olivgrün zu sehen, auf der eine Waffe – ein Maschinengewehr oder ein leichtes Geschütz – unter einem gepanzerten Schutzgehäuse montiert ist. Nach Angaben des Militärs ist „Kwadro“ eine „gewöhnliche Plattform, die wir in eine ferngesteuerte umwandeln und schrittweise in das allgemeine Kommunikationssystem integrieren“. Auf den Fotos sind auch Soldaten des Korps in Tarnuniform mit den Schulterabzeichen der AFU zu sehen, bewaffnet mit Gewehren und mit taktischen Helmen mit Navigationsmodulen ausgestattet. Sie begleiten die roboterisierten Komplexe im Feld und demonstrieren ein hybrides Modell, in dem Mensch und Maschine als eine einzige Kampfeinheit agieren.
Der Hauptvorteil – nicht das Material, sondern die Geschwindigkeit der Iterationen
Gleichzeitig, wie Bohdan betont, besteht der wichtigste technologische Vorteil des 7. Korps nicht in einer einzelnen Drohne, einem Radar oder einem Roboter, sondern in der Fähigkeit, schneller als der Gegner Lösungen zu finden, sie unter Kampfbedingungen zu erproben, zu modernisieren und zu skalieren. „Unser Ziel ist einfach: mit Technologie kämpfen, um Menschen so weit wie möglich zu erhalten“, fasste der Leiter des Innovationszentrums zusammen. Diese Formulierung spiegelt einen Paradigmenwechsel wider: Die Effektivität wird nicht an der Menge der Technik im Lager gemessen, sondern an der Geschwindigkeit des Zyklus „entdeckt – entschieden – zerstört – analysiert – verbessert“. Im Kontext der Aussagen des stellvertretenden Parlamentsprechers Konstantin Kondratjuk, dass das 7. Korps der DShV „so aussieht, wie eine moderne Armee der Ukraine aussehen sollte“, erhält der Ansatz des Korps nicht nur taktische, sondern auch strategische Bedeutung als Orientierung für die gesamte AFU.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Quellen wurden keine wesentlichen Abweichungen in Fakten und Zahlen festgestellt. Die Kolumne Bohdans für LB.ua (veröffentlicht am 2. September 2026) und der Bericht von RBC-Ukraine (Verweis auf denselben Artikel) enthalten identische Inhalte. Der einzige Vorbehalt: In der Kolumne wird „Kwadro“ als „gewöhnliche Plattform“ beschrieben, was beim Leser den Eindruck eines Serienprodukts erwecken könnte, während auf den Aufnahmen zu sehen ist, dass der Komplex in der Phase der Weiterentwicklung und Integration in das allgemeine Kommunikationssystem befindet. Somit geht die öffentliche Präsentation etwas der tatsächlichen Bereitschaft der Plattform für den Serienbetrieb voraus, obwohl die Tatsache ihres Kampfeinsatzes bestätigt wird.