Die russische Marine bereitet sich darauf vor, eines der größten Kampfschiffe der Flotte in ihre Reihen aufzunehmen – den atomar angetriebenen Raketenkreuzer „Admiral Nakhimow“ (Rufnummer 080). Laut Angaben der Zeitung „Nowye Iswestija“, auf die sich RBC-Ukraine bezieht, soll das Schiff nach Abschluss einer Reihe von Seetests bis Ende 2026 in die Flotte eingegliedert werden. Auf Aufnahmen, die während der Probefahrten gemacht wurden, wird der Kreuzer von einem Schlepper begleitet, und auf dem Deck sind Besatzungsmitglieder in Rettungswesten zu sehen – ein typisches Bild der abschließenden Phase der Werft- und Staatstests. Die Rückkehr des Schiffes, das seit Ende der 1990er Jahre in der Werft der Baltischen Werft lag, wird zu einem der auffälligsten Ereignisse im russischen Marinebau des letzten Jahrzehnts.

Neue Bewaffnung: vom „Granit“ zum „Zirkon“

Das zentrale Element der Modernisierung war der vollständige Austausch des Raketenkomplexes. Ursprünglich führten die Kreuzer des Projekts 1144 zwanzig Schiffsangriffsraketen P-700 „Granit“, die aus schrägen Startanlagen abgefeuert wurden. Im Zuge der Umrüstung erhielt der „Admiral Nakhimow“ vertikale Startanlagen, die mit der Familie der Marschflugkörper „Kalibr“, den Überschallraketen „Oniks“ und – laut russischen Quellen – den Hyperschallraketen „Zirkon“ kompatibel sind. Insgesamt sind auf dem Schiff 176 Zellen für den vertikalen Start vorgesehen: 80 für Schlagsraketen und 96 für Flugabwehrraketen des Flugabwehrraketensystems S-400. Damit vereint der Kreuzer nach der Modernisierung faktisch die Funktionen eines Trägers von langreichweitiger Schlagwaffen und eines Trägerschiffs der Luftverteidigung, was ihn zu einer multifunktionalen Plattform macht. Zusätzlich wurde eine 130-mm-Kanone AK-192M sowie neue Radarstationen installiert, und die Hubschrauberdeck ist für den Einsatz von Ka-27 und Ka-31 ausgelegt – letztere mit einer Radarstation, die den Erfassungsbereich für Luft- und Oberflächenziele erweitert.

Geschichte des Schiffes und fast drei Jahrzehnte in der Werft

Der „Admiral Nakhimow“ ist laut russischen Quellen das dritte Schiff des Projekts 1144 „Orlan“. Das Schiff wurde 1983 auf der Baltischen Werft in Leningrad aufgelegt, 1986 zu Wasser gelassen und 1988 in die Sowjetmarine aufgenommen. Kreuzer dieses Projekts sind große atomar angetriebene Raketenkriegsschiffe, die für den Kampf gegen große Oberflächenziele, die Luft- und U-Boot-Abwehr sowie die Erfüllung von Kommandofunktionen bestimmt sind. Das Schiff ist der Nordflotte zugeteilt, verbrachte jedoch einen erheblichen Teil seiner Einsatzgeschichte in der Reparatur. Die Modernisierungsarbeiten begannen formell bereits 1999, während die aktive Phase der Umrüstung auf das Jahr 2013 fiel. Ursprünglich war die Fertigstellung für 2018 geplant, doch wurden die Fristen mehrfach verschoben, und bis 2026 verbrachte das Schiff rund 27 Jahre in der Werft seit Beginn der Arbeiten.

Strategische Bedeutung und arktischer Fokus

Nach seiner Rückkehr in den Dienst könnte der „Admiral Nakhimow“ zu einem der Flaggschiffe der russischen Flotte werden. Moskau misst seiner Anwendung in der Arktis, wo der Wettbewerb um Seewege und Ressourcen zunimmt, laut Analysten besondere Bedeutung bei. Theoretisch ist der modernisierte Kreuzer in der Lage, mit Marschflugkörpern „Kalibr“ und „Oniks“ Schläge auf das Territorium der Ukraine zu führen, doch dafür muss er sich auf die Schussweite seiner Raketenbewaffnung herantasten, was angesichts ausgebauter Luftabwehrsysteme des Gegners mit erheblichen Risiken verbunden ist. Dennoch verändert allein der Fakt des Erscheinens eines Schiffes mit 176 Zellen für den vertikalen Start und einer Atomenergieanlage, die eine praktisch unbegrenzte Reichweite gewährleistet, die Kräfteverhältnisse in der Ostsee und im Barentsmeer erheblich.

Widersprüchliche Angaben

In offenen Quellen gibt es Abweichungen bei der Einschätzung der Dauer der Reparatur des Schiffes. Die Schlagzeile von RBC-Ukraine spricht von „27 Jahren Reparatur“, was arithmetisch dem Zeitraum von 1999 bis 2026 entspricht. UNN und UNIAN verwenden in ihren Schlagzeilen hingegen die Formulierung „fast 30 Jahre Reparatur“, was möglicherweise auf die Berücksichtigung des Zeitraums der faktischen Einsatzunfähigkeit des Schiffes vor dem formellen Beginn der Modernisierungsarbeiten zurückzuführen ist. Darüber hinaus wird der „Admiral Nakhimow“ im ursprünglichen Text als „drittes Schiff des Projekts 1144“ bezeichnet, während er nach der allgemein anerkannten Chronologie der Auflegung der Schiffe dieses Projekts (Kirov – 1976, Frunse – 1978, Leningrad – 1980, Admiral Nakhimow – 1983) das vierte ist. Der Unterschied in der Nummerierung könnte damit zusammenhängen, dass einige Quellen nur die Serienschiffe berücksichtigen, andere – einschließlich des Leitschiffs. Die genaue Anzahl der Startanlagen (176) und deren Verteilung (80+96) wird ausschließlich nach Angaben russischer Quellen genannt und durch unabhängige nachrichtendienstliche Analysen nicht bestätigt.

Kontext: Intensivierung der russischen maritimen Präsenz

Die Rückkehr des „Admiral Nakhimow“ in den Dienst erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlichen Intensivierung der russischen maritimen Präsenz in Europa. Im Juni 2026 wurde vor der Küste Dänemarks eine ungewöhnliche russische Konvoisformation gesichtet, zu der die Jacht Graceful, die mit Wladimir Putin in Verbindung gebracht wird, gehörte. Im Januar desselben Jahres vertrieb die britische Royal Navy ein russisches Schiff aus dem Bristolkanal, das in der Nähe kritischer unterseeischer Telekommunikationskabel vor Anker lag. Diese Episoden deuten – zusammen mit der Rückkehr des größten Atomkreuzers der Flotte in den Dienst – auf eine konsequente Strategie Moskaus hin, die maritime Präsenz und das militärtechnische Potenzial in den Küstengewässern Europas zu stärken und zu demonstrieren.