Arbeit, Hausarbeiten, Kinder und ständige Fristen verleiten Menschen oft dazu, die eigene Gesundheit zu vernachlässigen. Selbst wenn Fieber, Schwäche oder Gliederschmerzen auftreten, arbeiten, trainieren und erledigen viele ihre gewohnten Pflichten weiter in der Hoffnung, dass das Unwohlsein «von alleine vorbeigeht». Familienärztin Lilija Sarahman erklärte in einem exklusiven Kommentar für WAVE (RBC-Ukraine), warum diese Strategie falsch ist und wann der Körper wirklich Ruhe braucht.

Warum Menschen die ersten Symptome ignorieren

Ihren Angaben zufolge werden die ersten Anzeichen einer Krankheit meistens wegen Zeitmangels, der Angst vor verpassten Arbeitstagen oder schlicht aus Gewohnheit, Unwohlsein zu ertragen, ignoriert. Der Mensch gewöhnt sich daran, «auf Autopilot» zu handeln, und merkt nicht, wie die Belastung für den Körper steigt, bis der Zustand kritisch wird. Genau diese Gewohnheit, nicht anzuhalten, ist der Hauptgrund dafür, dass aus einer leichten Indisposition eine langwierige Erkrankung wird.

Was im Körper während einer Infektion passiert

Während einer Infektion wendet der Körper einen beträchtlichen Teil seiner Ressourcen für die Bekämpfung des Erregers auf. Wenn man sich in dieser Zeit nicht genügend Ruhe gönnt, weiterarbeitet, Sport treibt und zu wenig schläft, nimmt die Belastung des Körpers nur zu. Die Ärztin weist darauf hin, dass dies das allgemeine Wohlbefinden verschlechtern, die Genesungszeit verlängern und bei bestimmten Infektionen die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen erhöhen kann. Mit anderen Worten: Das «Verschleppen auf den Beinen» beschleunigt die Rückkehr zu den Aufgaben nicht, sondern verlangsamt sie.

Die besondere Gefahr der Grippe und ihrer Komplikationen

Besondere Vorsicht ist bei der Grippe geboten: Sie ist nicht einfach eine «schwere Erkältung», sondern eine Virusinfektion, die schwer verlaufen und verschiedene Organe und Systeme betreffen kann. Zu den möglichen Komplikationen zählt die Ärztin eine virale oder bakterielle Lungenentzündung, Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels), Verschlimmerungen chronischer Erkrankungen und in seltenen Fällen Schäden am Nervensystem. Wichtig ist, dass solche Komplikationen selbst bei Personen auftreten können, die zuvor keine gesundheitlichen Probleme hatten, weshalb man sich Medikamente, insbesondere Antibiotika, keinesfalls eigenmächtig verordnen sollte.

Wann es Zeit ist anzuhalten und zu Hause zu bleiben

Lilija Sarahman empfiehlt: Wenn eine erhöhte Temperatur von Schwäche, Gliederschmerzen, Husten oder Schnupfen begleitet wird, ist es besser, auf Arbeit und andere gewohnte Dinge zu verzichten und zu Hause zu bleiben. Ein besonderes Augenmerk sollte auf den Verlauf der Erkrankung gerichtet werden — wenn nach einer anfänglichen Besserung das Fieber wieder steigt, der Husten zunimmt, Kurzatmigkeit oder Brustschmerzen auftreten, muss medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden, anstatt weiter «durchzuhalten».

Wie man richtig in den gewohnten Rhythmus zurückkehrt

Die Rückkehr zum gewohnten Lebensrhythmus sollte schrittweise erfolgen. Bei einer Atemwegsinfektion empfiehlt die Ärztin, sich an einer allgemeinen Verbesserung der Symptome und mindestens 24 fieberfreien Stunden ohne den Einsatz von fiebersenkenden Mitteln zu orientieren. Nicht immer wird das Erholungsbedürfnis von offensichtlichen Infektionssymptomen begleitet: Manchmal signalisiert der Körper Erschöpfung durch Veränderungen des Wohlbefindens und der alltäglichen Aktivität, und auch diese Signale verdienen Aufmerksamkeit.

Erholung ist Teil der Genesung, keine Schwäche

Die Ärztin betont: Man sollte nicht abwarten, bis der Körper buchstäblich dazu zwingt, die gewohnten Dinge aufzugeben. Sich während einer Krankheit auszuruhen ist weder ein Zeichen von Schwäche noch ein unnötiger Luxus, sondern ein wichtiger Teil der Genesung. Die Fähigkeit, Veränderungen des Wohlbefindens rechtzeitig zu bemerken, medizinische Hilfe einzuholen und sich Zeit für die Heilung zu nehmen, hilft dabei, verantwortungsvoller mit der eigenen Gesundheit umzugehen.